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Solidargemeinschaften : Billiger als die Krankenkasse

Bild: Getty/ Bearbeitung F.A.S.

In Deutschland erfreuen sich Solidargemeinschaften zur Absicherung von Krankheitskosten immer größerer Beliebtheit. Sie sind günstiger und leisten mehr als Krankenkassen. Doch das Modell ist bedroht.

          Magdalena, Elisabeth und Helga sind ausgestiegen. Ausgestiegen aus dem deutschen Gesundheitssystem. Es hat sie zutiefst frustriert. Sie klagen über die hohen Beiträge in der privaten Krankenversicherung und immer weniger Leistungen in der gesetzlichen Kasse. Brillengläser werden nicht mehr bezahlt, für Zahnkronen und -füllungen gibt es auch immer weniger und der Großteil der Naturheilkunde wird in Frage gestellt. Mitentscheiden, was den Versicherten bezahlt werden sollte und was nicht, dürfen sie auch nicht.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Den drei Damen hat es dann irgendwann einfach gereicht. Sie haben sich mit sieben anderen Frauen und Männern zusammengetan und eine sogenannte Solidargemeinschaft gegründet, die Solidago-Gemeinschaft Frankfurt. Es soll ein dritter Weg der Absicherung sein für den Krankheits- und Pflegefall – neben den Kassen und den Privatversicherungen. Mehrere hundert solcher Gemeinschaften gibt es in Deutschland mit fast zehntausend Mitgliedern. Sie umfassen zwischen fünf und 30 Mitgliedern je Ortsgruppe. Sie haben sich zu bundesweiten Netzwerken zusammengeschlossen, die sich Artabana, Samarita oder eben Solidago nennen. Ganz neu ist die Idee übrigens auch nicht: Manche Solidargemeinschaften existieren sogar schon fast 100 Jahre und waren ursprünglich etwa zur Absicherung von Pfarrern untereinander gegründet worden.

          Mehr Leistung für weniger Geld

          Das Modell funktioniert so: Bei Solidago zahlt jedes Mitglied 15 Euro Verwaltungsgebühr und zehn Prozent seines verfügbaren Einkommens für den Krankheitsschutz. Das ist weniger als bei einer gesetzlichen Kasse oder der Privatversicherung. Von dem Beitrag fließen 60 Prozent auf ein persönliches Gesundheitskonto, 20 Prozent in einen Solidarfonds der lokalen Gruppe für größere Krankheiten und 20 Prozent in den regionalen und bundesweiten Solidarfonds für die teuren Großfälle.

          Die Idee dabei: Das persönliche Konto soll alle alltäglichen Ausgaben wie die Kontrolluntersuchung beim Zahnarzt oder den Besuch beim Hausarzt wegen einer Grippe abdecken. Das Mitglied entscheidet selbst, welche Leistungen davon bezahlt werden sollen. Eigenverantwortung wird bei den Solidargemeinschaften groß geschrieben.

          Bei größeren Fällen, etwa einem Beinbruch, dürfte das persönliche Konto nicht reichen. Dann wird der Solidarfonds des lokalen Vereins angezapft. Ein Treuhänderkreis – mindestens drei Mitglieder der Gruppe – entscheidet innerhalb von drei Tagen, wie die vom Patienten nach Gesprächen mit seinem Arzt vorgeschlagenen Maßnahmen bezahlt werden sollten. Bei Großfällen wie einer teuren Krebsbehandlung ist die Gruppe oft überfordert. Dann stellt sie ein Hilfegesuch an den Regional- oder Bundesverband, der dafür seinen Solidarfonds anzapft.

          Das Ergebnis: Die Solidargemeinschaften können mit deutlichen Vorteilen werben. Sie erstatten mehr Leistungen als die Krankenkassen und sind günstiger. Die Mitglieder entscheiden in jeder Gruppe selbst darüber, was bezahlt wird und was nicht. Sie fühlen sich dadurch beteiligt und nicht den großen Kassen und Versicherungen ausgeliefert. Und sie helfen sich untereinander auch ohne Geld.

          Kein Rechtsanspruch

          All das freilich gibt es nicht umsonst: Mitarbeit und Engagement sind gefordert. Denn die Gemeinschaften sind kleine Vereine. Mit ehrenamtlichem Personal: Ein Mitglied wird Kassenwart, ein anderes Vorstand oder Stellvertreter und ein weiteres Rechnungsprüfer. Einmal im Monat treffen sich alle für zwei Stunden, um über größere Krankheitsfälle zu beraten oder über die Einstellung zu neuen Therapieformen zu diskutieren. Hinzu kommen regelmäßige regionale und bundesweite Treffen aller Gruppen. Auch dazwischen gibt es immer wieder mal etwas für den Verein zu tun. Zeit müssen die Mitglieder also mitbringen.

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