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Reformgesetz : Lebensversicherung noch schnell kündigen

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Bild: dpa

Die Niedrigzinsphase bringt die deutschen Versicherer immer stärker in Bedrängnis. Deshalb denkt die Regierung über ein neues Gesetz nach: Ältere Versicherungskunden könnten weniger Geld bekommen. Sie sollten über eine Kündigung nachdenken.

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          Die Lebensversicherung, einst des Deutschen liebstes Kind, wird immer mehr zu seinem größten Ärgernis. Überschussbeteiligungen und Garantiezinsen sinken seit Jahren. Nun droht neues Ungemach. Noch am Freitag soll der Bundestag über ein Gesetz entscheiden, das Besitzer von Lebensversicherungen Zehntausende von Euro kosten kann. Denn wenn Policen regulär auslaufen oder gekündigt werden, sollen ihre Besitzer nicht mehr uneingeschränkt an den Kursgewinnen von Wertpapieren der Lebensversicherung beteiligt werden.

          Das Problem: Die Versicherungen erwirtschaften niedrige Zinsen, gleichzeitig müssen sie ihren Kunden die hohen Garantiezinsen der Vergangenheit zahlen. Gut ein Drittel der Versicherer könnte in den kommenden zehn Jahren in Bedrängnis geraten. Was die jüngeren Versicherten ärgert, freut die älteren: Mit dem Rückgang der Zinsen sind viele Anleihen im Kurs gestiegen. Die älteren Versicherten pochen auf eine Ausschüttung dieser Kursgewinne - doch nach dem neuen Gesetz könnte es passieren, dass Sie diese Kursgewinne nicht bekommen.

          Kunden, deren Vertrag bald endet oder die ihre Police in nächster Zukunft kündigen wollen, drohen deshalb deutliche Einbußen. Dabei handelt es sich laut der Verbraucher-Webseite Finanztip um immerhin 4 Millionen Verträge. Besonders betroffen seien echte kapitalbildende Lebensversicherungen, die vor 2005 abgeschlossen wurden und in den nächsten fünf bis sieben Jahren auslaufen.

          Sollte der Bundesrat am 11. Juli dem Gesetz zustimmen, könnte es noch im laufenden Monat in Kraft treten. Können Versicherungskunden dem Gesetz noch zuvorkommen? Zum Teil. Ausschlaggebend ist hier die Kündigungsfrist. Wer seinen Vertrag bis zum 1. August beenden kann, für den lohnt sich möglicherweise eine Kündigung. Laut Finanztip sollte die Versicherungssumme zudem größer als 10.000 Euro sein. Doch Vorsicht: Lebensversicherungen sind in den letzten Jahren ihres Bestehens am rentabelsten. Kunden sollten mit einem Berater durchrechnen, ob sich die Kündigung lohnt - zumal mit einer Kündigung auch wertvolle Zusatzbestandteile wegfallen können, zum Beispiel Berufsunfähigkeitsversicherungen.

          Rücknahme der Kündigung kann auch sinnvoll sein

          Falls das Gesetz in Kraft tritt, bevor die Kündigungsfrist abgelaufen ist, sollten Versicherte ihre Kündigungen sogar zurücknehmen, rät Finanztip-Versicherungsexperte Saidi Sulilatu. „Am besten fragen Kunden schon mit der Kündigung, wie lange sie diese noch widerrufen können.“

          Das neue Lebensversicherungsreformgesetz droht die Branche aber ebenfalls zu überfordern, meint das Software- und Beratungshaus PPI. Neben den Änderungen bei den Bewertungsreserven müssen die Versicherer künftig Provisionen offenlegen, eine Garantiezinssenkung und eine andere Beteiligung der Kunden an den Risikoüberschüssen verarbeiten. Das überfordere die Fachkräfte in den Bereichen IT und Aktuariat. Allein die Umsetzung der Garantiezinssenkung bis zum Januar 2015 dürfte schwierig werden.

          Die negativen Schlagzeilen und die niedrigen Zinsen lassen das Interesse an Lebensversicherungen zunehmend sinken. 2012 wurden nur noch 6 Millionen Verträge abgeschlossen. Vor zehn Jahren waren es noch mehr als 10 Millionen. Indes sind die Versicherungssummen immer größer geworden: Waren es 2002 noch durchschnittlich rund 21.700 Euro, so waren es 2012 mehr als 40.000 Euro. Noch immer gibt es in Deutschland mit 88,32 Millionen Policen mehr Lebensversicherungen als Einwohner.

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