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Trotz Schwierigkeiten : Gesundheitskarte kommt mit E-Unterschrift voran

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Noch kann die neue Gesundheitskarte auch nicht viel mehr als die alte - das soll sich aber bald ändern. Bild: dpa

Teuer, kompliziert - nutzlos? Die elektronische Gesundheitskarte machte bisher viel Ärger und wenig Freude. Doch auf die Versicherten und Ärzte rollt eine Welle neuer digitaler Möglichkeiten zu.

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          Trotz anhaltender Bedenken um die elektronische Gesundheitskarte (eGK) treibt die Industrie im Hintergrund die für viele Anwendungen nötige Datenautobahn voran. „Derzeit wird die Infrastruktur aufgebaut“, sagte Arno Elmer, Geschäftsführer der Gematik, einer Gesellschaft unter Trägerschaft der Krankenkassen, Ärzte, Kliniken und Apotheker, der Nachrichtenagentur dpa in Berlin. „Die beteiligten Industrieunternehmen bauen die Technik auf.“

          Zwar sind die allermeisten Versicherten mit der eGK ausgestattet. Doch kann diese ohne neue Technik zum Datenaustausch zwischen Ärzten, Kliniken und Apotheken nicht viel mehr als die alte Karte. Auch diese ist noch im Umlauf. Derzeit ringen der Krankenkassen-Spitzenverband und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) um eine Lösung für jene rund 6 bis 8 Prozent der gesetzlich Versicherten mit alter Karte. Nach bisherigen Plänen sollte ab 30. September keine Leistung mehr darüber abgerechnet werden können. Nun werden Übergangsregelungen erwogen, hieß es.


          Fahrplan für die elektronische Gesundheitskarte


            2011: Start für die elektronische Gesundheitskarte

            Seit 2011 wird die elektronische Gesundheitskarte (eGK) ausgegeben. Im Vergleich zur alten Versichertenkarte bringt derzeit nur das Foto der Versicherten Mehrnutzen - es schützt vor Kartenmissbrauch. Künftig soll die eGK deutlich mehr können.

            2015: Datenspeicherung geht in die Testphase

            Das Management der Versichertenstammdaten wird erprobt und aufgebaut. Name, Geburtsdatum, Anschrift und Versichertenstatus sind auf der Karte gespeichert - und sollen online mit den aktuellen Daten bei der Krankenkasse abgeglichen und gegebenenfalls korrigiert werden können.

            2016: Sichere Online-Kommunikation zwischen Ärzten und Kliniken

            Das Verfahren mit den Stammdaten soll durchgehend angewendet werden. Aufgebaut werden soll die sichere elektronische Unterschrift im Gesundheitsbereich und die sichere Online-Kommunikation zwischen Ärzten, Kliniken und Apothekern.

            2017: E-Unterschrift und E-Kommunikation

            E-Unterschrift und E-Kommunikation sollen in den normalen Betrieb gehen. Weitere Anwendungen sollen Schritt für Schritt dazukommen. Beispiel: Ein Zahnarzt röntgt den Kiefer. Das Bild kommt in die elektronische Patientenakte, nachdem der Patient beim Kartenterminal des Zahnarztes sein PIN eingegeben und der Arzt sich durch seine eigene Chipkarte ausgewiesen hat. Später können andere Ärzte auf die Aufnahme zurückgreifen, nach PIN-Eingabe der Patientin bei deren Terminal.


          Nach dem Bau der Autobahn für Gesundheitsdaten 2015 könnten IT-Unternehmen Anwendungen womöglich ab 2016 anbieten, so Elmer. Die qualifizierte elektronische Signatur stehe am Anfang. „Heute drucken Ärzte einen Brief aus, unterschreiben ihn, scannen ihn ein und mailen ihn dann.“ Künftig gebe es eine gültige elektronische Unterschrift. „Weitere Anwendungen betreffen die Sicherheit von Arzneimitteltherapien oder die elektronische Fallakte.“ Etwa Wechselwirkungen bei Einnahme mehrerer Pillen sollen vermieden werden. Im Endausbau gehe die Gematik von 200.000 Anschlusspunkten etwa in Praxen und Apotheken aus. Vor allem für ältere Patienten mit mehreren Krankheiten und Medikamenten würden die Anwendungen interessant. Elmer warb deshalb dafür, „dass auch die Pflegeberufe an die Telematikinfrastruktur angebunden werden“.

          Der Kassen-Spitzenverband hatte vor wenigen Wochen Alarm geschlagen. Die Einführung der Karte mitsamt echtem Nutzen sei wegen Hemmnissen - ausgelöst durch die Ärzteschaft - nicht sicher, so der Tenor. Die KBV hatte mit Angriffen gegen die Kassen gekontert. Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) will nun per Gesetz das Milliardenprojekt antreiben. Gemessen an früheren Plänen ist es seit Jahren überfällig. Die KBV warnte vor unerwartetem Mehraufwand. „Bei der eGK wurden die Aspekte Sicherheit und Wartung unterschätzt“, sagte der Vorsitzende Andreas Gassen der dpa. „Es ist ein mögliches Szenario, dass die Karte immer wieder ausgetauscht werden muss.“

          Laut einer aktuellen Studie der Universität Augsburg, die der dpa vorlag, haben die massiven Vorbehalte in der Ärzteschaft gegen die eGK mehrere Ursachen: etwa der Eindruck, die Regierung mache Druck zur Einführung der Karte, Misstrauen gegenüber der Datensicherheit oder der Wunsch, die Arbeit einfach so zu machen wie immer. Industrievertreter zeigen sich optimistisch. „Behandlungsprozesse werden mittels intelligenter IT-Lösungen in und zwischen den Sektoren optimiert, auf höchstem Sicherheitsniveau und für eine optimale, am Patientenwohl orientierte Versorgung“, sagte der Geschäftsführer des Verbands der IT-Anbieter im Gesundheitswesen (bvitg), Ekkehard Mittelstaedt.

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