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Kleinanlegerschutzgesetz : Trügerische Sicherheitsmaßnahmen

  • -Aktualisiert am

Das Kleinanlegerschutzgesetz soll Anleger besser vor Abzockern bewahren. Doch die angebliche neue Sicherheit scheint eher trügerisch.

          1 Min.

          Ist das nicht ein Traum? Sie wollen Geld anlegen und jemand sagt Ihnen, wo Sie das gut und ohne Risiko tun können.  Wachen Sie auf! Das gibt es nicht. Doch die deutsche Politik tut so. Das neue Kleinanlegerschutzgesetz soll Anleger davor bewahren, mit hochriskanten und unseriösen Finanzprodukten Geld zu verlieren. Ein hehres Ziel, doch es ist fraglich, ob es erreicht werden kann.

          Warum legen Menschen Geld in riskanten Produkten an? Weil Sie hohe Renditen wollen. Und genau deswegen sind die betreffenden Produkte auch riskant. Da helfen keine Warnhinweise und keine erweiterten Prospektpflichten. Dadurch gibt es nur noch mehr Papier, das außer Anwälten niemand liest – schon gar kein Anleger. Warnhinweise bei der Werbung? Das erinnert an die Aufdrucke auf Zigarettenpackungen, die kaum einen Raucher abhalten. So wird nur die Öffentlichkeit ins Bockshorn gejagt, werden Finanzprodukte jenseits des Sparbuchs noch mehr verteufelt, - und genau das kostet die Deutschen heute schon Millionen an entgangenen Erträgen.

          Auch dass die Bafin künftig Warnhinweise geben, Prüfungen von Angeboten anordnen oder gar Vertriebsverbote erlassen kann, wird wenig helfen. Weniger, weil dies bei Anlegern keine große Beachtung finden wird. Vielmehr ist die Überwachung der vielen unterschiedlichen Angebote und Anbieter zeitaufwändig und kompliziert. Bis juristisch ausreichende Fakten vorliegen,  liegt das Kind in aller Regel schon im Brunnen. Denn auch ein Aufsichtsamt kann keine Warnung aufgrund von Indizien aussprechen. Stattdessen werden Anleger in trügerischer Sicherheit gewogen. Eher wird noch die Fahrlässigkeit gefördert, weil sich der Glaube einbürgert, das Fehlen einer Warnung sei schon eine Befürwortung.

          Unseriöse Angebote wird man so auch nicht abschaffen. Die Erfahrung zeigt vielmehr, dass Betrüger finten- und erfindungsreich sind und neue Wege finden. Zum Beispiel besteht diese Gefahr im Crowdinvesting, das unter einer Millionen Euro von der Prospektpflicht ausgenommen bleibt. Was genau eigentlich macht ein 999.999-Euro-Cowdinvesting-Projekt so viel weniger riskant?

          Wenigstens bleibt der Politik die Erkenntnis: Die Entscheidung über eine Anlage und das Risiko könne nur jeder selbst treffen, sagte Finanzminister Schäuble. Dann sollte man ihm aber auch nicht das Gegenteil suggerieren.

          Martin Hock
          Redakteur in der Wirtschaft.

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