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Auskunfteien : Die Schufa weiß alles

„Versicherer haben jetzt ein offenes Visier“, sagt Thomas Lämmrich, Leiter Kriminalitätsbekämpfung beim GDV, der dort das Projekt verantwortet. „Der Kunde weiß Bescheid, wann er gemeldet wird und er kann später erfragen, was über ihn gespeichert ist, indem er sich an Informa wendet.“ Aus seiner Sicht hat sich die gereizte Stimmung in der Öffentlichkeit aus den Jahren vor der Einführung gelegt. Mit 15.000 Selbstauskünften sei ein Ansturm auf das HIS ausgeblieben. Zudem gab es bislang erst zwei Beschwerden bei den zuständigen Datenschutzbehörden. „Diese Entwicklungen geben uns nachträglich recht“, sagt Lämmrich.

Diese Einschätzung teilt Datenschützer Weichert aber nur bedingt. „Das System bekommt seinen Ritterschlag nicht dadurch, dass es wenig Beschwerden gibt, sondern dass es sauber läuft“, sagt er. Beschwerden würden häufig dann an das HIS gerichtet, wenn ein Kunde nicht einsehe, warum eine fiktive Abrechnung ab einer bestimmten Höhe automatisch gespeichert werde. „Ehrliche Kunden fühlen sich auf den Schlips getreten“, gibt Geschäftsführer Hinrichs zu. „Aber es heißt ja nicht Betrugssystem, sondern Hinweis- und Informationssystem.“ Allein mit semantischen Erörterungen wird die Branche aber nicht weiterkommen. Schließlich hatte sich für das Vorgängersystem in der Bevölkerung der Begriff „Schwarze Liste“ durchgesetzt, auch wenn die Branche noch so sehr auf die Notwendigkeit des Datenaustauschs hingewiesen hatte.

Die Schufa-Daten erstrecken sich auf alle Lebensbereiche

Unter Versicherern habe es immer wieder auch weiterreichende Begehrlichkeiten gegeben, berichtet Weichert. „Sie streben danach, eine umfassende Datenbasis zu bekommen, um alle Risiken genau quantifizieren zu können“, sagt er. „Dagegen steht aber das Recht auf informationelle Selbstbestimmung der Kunden.“ In der Lebensversicherung sei es gelungen, dieses Recht zu verankern. Gesundheitsdaten werden nicht eingespeist.

Dagegen unterscheiden sich die Auskunfteien der Banken. Die Schufa baut auf ein geschlossenes System. Abnehmer und Lieferanten der Kreditinformationen sind identisch. Die Banken melden und rufen Angaben ab. Dagegen setzen Auskunfteien wie Creditreform oder Arvato Infoscore auf öffentliche Verzeichnisse oder andere Quellen. Sie speichern überwiegend Daten aus geplatzten Kreditgeschäften. Arvato verfügt nach eigenen Angaben über „40 Millionen aktuelle Informationen zum negativen Zahlungsverhalten von rund 7,8 Millionen Konsumenten“. Oft gehören zu diesen Anbietern auch Inkassounternehmen, wie bei Arvato.

Die Schufa-Daten erstrecken sich auf alle Lebensbereiche, selbst Mietverträge. In der Regel erhalten die Schufa-Vertragspartner einen „Score-Wert“, der bis 100 reicht. Je höher er ausfällt, desto besser ist die Kreditwürdigkeit des überprüften Kunden. Laut Gatschke fließen auch weiche Faktoren ein wie etwa der Wohnsitz. Ein sozialer Brennpunkt kann die Bonität beeinträchtigen. Ein Schufa-Sprecher hält dagegen: Dies geschehe nur auf Wunsch des Vertragspartners, und das seien nur 0,3 Prozent. Viel wichtiger sei die Historie früherer Kreditbeziehungen.

Das Scoring war Ende Januar auch Thema vor dem Bundesgerichtshof (BGH). Eine Angestellte hatte von der BMW Bank keinen Kredit bekommen. Daraufhin verlangte sie von der Schufa Details zum Scoring. Das lehnte der BHG ab. Die Details seien ein Geschäftsgeheimnis, das die Schufa schützen dürfe. Verbraucherschützer raten deshalb, die Selbstauskunft bei der Schufa auch gegen die Gebühr einzuholen. Nur so können Verbraucher ausschließen, dass die Daten veraltet oder sogar falsch sind.

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