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Lebensversicherung : Hoffentlich Allianz versichert?

Bild: iStock

Die Allianz hat einen neuen Kassenschlager: eine Lebensversicherung namens „Perspektive“, die ohne Garantiezins auskommt. Wir raten ab.

          Die magische Marke fiel Ende Februar, und sie löste im Vorstand der Allianz Lebensversicherung Euphorie aus: Bereits 100.000 Kunden, so ließ man stolz via Pressemitteilung verbreiten, hätten nun eine neue Art der Lebensversicherung bei der Allianz abgeschlossen - eine Versicherung mit Namen „Perspektive“, seit Mitte 2013 im Angebot. In der Tat ist die Zahl von 100.000 Neuverträgen beachtlich: Selten zuvor haben innerhalb so weniger Monate so viele Kunden einen neuen Lebensversicherungsvertrag unterschrieben. Das Prinzip in Kurzform: Keine garantierten Zinsen mehr in der Ansparphase, dafür aber die Aussicht auf höhere Renditen!

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Verkaufserfolge der Allianz könnten dem Rest der Welt nun herzlich egal sein. Aber die Deutschen, ansonsten jeder Form der Geldanlage ziemlich abhold, waren stets große Fans der Lebensversicherung und haben es so auf die sagenhafte Zahl von mehr als 90 Millionen Verträgen gebracht - mancher Bundesbürger hat eben sogar zwei oder drei. Doch in Zeiten niedriger Zinsen (der Garantiezins für Lebensversicherungen wurde erst Anfang des Jahres auf magere 1,25 Prozent gesenkt) geht die Zahl der Neuverträge kontinuierlich zurück.

          Da sind 100.000 neue Kunden sensationell. Viele Konkurrenten der Allianz sind darum hellhörig geworden, auch sie basteln an Innovationen oder haben diese schon auf den Markt gebracht. „Es ist das richtige Produkt zur richtigen Zeit“, rühmt Alf Neumann, Vorstandsmitglied der Allianz-Lebensversicherung, das eigene Unternehmen. Es schwingt der Anspruch mit: Deutsche, so wird in Zukunft eure Lebensversicherung aussehen.

          Das richtige Produkt zur richtigen Zeit? Dies mag man bei der Allianz so sehen. Doch aus Sicht der Kunden müsste man es eher umgekehrt formulieren: Es ist wohl nichts so ungünstig, wie inmitten der aktuellen Niedrigzinszeit in eine - wenn auch etwas anders ausgestaltete - Lebensversicherung zu investieren.

          Selbstredend kann Allianz-Vorstand Neumann dem nicht zustimmen: „Unsere Kunden fragen in der lange andauernden Phase niedriger Zinsen nach Vorsorgekonzepten mit neuen Garantien.“ Doch was bieten diese neuen Garantien wirklich? Die „Perspektive“-Versicherung sichert den Kunden im Gegensatz zu einer klassischen Lebensversicherung bei Abschluss nicht mehr den aktuell gültigen Garantiezins von 1,25 Prozent zu. Zugewinne gibt es in der Ansparphase trotzdem (das Fachwort hierfür lautet „Überschussbeteiligung“), aber die sind eben nicht garantiert. Die neue Versicherung garantiert lediglich beim Eintritt in die Rentenphase das eingezahlte Kapital und eine in Euro je Monat ausgewiesene Mindestrente, die sich aus den Einzahlungen ergibt - in der Branche ist gerne beschönigend von „Bruttobeitragserhalt“ die Rede.

          „Verschiebung der Risiken“

          Das ändert sich erst mit dem Beginn des Ruhestands: Das Kapital der Kunden wird dann mindestens mit dem zu diesem Zeitpunkt geltenden Garantiezins verzinst. Natürlich könnte dieser Zins in Zukunft wieder höher ausfallen als heute - zwingend so sein muss es aber nicht.

          Diese abgeschwächten Garantien gehen klar zu Lasten der Versicherten. „Es findet eine Verschiebung der Risiken weg vom Versicherer hin zu den Kunden statt“, sagt Lars Heermann, Analyst der Ratingagentur Assekurata. Muss sich bei der klassischen Lebensversicherung der Anbieter dazu verpflichten, dem Kunden stets denjenigen Garantiezins zu zahlen, der bei Vertragsabschluss gilt, bleibt der Kunde bei den neuen Angeboten im Ungewissen: Es liegt in der Natur der Sache, dass er den Garantiezins zu seinem Renteneintritt heute noch nicht kennen kann - er kann damit also auch nicht kalkulieren. Der Allianz hingegen erwachsen aus diesem Wegfall des Garantiezinses neue Freiheiten: Sie darf die bei ihr eingezahlten Gelder nun mit weniger Eigenkapital unterlegen. Weniger technisch ausgedrückt: Sie kann freier schalten und walten.

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