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Risiko für Kunden : Rendite von Lebensversicherungen könnte unter Garantiezins fallen

  • -Aktualisiert am

Heidelberger Leben: Geschäft mit Lebensversicherungen eingestellt Bild: Heidelberger Leben

Die Ratingagentur Moody’s warnt: Ein Anstieg der Zinsen in Europa ist für Lebensversicherungen von Nachteil. Die Rendite könnte sogar unter den Garantiezins fallen.

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          Zwei lachende Kinder auf einer Schaukel und dazu der Spruch „... ihnen zuliebe eine Lebensversicherung“. So warb die deutsche Assekuranz im Jahr 1966 bei fürsorglichen Eltern für das Finanzprodukt, das wohl wirklich die allermeisten Deutschen abgeschlossen haben. Schließlich übersteigt die Zahl der Lebenspolicen mit 93 Millionen hierzulande sogar die Zahl der Einwohner mit knapp 82 Millionen.

          Doch auf die Lebensversicherten kommen neue Risiken zu. Das sehen zumindest die Analysten der Ratingagentur Moody’s so. „Wir gehen davon aus, dass die Zinsen im Euroraum in diesem Jahr steigen werden, wenn auch langsamer als in den Vereinigten Staaten“, sagte Simon Harris, Versicherungsexperte von Moody’s, am Mittwoch in Frankfurt. „Deutschland und die Niederlande sind am stärksten diesem Zinsrisiko ausgesetzt.“

          Damit meint der Analyst: Die ohnehin schon niedrige Rendite deutscher Lebensversicherungen wird weiter sinken, so dass die ohnehin schon schwächelnde Branche tiefer in Schwierigkeiten geraten wird. Den deutschen Versicherern wird nach Einschätzung von Moody’s vor allem zu schaffen machen, dass die Auszahlungsverpflichtungen immer weniger zur Struktur der Kapitalanlagen passen.

          „In Deutschland besteht ein hohes Risiko, dass die Rendite der Lebensversicherungen unter den Garantiezins fällt“, warnt Harris. Den Garantiezins legt das Bundesfinanzministerium fest und orientiert sich dabei an der Umlaufrendite zehnjähriger öffentlicher Anleihen im Euroraum. Anfang 2012 senkte es ihn von 2,25 Prozent auf 1,75 Prozent. Damit liegt er kaum noch über der aktuellen Rendite zehnjähriger Bundesanleihen von rund 1,6 Prozent. Derzeit wird diskutiert, ob das Finanzministerium ihn im kommenden Jahr auf 1,5 Prozent oder sogar 1,25 Prozent senkt. Dieser Schritt gilt allerdings grundsätzlich nur für Neuverträge.

          Bild: F.A.Z.

          Der Garantiezins zwingt die Versicherungsunternehmen, schon in der Kalkulation ihrer Policen künftige Kapitalerträge nicht allzu weit entfernt vom Garantiezins anzusetzen. Insofern dient er dem Versicherungsnehmer als Anhaltspunkt, um die Mindestverzinsung seiner Lebenspolice während ihrer Laufzeit abzuschätzen. Allerdings ist eine Ausnahme möglich: Der Versicherer darf unter den Garantiezins gehen, wenn er ihn nicht mehr selbst erwirtschaften kann.

          Noch hält die Versicherungsbranche daran fest, dass sie die Rendite von Lebenspolicen über dem Garantiezins halten kann. „Unser Ziel ist es, die Kapitalmarktschwankungen in sehr gleichmäßige Rendite umzuwandeln“, sagte Thomas Krüger, Vorstandsmitglied der VGH Versicherungen in Hannover, jüngst auf einer Veranstaltung des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Frankfurt. Er verwies darauf, dass die Versicherer noch große Bestände an Anleihen mit langen Laufzeiten und zum Teil noch mit Kupons von mehr als 4 Prozent im Portfolio hätten. „Wir sind zuversichtlich, dass wir den durchschnittlichen Rechnungszins schneller senken können, als die Erträge aus den alten Kupons fallen“, sagte Krüger weiter. „Wir halten eine Phase niedriger Zinsen dauerhaft aus.“

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