https://www.faz.net/-hsz-7jsf6

Lebensversicherung : Alte Leipziger hält Verzinsung auf rekordniedrigem Niveau

Zentrale der Alten Leipziger in Oberursel Bild: Kaufhold, Marcus

Die Alte Leipziger wappnet sich für die härteren Kapitalregeln ab 2016. Trotz bester Anlageergebnisse hält sie die Überschussverzinsung stabil. Denn die Lage der Versicherer ist schwierig.

          2 Min.

          Geschäftlicher Erfolg macht selbstbewusst. Früher zählte die Alte Leipziger aus Oberursel zu den grauen Mäusen der Versicherungswirtschaft. Im Branchenvergleich lag ihre Verzinsung in der Lebensversicherung eher im unteren Fünftel. Doch seit einigen Jahren hat sich das geändert. Beflügelt von überdurchschnittlichen Erfolgen in der Kapitalanlage hat das Unternehmen auch im Neugeschäft enorm an Boden gutgemacht. Unter Maklern zählt es inzwischen nicht nur in der traditionellen Sparte Berufsunfähigkeitsabsicherung zu den Favoriten, sondern auch in der klassischen Altersvorsorge – also bei privaten Rentenversicherungen gegen laufenden und einmalig gezahltem Beitrag.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          An ihr gewachsenes Selbstvertrauen hat die Unternehmensführung um Vorstandschef Walter Botermann auch ihren öffentlichen Auftritt angepasst: Seit einigen Jahren veröffentlicht die Alte Leipziger als erste im Markt ihre Überschussdeklaration – früher wartete die gesamte Assekuranz zunächst ab, wie sich der Marktführer Allianz entscheidet. Selbst im vergangenen Jahr, als der hessische Versicherer seine laufende Verzinsung um einen halben Prozentpunkt auf 3,35 Prozent senkte und damit unter den Marktdurchschnitt (3,6 Prozent) fiel, hielt man daran fest.

          Trotz besten Ergebnissen nur wenig Spielraum

          In diesem Jahr ist die Nachricht weniger negativ ausgefallen: Die laufende Verzinsung bleibt für 2014 auf dem bisherigen Niveau, das allerdings weiter rekordniedrig ist. Zusammen mit der Schlussüberschussbeteiligung und der Sockelbeteiligung an den Bewertungsreserven werden Kunden für das kommende Jahr unverändert rund 4,1 Prozent auf den Sparanteil ihrer Policen gutgeschrieben.

          Diese Entscheidung zeigt, wie eingeschränkt inzwischen die Möglichkeiten der Lebensversicherer sind, ihre Kunden an ihren Überschüssen teilhaben zu lassen – wenn sie denn noch nennenswerte erzielen. Auch mit Hilfe eines weit überdurchschnittlichen Aktienanteils von derzeit 11,5 Prozent ist die Alte Leipziger erfolgreicher als der Branchendurchschnitt. Im Jahr 2012 hat sie mit 5,4 Prozent Nettoverzinsung auf ihre Kapitalanlage branchenweit eines der besten Ergebnisse erzielt. Dabei lag der Aktienanteil noch kurz nach Ausbruch der Finanzkrise nahe null Prozent. Das Unternehmen steuert seine Investitionen nach Volatilitätsmaßstäben. Da die Schwankungen an den Aktienmärkten aktuell gering sind, profitiert es vom Börsenaufschwung.

          Entwicklung der durchschnittlichen Überschussbeteiligung seit 2001

          Um aber die Bestände mit hohen Zinsversprechen aus der Vergangenheit gegen den Niedrigzins abzusichern, müssen die Lebensversicherer in diesem Jahr insgesamt rund 6 Milliarden Euro aus ihren Überschüssen in eine Zinszusatzreserve abführen. Erstmals müssen sie wegen des schwachen Kapitalmarktzinses nicht nur die 4-prozentigen Garantien nachreservieren, sondern auch die 3,5-prozentigen.

          Wie wenig aussagekräftig ein reiner Vergleich der Überschussbeteiligungen ist, zeigt ein anderer Umstand: Um die Eigenmittel mit Blick auf die künftige Regulierung Solvency II zu stärken, behält das Unternehmen jährlich einen größeren Teil seiner Überschüsse als Eigenkapital ein als viele seiner Wettbewerber. Auch deshalb hört man aus Oberursel selten Klagen über das neue Aufsichtsrecht. Nutzt ein Lebensversicherer aber seine Überschüsse, um die Eigenmittel zu stärken, kann er seinen Kunden weniger Überschussbeteiligung ausschütten. Bei der Vorbereitung auf das mutmaßlich von 2016 an geltende Rechtsregime hilft es aber deutlich weiter, Überschüsse einzubehalten.

          In den kommenden Wochen werden tröpfchenweise auch alle anderen Lebensversicherer ihre Deklaration vorlegen. Im vergangenen Jahr machten sie im Durchschnitt einen regelrechten Sprung nach unten: von 3,9 auf 3,6 Prozent. Denn schon 2012 mussten die Unternehmen mit mehr als 4 Milliarden Euro weit mehr Geld für die Zinszusatzreserve aufbringen als im Jahr davor. So lange der Niedrigzins anhält, wird sich diese Übung fortsetzen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Bram Schot

          F.A.Z. Exklusiv : So spart Audi gegen die Krise

          Rund 15 Milliarden Euro sollen in den kommenden Jahren eingespart werden. Die Werke in Ingolstadt und Neckarsulm wird es wohl besonders hart treffen. Audi-Chef Schot sagt, er habe aber klare Vorstellungen, wie die Beschäftigung gesichert werden kann.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.