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Auskunfteien : Die Schufa weiß alles

Wo bleibt der Datenschutz? Bild: Corbis

Auskunfteien sind kaum bekannt, aber viele Menschen sind betroffen. Die Schufa hat Daten über fast jeden Bürger. Die Versicherer sammeln Schadensfälle. Wo bleibt da der Datenschutz?

          Was geübte Fotografen mit kreativem Einsatz des Lichts nicht alles verfälschen können: Sieben Mal hat ein Versicherungsbetrüger fiktive Rechnungen von Schäden eingereicht. Jedes Mal sahen die Kratzer anders aus. Mal wurde eine Stelle am Kotflügel hervorgehoben, mal rückte der Fokus mehr auf die Tür. Am Ende entpuppten sich die vermeintlichen Einzelschäden als unterschiedliche Facetten eines Totalschadens. Eingereicht wurden aber sieben verschiedene fiktive Schadenrechnungen, wie sie in der Autoversicherung üblich sind, wenn der Kunde einen Schaden zwar begleichen, aber nicht sofort zu einer Werkstätte gehen will.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Aufgedeckt wurde der Fall durch das Hinweis- und Informationssystem (HIS) der Versicherungswirtschaft. Seit fast drei Jahren ist dieses Instrument zum Datenaustausch unter Versicherern aktiv. Tauchte es anfangs noch mit negativem Beiklang unter dem Begriff „Schwarze Liste“ in den Medien auf, ist es seither ziemlich ruhig geworden. Das dürfte auch daran liegen, dass Daten- und Verbraucherschützer ihren Frieden damit gemacht haben. Denn schon zuvor hatte es seit den neunziger Jahren ein Austauschsystem gegeben.

          Für Verbraucher war aber überhaupt nicht durchschaubar, was dort nach welchen Kriterien über sie in Umlauf gebracht wurde. „Das heutige System ist eine Verbesserung, weil volle Transparenz herrscht“, sagt Thilo Weichert vom Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein. Er führt für die Landesdatenschutzbeauftragten die Feder bei Versicherungsthemen. „Es ist deshalb eine Verbesserung, weil für jeden klar wird, wie das System aussieht.“

          Datenschützer bemängeln die nicht immer aktuelle Datenlage

          Auch Verbraucherschützer Lars Gatschke spricht von einem erheblichen Qualitätssprung. Im Gegensatz zu Auskunfteien der Kreditwirtschaft wie etwa der Schufa, die ihre Geschäftspartner mit Informationen über die Kreditwürdigkeit potentieller Kunden versorgen, würden die Versicherungskunden über Einträge aktiv informiert, fügt der Verbraucherschützer und Versicherungsexperte hinzu.

          Die Auskunfteien der Banken sind schon länger im Visier der Daten- und Verbraucherschützer. Die mit Abstand größte ist die in Wiesbaden ansässige „Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung“ oder kurz Schufa, deren Ursprünge auf das Jahr 1927 zurückgehen. Fast jeder Bundesbürger ist von ihr erfasst: Die Schufa wirbt mit 682 Millionen Datensätzen über 66 Millionen Verbraucher. Nach Auskunft der Schufa, die zu fast 87 Prozent Banken und Sparkassen gehört, sind die Daten zu 90 Prozent positiv. Die Daten umfassen Name, Geburtsdatum und Anschrift, aber auch Girokonten, Kreditkarten, Handy- oder Leasingverträge oder Kredite. Ein Sprecher verweist darauf, dass die Datenschutzaufsichtsbehörde das Unternehmen regelmäßig prüft. Das ist mühsam, weil die Schufa am Tag 300.000 Anfragen bearbeitet, die vom Ratenkredit bis zum Handyvertrag reichen. Eine negative Schufa-Auskunft hat für den Verbraucher unangenehme Konsequenzen: Ablehnung oder höhere Zinsen.

          Das für den Verbraucherschutz zuständige Bundesjustizministerium wird im Sommer eine Studie zu den Auskunfteien und der Ermittlung der Kreditwürdigkeit der Verbraucher (Scoring) veröffentlichen. Datenschützer bemängeln die nicht immer aktuelle Datenlage. Sie fordern eine regelmäßige Aktualisierung auch seitens der Banken. Die Verbraucher können über eine Gebühr von 18,95 Euro im Internet ihre Schufa-Daten abrufen und prüfen, ob sie noch zutreffen. Denn der Verbraucher wird nicht automatisch über neue Einträge informiert.

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