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Mini-Versicherungen : Spontan per Handy versichert

Schöne Aussicht: Und neuerdings ist der Skilift obendrein ein Ort, an dem man Versicherungsverträge abschließen kann Bild: Reuters

Immer mehr Versicherer bieten kurzfristige Mini-Versicherungen an, die sofort abgeschlossen werden können. Dazu gibt es auch Apps für jeden Bedarf. Sie haben allerdings ihre Tücken.

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          Die Vorfreude auf den langersehnten Skiurlaub ist groß. Hat man auch an alles gedacht? Vermutlich nicht, aber in dem kleinen Dorfladen bekommt man so einiges. Nach dem Überfahren der österreichischen Grenze piepst das Handy mehrmals. Es ist dieses Mal nicht nur die übliche Mitteilung des nationalen Telefonnetzbetreibers, sondern auch eine Nachricht, die fragt, ob man nicht einen Reiseschutz möchte – und das sofort für die Dauer des Urlaubs.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Dies ist keine Vision aus ferner Zukunft, sondern längst Realität. Gemeint ist in diesem Fall die Reise-App der Allianz, über die Reisende spontan und kurzfristig mit dem Mobiltelefon oder dem Tabletcomputer einen tagesgenauen Reiseschutz erwerben können. Das Gesamtpaket kostet 90 Cent am Tag und kann für bis zu 30 Tage abgeschlossen werden. Die Prämie gilt für zwei Erwachsene. Eigene Kinder sind mitversichert. Enthalten ist ein Reisekrankenschutz, der „alle Kosten für notwendige ärztliche Hilfe im Ausland bei Krankheit und Unfallverletzung, sämtliche Such- und Bergungskosten sowie die Kosten für den Krankenrücktransport“ beinhaltet. Ein Missbrauch des Handys ist ebenfalls abgesichert. Die App umfasse auch andere Serviceleistungen wie Notrufnummern oder einen Währungsrechner, heißt es von der Allianz.

          Ein Schutz für alkoholisierte Autofahrer

          Dieses Beispiel ist längst kein Einzelfall mehr. Denn immer mehr Versicherer bieten solche Apps und kurzfristige Miniversicherungen für die verschiedensten Anlässe – sozusagen „Versicherungen to go“ für Kurzentschlossene, die das Risiko plötzlich scheuen. Die Unternehmen sind findig. Wer will, kann nicht nur seine nächste Urlaubs- oder Dienstreise absichern, sondern auch den Besuch des Fußballstadions oder der Karnevalsveranstaltung. Häufig sind es Kranken- und Unfallversicherungen, aber auch der Schutz vor Diebstahl zum Beispiel des Fahrrads auf der nächsten Radtour oder die Absicherung gegen bestimmte Haftpflichtschäden sind im Angebot. Bezahlt wird einfach und schnell mit der Kreditkarte, dem Bezahlsystem Paypal oder der Handyrechnung. Und schon ist man versichert.

          Anbieter sind die Versicherer selbst, wie die Allianz mit ihrer Reise-App oder Ergo Direkt. Aber es gibt auch Sammel-Apps wie die Plattform „Appsichern“. Das Unternehmen kooperiert mit sieben Versicherern, darunter Arag, die Bayerische, Würzburger Versicherung oder die britische Gesellschaft Kiln. 15 verschiedene Schutzpakete gibt es. Neben Reisen oder sportlichen Aktivitäten ist auch das Thema Mobilität zu finden. Hier bietet die Situative GmbH, die hinter Appsichern steht, mit der Versicherungsgruppe Bayerische mobile Schaden- und Zusatzversicherungen an. So gibt es einen Schutz für die Probefahrt, den Mietwagen oder einen Drittfahrerschutz. Letzterer ist zum Beispiel für die Fälle gedacht, wenn man nach einer feuchtfröhlichen Party einem Freunde den Schlüssel überlässt. Dieser Schutz kostet 6,99 Euro für 24 Stunden.

          Das Kleingedruckte ist auf dem Handy nur schwer zu lesen

          Die Spontanität hat natürlich ihren Preis. Für einen dreiwöchigen Urlaub summiert sich zum Beispiel das Angebot der Reise-App der Allianz auf 18,90 Euro. Zum Vergleich: Reisekrankenversicherungen, die ein ganzes Jahr gültig sind, gibt es für Einzelpersonen schon für 10 Euro. Auf den ersten Blick sind die Kosten vieler Miniversicherungen oft nicht hoch. So kostet zum Beispiel die Unfallversicherung der Ergo Direkt für 48 Stunden 99 Cent. Doch häufig seien die Leistungen viel geringer als bei den klassischen Versicherungsverträgen, kritisieren Verbraucherschützer. Bei Invalidität würden zum Beispiel hier häufig nur 50.000 Euro gezahlt, bei klassischen Verträgen sei es dagegen oft das Zehnfache. Ein Kostenfaktor ist der bei Miniversicherungen höhere Aufwand. Auch können die Versicherer die neuen Risiken oft noch nicht so gut einschätzen.

          Martin Oetzmann vom Bund der Versicherten rät grundsätzlich von Miniversicherungen ab. Häufig seien in den Paketen Dinge enthalten, die der Versicherte gar nicht brauche, aber dennoch bezahle. Wer sich versichern wolle, sollte sich die Zeit nehmen, verschiedene Angebote zu vergleichen. Das lohne sich auf jeden Fall. Eine Unfallversicherung koste zwischen 10 und 60 Euro im Monat, wobei das Alter des Versicherungsnehmers, die Versicherungssumme und die gewählten Leistungen den Beitrag stark beeinflussten. Auch bei den Mini-Versicherungen werden natürlich die Bedingungen aufgeführt. Doch wie oft werden sie einfach nur weggeklickt, weil sie ohnehin auf dem Handy nur schwer zu lesen sind.

          Die Reise-App der Allianz wurde bisher gut 30.000 Mal heruntergeladen. Offenbar stehen vor allem junge Kunden den kurzfristigen Versicherungen positiv gegenüber. Das mag auch am einfachen Abschluss über das Handy liegen. Für Versicherer wie die Arag sind solche „Ausschnittsdeckungen“ ein Testfeld neben dem Kerngeschäft. Arag bietet über Appsichern eine Busversicherung an, die einen Unfallschutz und eine Absicherung des Gepäcks enthält. Auch die Art der Vertriebs ist eher noch Neuland für die Versicherer. Letztlich würden solche Produkte auch den Entwicklungen des digitalen Zeitalters Rechnung tragen, heißt es denn auch vom Verband der deutschen Versicherer GDV. Alles was man brauche sei ein Smartphone und eine intakte Mobilfunkverbindung.

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