https://www.faz.net/-hsz-7hwvt

Autoversicherung : Sparen mit gutem Fahrverhalten

Mit der Telematik-Technik können auch Autos miteinander kommunizieren Bild: Helmut Fricke

Mit der Telematik-Technik könnten sichere Autofahrer Prämien sparen. Wegen der Sorge um Datenmissbrauch zögern die Versicherer jedoch noch. Die Kunden wären dafür aber aufgeschlossen.

          Wer eine Autoversicherung abschließt, muss bislang in eine Statistik gepresst werden: Wo wohnt er? Was für ein Auto fährt er? Wo parkt er sein Fahrzeug? Danach richtet sich die Prämie, die er zu zahlen hat. Die Versicherer hätten aber gern Auskunft über sein tatsächliches Fahrverhalten, um noch zielgenauer zu rechnen. Die Telematik-Technik böte ihnen diese Möglichkeit. Das ist eine Verbindung von Datenerhebung und -übermittlung im eigenen Auto. Wer sich an Verkehrsregeln hält, rechtzeitig bremst und nicht zu schnell in Kurven hineinfährt, könnte Prämie sparen.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Viele große deutsche Versicherer arbeiten an solchen Lösungen in Pilotprojekten. Die verbreitete Sorge um Datenmissbrauch lässt sie aber zögerlich bleiben, schon jetzt erste Produkte auf den Markt zu bringen. Dabei würde der Kunde sie durchaus schätzen, wie eine am Donnerstag veröffentlichte Umfrage der Beratungsgesellschaft Towers Watson in sechs europäischen Ländern ergeben hat. 51 Prozent der befragten Deutschen zeigte sich an solchen Produkten interessiert, die damit verbunden wären, dass ein kleines Gerät im Auto das eigene Fahrverhalten misst. Sogar 62 Prozent fänden eine solche Police interessant, wenn sie verspräche, dass die Prämie ein vorher festgelegtes Niveau nicht überschreiten wird.

          Die Schadensfrequenz kann sich reduzieren

          Im Vergleich mit den anderen fünf Ländern überrascht, dass hierzulande die Gruppe der 35 bis 44 Jahre alten Autofahrer besonders groß ist, die sich für Telematik interessiert. Denn sparen dürften damit vor allem junge Fahrer, die bislang recht pauschal als unsicherste Fahrergruppe eingestuft werden. „Die Technik würde es erlauben, zielgruppenorientiertere Policen zu schneidern“, sagt Gero Nießen, bei Towers Watson in Deutschland für das Produktmanagement verantwortlich. In Amerika folgten schon jetzt 10 Prozent der verkauften Policen diesem neuen Ansatz. In Deutschland sei das Potential genauso hoch, erwartet er.

          Die kleinen Technikboxen im Auto erlaubten es auch Eltern, das Fahrverhalten ihrer gerade erst fahrtüchtigen Kinder zu kontrollieren. Deutsche Eltern schätzen laut der Umfrage vor allem den Service, automatisch über Unfälle informiert zu werden, die Prämie ihrer Haftpflichtpolice zu verringern und das Fahrverhalten der Kinder zu verbessern. Erfahrungen aus Amerika zeigen, dass sich die Schadensfrequenz bei Telematikpolicen zwischen 20 und 40 Prozent reduziert. Versicherer wie die Zurich wollen dies nutzen, um ihre defizitäre Flottenversicherung profitabler zu gestalten. Derzeit testet das Unternehmen in Deutschland solche Policen mit einzelnen Testkunden. Mit ersten Produkteinführungen rechnet Nießen Mitte 2014 oder Anfang 2015.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Grünen-Chef Robert Habeck

          Kanzlerfrage : Habeck hängt Kramp-Karrenbauer ab

          Der Grünen-Chef würde bei einer Direktwahl des Bundeskanzlers laut einer Umfrage doppelt so viele Stimmen erhalten wie seine Amtskollegin bei der CDU. Mit Friedrich Merz als Kandidat sähe die Lage anders aus.
          Indiens Regierungschef Narendra Modi und der amerikanische Präsident Donald Trump

          Handelsstreit mit Amerika : Indien erhebt Vergeltungszölle

          In Asien bekommt Donald Trump einen weiteren Gegner im Handelskonflikt. Erst strich der amerikanische Präsident Indien Sondervergünstigungen. Nun wehrt sich die Regierung in Neu Delhi.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.