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Lockangebote : Kostenlose Kreditkarten können teuer sein

  • -Aktualisiert am

Kunden müssen bei Kreditkarten auf der Hut sein Bild: dpa

Viele Kreditkarten werden mittlerweile mit Extras wie Versicherungen angeboten. Die Kosten und Konditionen variieren sehr. Nicht alle Leistungen halten, was sie versprechen.

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          An Flughäfen und Bahnhöfen kann man den hübschen jungen Frauen kaum entkommen. Vor allem, wenn sie zusätzlich mit monetären Reizen locken. Barclays etwa wirbt momentan für eine lebenslang kostenlose Kreditkarte, kostenlos Bargeld abheben in der ganzen Welt und null Prozent Zinsen für zwei Monate. Ist das schon alles? Nein, ein Startguthaben von 25 Euro und 5 Prozent Rabatt auf Reisebuchungen bei einer Partnerfirma gibt es noch dazu.

          Green, Gold, Platinum, New Double, Business heißen die diversen Angebote dann, mit denen die Kunden beispielsweise einen Geschenkservice, Chauffeurdienste und Versicherungspakete in Anspruch nehmen können. Fast alle Kreditkartenunternehmen locken Geschäftsreisende, Sparfüchse, Shopping-Fans oder Umweltbewusste mit Zusatzleistungen. Nur was sind diese wert? Und was kosten die kostenlosen Karten wirklich? Die Konditionen variieren extrem.

          Insgesamt haben die Deutschen die Qual der Wahl zwischen hunderten verschiedenen Kreditkarten-Angeboten, die Banken als Lizenznehmer von Mastercard oder Visa vertreiben. Nach Schätzungen des Finanzdienstleisters „Source“ sind rund 25 Millionen Kreditkarten in Deutschland im Umlauf. „Verbraucher können von diesem intensiven Wettbewerb der Geldinstitute profitieren“, sagt Markus Feck von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. „Aber nur, wenn sie ganz genau hinschauen.“

          Versicherungsleistungen oft unterdurchschnittlich

          Vor allem mit Versicherungen versuchen die Unternehmen die Kunden zu locken. Auslandsreiseversicherung, Unfallversicherung, Reiserücktrittsversicherung, Warenversicherung, Kfz-Reisehaftpflicht für Mietwagen und sogar Reisekomfortversicherungen und Hilfsleistungen sind automatisch beim Erwerb einer Karte integriert. 50 bis 80 Euro Jahresgebühr kosten diese gewöhnlich. „Man sollte aber nicht nur auf Kosten achten, sondern auf den Leistungsumfang der Versicherungen“, sagt Markus Feck von der Verbraucherzentrale. „Das Kleingedruckte kann Überraschendes beinhalten.“ Denn ob die Versicherung im Ernstfall auch wirklich einspringt, hängt von den oft eng gefassten Versicherungsbedingungen ab. So zahlt die Versicherung häufig nur, wenn die Reise auch mit der verbundenen Kreditkarte bezahlt wurde. Manche Kartenanbieter verlangen vom Kunden einen Selbstbehalt bis zu 20 Prozent. Oft seien die Vertragsbedingungen für die Reiseversicherungen bei Kreditkarten veraltet, warnen Experten. Bei den Einzelpolicen hätten die Versicherer dagegen viele der kritisierten Klauseln längst durch verbraucherfreundliche Regeln ersetzt.

          Auch von einer Gepäckversicherung raten die Fachleute ab, weil es so viele Bedingungen zu erfüllen gäbe, dass man schon selbst die ganze Zeit auf dem Gepäck sitzen müsse, um einen Leistungsanspruch zu haben. Für die meisten Kunden ist eine günstige Karte unter 35 Euro Jahresgebühr und ohne Extras die bessere Wahl, hat „Finanztest“ analysiert. Die wichtigen Reiseversicherungen gebe es in separaten Verträgen zu besseren Bedingungen. Gerade Auslandsreisepolicen sind schon für unter 20 Euro für die gesamte Familie zu haben.

          Die naheliegende Frage, wie die Unternehmen mit all diesen Zusatzleistungen und kostenlosen Kreditkarten überhaupt noch Geld verdienen, ist durchaus angebracht. Verbraucher sollten nicht nur auf die Jahresgebühr schauen. „Man sollte unbedingt darauf achten, was das Abheben am Automaten kostet“, sagt Markus Feck von der Verbraucherzentrale. Diese Kosten werden allerdings von den Banken bestimmt. Außerdem sind die Kosten für den Einsatz außerhalb des Euroraumes entscheidend. Dafür, dass innerhalb der EU keine Gebühren mehr für das bargeldlose Bezahlen mit der Kreditkarte anfallen, hatte sich die Europäische Kommission engagiert. Ihrer Meinung nach sind die Gebühren ein Auswuchs des Wettbewerbs unter den Kartenanbietern. Die Einnahmen daraus würden für Anreizprogramme genutzt, bei denen die Kunden etwa für einen Kreditkarten-Vertrag mit Flugmeilen belohnt werden.

          Solche Geschenke soll die Allgemeinheit nach Ansicht der EU nicht mehr bezahlen. Bei Kreditkarten dürfen nach dem Gesetzentwurf nur noch 0,3 Prozent der bezahlten Summe berechnet werden. In Deutschland käme das den Kunden besonders zugute. Hier berechnete Visa im Jahr 2012 mit mehr als 1,6 Prozent den höchsten Satz in allen 28 EU-Staaten. Vor ein paar Tagen einigten sich die Anbieter Visa und Mastercard nun mit der Kommission auf die niedrigeren Gebühren.

          Die wahre Kostenfalle verbirgt sich jedoch nicht in den Gebühren am Automaten oder an der Kasse, sondern in den verschiedenen Abrechnungsvarianten der Kreditkarten. Die Geldinstitute unterscheiden zwischen Charge, Debit und Credit Cards. Wobei die Credit Card die einzige echte Kreditkarte ist, bei der ein Kunde tatsächlich Geld von seiner Bank leiht, das er in monatlichen Raten zurückzahlt. Vor Kreditkarten mit sogenannten Revolving Credits - der Möglichkeit zur Teilrückzahlung - warnen Verbraucherschützer eindringlich. „Mit Produkten dieser Art sollte man gar nicht erst anfangen. Das ist in der Regel der Einstieg in die Verbraucherverschuldung“, sagt Markus Feck. Das Problem sei, dass sich solche Angebote meist nur für diejenigen lohnen, die sowieso schon Schulden haben. Sie würden durch Revolving Credits in eine zweite Kreditlinie neben dem Dispo des Girokontos gelockt.

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