https://www.faz.net/-hsz-7q63t

Fachärzte im Test : Kassenpatienten müssen lange auf einen Termin warten

  • -Aktualisiert am

Etwas liegt im Argen bei den Fachärzten, das macht der Test sehr deutlich. Nur die Privatpatienten müssen sich nicht besonders grämen. Auch sie müssen manchmal warten. Aber immerhin bekommen sie viel schneller einen Termin als gesetzlich Versicherte. Im Test wurden sie nicht nur seltener abgelehnt; sie kamen auch doppelt so schnell dran: Im Schnitt mussten sie zweieinhalb Wochen warten statt fünf Wochen wie die Kassenpatienten.

Die fehlende Überweisung vom Hausarzt ist nicht das Problem

Das ist kein Zufall, da wir für den Test auch mehrfach die gleiche Praxis mit der gleichen Krankengeschichte, aber anderer Identität angerufen haben: einmal als Kassen- und einmal als Privatpatient. Und siehe da, vielerorts erledigte sich die beim ersten Anruf noch so restriktive Haltung („Keine neuen Patienten mehr“) im Nu. Auf einmal hieß es: „Für Privatpatienten ist die Frau Doktor immer freitags da. Wann würde es Ihnen am nächsten Freitag passen?“ Bei neun Ärzten klappte das.

Diese Zwei-Klassen-Behandlung bei der Terminvergabe ist verständlich aus Sicht der Ärzte, schließlich verdienen sie mit Privatpatienten weitaus mehr Geld. Doch für Kassenpatienten ist es ärgerlich, wenn sie etwa beim schon erwähnten Orthopäden bis zum 12. November warten müssen, während Privatpatienten schon im Juli dran sind.

Konfrontiert mit den Ergebnissen des F.A.S.-Tests, zeigen sich die Ärztevertreter zunächst kämpferisch. Der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, moniert, dass unsere Testanrufer keine Überweisung vom Hausarzt gehabt hätten. „Für frei gesuchte Facharzttermine auf Wunsch des Patienten kann niemand eine Termingarantie abgeben“, poltert er. Allerdings dürfte auch ihm klar sein, dass wir gerade Fachgruppen und Anfragen gewählt haben, bei denen Überweisungen keine oder eine geringe Rolle spielen. Oder wer hat sich schon einmal vom Hausarzt für einen Sehtest zum Augenarzt überweisen lassen?

Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, moniert, der Telefontest sei „nicht repräsentativ“. Wir hätten keine Notfälle berücksichtigt – die natürlich früher drankommen. Das war allerdings auch das Ziel des Tests. Denn für Notfälle wäre ein Termin innerhalb der von der Politik geforderten vier Wochen viel zu spät.

Deutsche sind Weltmeister bei Arztbesuchen

Ärztepräsident Montgomery leugnet nicht, dass es für die Gruppe von Patienten, die wir untersucht haben, sehr wohl lange Wartezeiten gibt. Aber wer ist schuld? Aus seiner Sicht ist das klar: die Politik. „Es kann ja wohl kaum ein uneingeschränktes Leistungsversprechen bei gedeckelten Budgets geben“, mahnt er. Andreas Gassen, der Chef der Kassenärzte, nimmt die Ärzte ebenfalls in Schutz: „Die Praxen in Deutschland sind voll“, sagt er. Jeder Bürger sucht im Durchschnitt 17 Mal einen Arzt pro Jahr auf. Mit diesem Wert liegen wir weltweit an der Spitze.“ Also: Nicht die Ärzte sind schuld, sondern die Bürger, die so oft zum Arzt gehen?

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe fühlt sich vom F.A.S.-Test bestätigt und wirbt für die Termin-Servicestellen, die er für Patienten einrichten möchte. Allerdings kann man nach den vielen Telefonaten für den Test skeptisch sein, ob so etwas funktionieren würde. Denn offenbar sind viele Praxen total ausgebucht – da kann wohl auch eine Hotline nicht viel ausrichten.

Von Seiten der Ärzte gibt es andere Ideen. Frank Ulrich Montgomery möchte eine „dringliche Überweisung“ des Hausarztes einführen. Und KBV-Chef Gassen rät den Patienten: „Wer einen Arzt sucht, kann sich an die 17 Kassenärztlichen Vereinigungen in Deutschland wenden. Diese haben beispielsweise auf ihren Internetseiten eine Arztsuche integriert.“

Ob das hilft? Immerhin scheint Verbandschef Gassen ein Händchen fürs Terminmanagement zu haben. In seiner eigenen Orthopädiepraxis in Düsseldorf geht es schnell. Dort riefen wir aus Spaß auch noch an – und bekamen als Kassenpatient einen Termin in knapp drei Wochen.

Weitere Themen

Metzler-Bank wird Aktiengesellschaft

Größter Umbau seit 1986 : Metzler-Bank wird Aktiengesellschaft

Die neue Struktur soll zur zwölften Generation der Familie von Metzler passen, von der drei Mitglieder Bankeigner bleiben. Aber ein Risiko ist: Die Kunden könnten Vorstandsmitglieder geringer achten als persönlich haftende Gesellschafter.

Topmeldungen

Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes gehen am Abend kurz vor Beginn der Ausgangsbeschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie durch die Innenstadt von Hannover.

Einheitliche Corona-Regeln : Wann kommt die bundesweite Notbremse?

Das Kabinett hat die bundesweite Notbremse beschlossen. Bis das Gesetz durch das Parlament kommt, dauert es aber noch. Denn die Opposition will nicht, dass die Beratungsfrist verkürzt wird.
In der nächsten Saison nicht mehr in Frankfurt: Trainer Adi Hütter

Hütter verlässt die Eintracht : Schlag ins Gesicht

Dass Spieler gehen, wenn es läuft, ist im Fußball akzeptierte Wirklichkeit. Das vorzeitige Bye-bye von Sportvorständen und Trainern aber nicht. Vor allem, wenn darin kein sportlicher Aufstieg erkennbar ist.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.