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Auskunfteien : Die Schufa weiß alles

2,3 Millionen Anfragen monatlich

Das ist bei den Versicherern anders: Für den Verbraucher ist klar, welche Daten über ihn im HIS-System gespeichert werden. Bei Autoversicherungen wird jeder Totalschaden gemeldet, auch der Diebstahl eines kompletten Fahrzeugs und fiktive Abrechnungen ab einer definierten Meldeschwelle werden registriert. Hagelschäden ab einer gewissen Schadenhöhe werden ebenso erfasst wie Versicherungsbetrug. In der Lebensversicherung werden Daten über Erschwernisse beim Vertragsabschluss weitergegeben, bestimmte Rentenhöhen und die Höhe der Berufsunfähigkeitsabsicherung werden registriert. Seit Einführung des Systems im April 2011 kann jeder Kunde zudem einmal im Jahr eine Selbstauskunft erbitten.

„Beim Vorgängersystem gab es keine Kontrolle, wie die Unternehmen mit den Daten umgegangen sind“, sagt Björn Hinrichs, Geschäftsführer der Informa Insurance Risk and Fraud Prevention, die das HIS aufgebaut hat. 5,5 Millionen Euro kostete die Entwicklung, einen geringen Millionenbetrag Euro lassen sich das die Mitglieder des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) jährlich kosten. Für die Branche lohne sich das aber allemal, sagt Hinrichs, dessen GmbH zur Bertelsmann-Tochtergesellschaft Arvato Infoscore gehört. Die ist ähnlich wie die Schufa oder Creditreform auch als Kreditauskunftei tätig. Auf 10 Prozent aller gezahlten Leistungen schätzt die Branche den Anteil der betrügerischen Schadenmeldungen in der Sachversicherung. Das wären jährlich 4 Milliarden Euro. Nicht alle Fälle könne das HIS aufdecken, aber einen wichtigen Beitrag leisten. „In Zeiten niedriger Zinsen müssen Versicherer mehr auf die Kosten achten“, sagt Hinrichs. „Das heißt, sie müssen auf die Schadenseite schauen.“

Da die Versicherer in den beschriebenen Fällen immer automatisch eine Anfrage an das HIS richten, sammeln sich monatlich 2,3 Millionen Anfragen an. „Auffälligkeiten haben wir in 2,5 Prozent der Fälle“, berichtet Hinrichs. Das liege zwar unter den 10 Prozent, auf die Versicherer den Anteil des Betrugs schätzen. Nicht alle Fälle lassen sich durch das System identifizieren. Die Abweichung liege aber auch daran, dass auffällige Betrügereien ein höheres Schadenvolumen aufwiesen als durchschnittliche Fälle. Hinzu komme ein Präventionseffekt: „Den Kunden ist der Datenaustausch bewusst, da sie bei jedem Vertragsabschluss darauf hingewiesen werden. Das hat schon große Abschreckungswirkung“, sagt Hinrichs.

„Ehrliche Kunden fühlen sich auf den Schlips getreten“

Dass Verbraucher somit unter einem Anfangsverdacht stünden, beklagt Datenschützer Weichert. „Das ist eine Schwäche jeder Auskunftei, dass auch Mutmaßungen beauskunftet werden“, sagt er. Ergebe sich ein bestimmtes Betrugsmuster, könne der Versicherer ohne einen Beweis den Vertrag ablehnen. „So ist eine gewisse Willkür der Sachbearbeiter möglich. Das haben wir aber versucht zu minimieren“, sagt er. Auf Seiten des Branchenverbands sieht man das System jedenfalls schon als großen Erfolg. Für die Unternehmen war es das bislang größte IT-Projekt mit einer externen Schnittstelle.

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