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Ausreichende Rückstellungen : Private Krankenversicherer verdienen gut

Die künftige Bundesregierung wird höchstwahrscheinlich am dualen Gesundheitssystem festhalten Bild: dpa

Der Niedrigzins drückt auf die Alterungsrückstellungen. Nur wenige Unternehmen aber verfehlen das Renditeziel. Private Krankenversicherer stehen gut da.

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          Die Private Krankenversicherung (PKV) steht von gleich zwei Seiten unter Druck. Der Niedrigzins erschwert es der Branche, ihre Ziele in der Kapitalanlage zu erreichen. Und in der Politik gibt es seit langem Bestrebungen, die PKV in einer Bürgerversicherung aufgehen zu lassen. Der Ausgang der Bundestagswahl und ein Blick in die Geschäftsberichte des Jahres 2012 deuten aber auf eine gewisse Entspannung für die Assekuranz hin.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Die bange Frage der Versicherten ist Jahr für Jahr, ob die Unternehmen mindestens 3,5 Prozent aus ihrer Kapitalanlage erwirtschaftet haben. Denn mit diesem Rechnungszins kalkulieren sie ihre erforderlichen Alterungsrückstellungen, die sie aufbauen müssen, damit die Beiträge im Alter nicht steigen. Nur zwei Unternehmen haben diesen Wert im vergangenen Jahr unterschritten, wie eine Untersuchung des Branchendienstes KVpro unter den 35 größten Versicherern zeigt. Das waren die LKH mit 3 Prozent und die Württembergische mit 3,46 Prozent. Beide verfügten aber gemessen an ihren Prämieneinnahmen über ausreichend Rückstellungen, wollten sie eine Beitragserhöhung vermeiden. Die LKH weist mit 68,6 Prozent sogar die höchste Quote in der gesamten Branche aus.

          Bild: F.A.Z.

          Am besten haben im vergangenen Jahr die LVM und die Debeka verdient, die jeweils eine Nettoverzinsung von 5 Prozent erreichten. Auf Fünfjahressicht schneidet auch die DEVK sehr gut ab (siehe Grafik). Anders als die Lebensversicherer nutzen den Krankenversicherern die derzeit hohen Bewertungsreserven ihrer festverzinslichen Papiere uneingeschränkt, weil sie nicht dazu verpflichtet sind, diese direkt auszuschütten. An der Zinsdifferenz zwischen Nettorendite und Rechnungszins müssen die Versicherer ihre Kunden zu 90 Prozent beteiligen. Bei einer Nettoverzinsung von 5 Prozent werden dem Versicherten also 4,85 Prozent auf seine Alterungsrückstellungen gutgeschrieben. Im Durchschnitt kommen die PKV-Unternehmen auf einen Wert von 4,13 Prozent, was einer Mindestgutschrift von 4,07 Prozent für die Kunden entspricht.

          Wahrscheinlich auch künftig duales Gesundheitssystem

          Deutlich abgeschwächt hat sich der Boom einiger wachstumsstarker Versicherer. Unternehmen wie die Hanse Merkur und die Central hatten mit sehr günstigen Einsteigertarifen für Selbständige weitaus mehr neue Vollversicherte hinzugewonnen als ihre Wettbewerber. Seit die Central im Juli 2011 gegenüber dieser Zeitung den Ausstieg aus diesem Segment angekündigt hat, ging ihr Neugeschäft deutlich zurück: im vergangenen Jahr um 15,5 Prozent. Das ist ein klares und nicht unerwünschtes Ergebnis des neuen Kurses. Auch die DKV hat die Billigtarife aufgegeben. Branchenbeobachter rechnen damit, dass sich die Risiken dieser Policen erst in vielen Jahren zeigen werden, wenn absehbar ist, ob die tatsächlichen Schadenszahlungen über den Annahmen lagen. Die Hanse Merkur hält unbeirrt an der Strategie fest, im günstigsten Segment Kunden zu werben. Sie hat in den vergangenen fünf Jahren durchschnittlich um 15,4 Prozent im Jahr zugelegt. Zuletzt lag sie mit 11,6 Prozent aber unter diesem Wert.

          Weniger Ungemach als befürchtet dürfte von der künftigen Bundesregierung ausgehen. Der Wahlsieger CDU/CSU hat schon in seinem Wahlprogramm klargestellt, dass er am dualen Gesundheitssystem aus PKV und gesetzlichen Kassen festhalten will. Die PKV leiste „einen wichtigen Beitrag zur Nachhaltigkeit und Umsetzung von Neuerungen im Gesundheitswesen“. Zudem hat der mögliche Koalitionspartner SPD im Wahlkampf nur sehr defensiv für eine Abschaffung der Privaten geworben – immerhin würde die Übertragung von Alterungsrückstellungen auf ein Einheitssystem einer Enteignung gleichkommen. Dass sich an dieser Frage eine Koalitionsfindung entscheidet, erwarten die wenigsten. Dagegen hatten auch schon Unionspolitiker vermeintlich verbraucherschützende Initiativen angekündigt: so etwa eine Übertragbarkeit der Rückstellungen auch für Bestandskunden. Da dies bei einem Wechsel das übrigbleibende Versichertenkollektiv schädigte, ist auch hier mit harten Auseinandersetzungen zwischen Politik und Branche zu rechnen.

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