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Absichern für den Ernstfall : Günstiger Schutz vor Berufsunfähigkeit

Die Renten bei Erwerbsunfähigkeit sind trotz der jüngsten Erhöhung mickrig, eigene Vorsorge tut Not. Bild: Wonge Bergmann

Wer krank seinen Job nicht mehr ausüben kann, gerät schnell in Existenznot. Eine Versicherung hilft. Die ist nicht immer teuer.

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          Was wurde doch geschimpft über das neue Rentenpaket der Regierung. Zu Recht. Aber eine kleine positive Neuerung ging dabei unter. Die mickrigen Renten bei Erwerbsunfähigkeit wurden aufgestockt. Allerdings nur um rund 40 Euro im Monat. Das heißt: Eine eigene Vorsorge über eine private Versicherung bleibt weiter nötig.

          Dyrk Scherff
          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Und die ist neben der Haftpflichtversicherung die wichtigste Police, die man haben sollte. Denn wer nicht mehr oder kaum noch arbeiten kann, verliert im schlimmsten Fall seine wichtigste Einnahmequelle, das Gehalt. Daher sollte jeder eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) besitzen. Sie zahlt, wenn der letzte Beruf nur noch zu weniger als 50 Prozent der üblichen täglichen Arbeitszeit ausgeübt werden kann. Die staatliche Erwerbsminderungsrente zahlt viel weniger und vor allem nur, wenn fast gar nicht mehr gearbeitet werden kann, also nicht einmal irgendein Aushilfsjob. Das ist viel seltener der Fall.

          Die BU-Versicherung hat jedoch zwei Haken: Sie ist teuer, vor allem für die, die handwerklich arbeiten. Und Interessenten, die größere Vorerkrankungen haben, bekommen keine - oder nur zu höheren Preisen oder mit Ausschluss für die betroffene Krankheit. Die Folge: Alternativen sind gefragt.

          Davon gibt es einige. Sie sind deutlich günstiger, sind bei Vorerkrankungen manchmal weniger streng, aber zahlen auch oft in weniger Fällen als die BU-Police. Sie sind also alle nur die zweitbeste Lösung, wenn eine BU nicht möglich oder zu teuer ist. „Unser Favorit nach der BU-Versicherung ist die private Erwerbsunfähigkeitspolice“, sagt Michael Franke vom Marktbeobachter Franke & Bornberg. Danach folge die Versicherung von physischen Grundfähigkeiten wie etwa Laufen, Sprechen und Sehen sowie der Gebrauch der Arme und Beine. Weniger hilfreich zur Sicherung der Arbeitskraft seien Versicherungen für schwere Krankheiten (Dread-Disease) und Unfallpolicen.

          Für und Wider der Möglichkeiten

          Die private Erwerbsunfähigkeitsversicherung ist der BU-Absicherung am nächsten. Sie funktioniert wie die staatliche Absicherung und zahlt monatliche Renten, wenn der Betroffene nicht mehr als drei Stunden am Tag arbeiten kann - aber unabhängig von seinem Beruf. Wer Botendienste machen kann, bekommt nichts. Die Versicherung ist also für besonders schwere Fälle gedacht. Aber immerhin zahlt sie auch bei psychischen Problemen und Rückenleiden - den häufigsten Ursachen für Berufsunfähigkeit. Dread-Disease-Versicherungen schließen das zum Beispiel aus, weswegen Franke sie nicht empfiehlt. Sie zahlen zum Beispiel bei Krebs. Dann ist man aber oft noch für einige Zeit arbeitsfähig.

          Die Versicherung hilft dann eher, teure Behandlungen oder Umbauten im Haus zu bezahlen. Deswegen zahlt sie auch keine Renten, sondern einen einmaligen Betrag. Erkrankt man aber schwer an einer nicht versicherten Krankheit, gibt es kein Geld. Erwerbsunfähigkeitspolicen zahlen dann jedoch. Das ist auch ein Vorteil zu Unfallversicherungen, denn nur in zehn Prozent der Fälle ist ein Unfall Ursache der Erwerbsunfähigkeit. Krankheiten versichert diese Police aber nicht. Daher wird von ihr abgeraten.

          Erwerbsunfähigkeitsversicherungen kosten bei handwerklichen Berufen oft nur die Hälfte, sind aber bei Bürojobs nur etwas günstiger als BU-Policen (siehe Tabelle unten). Für Selbständige mit eigenen Beschäftigten ist sie besonders gut, weil bei ihnen die BU-Versicherung oft später greift als bei Angestellten. Vorerkrankungen können allerdings auch hier zu Ausschlüssen führen.

          Berufsunfähigkeit absichern
          Berufsunfähigkeit absichern : Bild: F.A.Z.

          Dann können Betroffene auf die sogenannte Grundfähigkeitsversicherung ausweichen, die aber bei psychischen Erkrankungen in der Regel nicht bezahlt. Der Zugang ist leichter und die Versicherung deswegen günstiger. Dann zahlt sie aber nur, wenn drei Grundfähigkeiten (wie Laufen, Sprechen, Sehen) gleichzeitig ausfallen und der

          Vertrag vom Anbieter gekündigt werden kann. Wer das nicht will, muss deutlich mehr bezahlen, mehr sogar, als eine BU-Police kostet. Die Versicherung gibt es pur oder in Kombination mit Unfall- und Dread-Disease-Policen (man spricht auch von Multi-Risk).

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