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Versicherungsprämien : Bonus für gesünderen Lebenswandel

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Diese sportlichen Frauen können bei der Versicherungsprämie sparen. Bild: Getty

Der Versicherer Generali stellt seine Kunden vor die Wahl: Wer sich viel bewegt und viel Gemüse isst, wird mit Rabatten belohnt. Soll man da mitmachen?

          Giovanni Liverani hat einen Puls von 80 Schlägen je Minute, als er an diesem Morgen loslegt. Er kokettiert ein bisschen damit, denn 80 sind ein guter Wert, den viele seiner Vorstandskollegen in deutschen Versicherungen vermutlich nicht vorweisen können.

          Dann kommt Liverani in Fahrt, bis sein Herz am Ende mit 140 Schlägen pocht. Auch das wäre ein guter Wert, wenn er eine Joggingrunde hingelegt hätte oder eine Einheit im Fitnessstudio. Aber Liverani hat nur auf dem Podium gestanden und als Chef der Generali Deutschland über den neuen Gesundheits-Tarif seiner Versicherung gesprochen. Was seinen Puls in die Höhe getrieben hat, war die Aufregung, die Präsentation vor Zuhörern. Man kann es auch Stress nennen. Die Pulsuhr ist gnadenlos gelaufen, denn sie registriert seine Herzschläge – aber keine Bewegung.

          Wer Gesundheitsdaten weiterleitet, spart Geld

          Wenn es so läuft, wie es sich die Generali-Manager vorstellen, sendet Liveranis Uhr diese Daten am Abend an das Versicherungs-Kundenportal und erkennt: Aha, der Tag war stressig. Und wie sah es mit der Bewegung aus? Dürftig: viele Stunden im Sitzen, Präsentationen, Mitarbeitergespräche, Schreibtischarbeit. Gestern ist er gejoggt, aber heute hat er nicht einmal 20 Prozent seiner üblichen Schrittzahl getätigt. Gesund ist das nicht. Nicht einmal gesund eingekauft hat der Mann heute. Man müsste dringend mal seine Cholesterinwerte überprüfen. Für heute jedenfalls bekommt er keine Bonuspunkte.

          Viele fänden es gruselig, wenn ein Gerät am Handgelenk sie so genau überwacht und die Daten an den Versicherer weiterleitet. Giovanni Liverani und sein Team feiern es als den großen Durchbruch. Denn erstmals stellt an diesem Tag ein deutscher Versicherer einen personalisierten Tarif für Risikolebens- und Berufsunfähigkeitspolicen vor. Er soll den Markt nichts weniger als revolutionieren und 2017 auch in Österreich und Frankreich kommen.

          Das Versprechen heißt: Kunden, die Gesundheits- und Fitnessdaten regelmäßig an die Generali weiterleiten, sparen viel Geld. Sie bekommen Rabatte beim Kauf von Sportbekleidung und Gesundheitsdingen, günstigere Tarife in Fitnessstudios, ihnen winken sogar Gutscheine für Urlaubsreisen. Außerdem zahlen sie weniger Geld für die Versicherungsprämien. Der größte Nutzen aber, den es bringen soll, ist eine gesündere Lebensweise. Dank guter Tipps von der Assekuranz sollen die Kunden es schaffen, sich mehr zu bewegen, gesünder zu essen, hoffentlich weniger krank zu werden und vielleicht sogar länger zu leben. Vitaler sollen die Kunden bleiben, deshalb heißen die neuen Verträge bei der Generali auch „Vitality“-Tarife.

          Profitieren beide Seiten wirklich gleichermaßen?

          Das klingt nach einem fairen Deal für beide Seiten: Die Versicherung muss nicht mehr so häufig in Schadensfällen zahlen, weil es weniger Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Herzinfarkte oder Burnouts gibt. Und die Kunden werden fürs Mitmachen belohnt: mit besserer Gesundheit und mit Geld- und Sachprämien. Doch profitieren beide Seiten wirklich gleichermaßen? Dazu muss man sich das Verhältnis von Aufwand und Wirkung ansehen.

          Schließlich bezahlen die Kunden solche Tarife teuer: indem sie viele und sehr persönliche Daten preisgeben. In immer mehr Lebenslagen. Denn die Zahl der Versicherungen, die solche Kundendaten sammeln wollen, wächst: Kfz-Versicherer wie Allianz, Axa und VHV tun es bereits, die HUK-Coburg will bald nachziehen. Hausratversicherungen belohnen den Einbau elektronischer Meldesysteme gegen Wasserschäden oder Einbruch.

          Auch private Krankenversicherer wollen Gesundheitsdaten nutzen. Dass sie personalisierte Tarife einführen können, hält der PKV-Bundesverband jedoch für gesetzeswidrig, denn nur zu Vertragsabschluss dürfe der Gesundheitszustand erhoben werden. Spätere Verschlechterungen dürften jedenfalls keinen Einfluss auf die Beitragshöhe haben. Die Generali arbeitet dennoch am Vitality-PKV-Tarif und kann ihn sich selbst für Rentenpolicen vorstellen.

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