https://www.faz.net/-hbv-8h7uj

Altersvorsorge : Lohnt sich eine Pflegezusatzversicherung?

Nicht nur in deutschen Heimen: Gute Pflege ist gefragt. Bild: dpa

Wer im Alter Pflege braucht, wird diese auch bekommen. Es fragt sich nur, wer dafür aufkommt. Mit drei verschiedenen Varianten können sich Verbraucher vor dem finanziellen Risiko schützen.

          Im Schatten der Rentenversicherung verliert man die Pflegeversicherung manchmal etwas aus den Augen. Dabei stehen im kommenden Jahr große Veränderungen ins Haus: Aus Pflegestufen werden Pflegegrade. Flächendeckend erhöhen sich die Leistungen an Pflegebedürftige, Demenz wird systematischer erfasst. Das geht einher mit Beitragssteigerungen: Eltern zahlen 2,55 statt 2,3 Prozent des beitragspflichtigen Einkommens, für Kinderlose erhöht sich der Beitragssatz auf 2,8 Prozent.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Was bleibt, ist dagegen die Grundkonzeption. „Nicht alles deckt die gesetzliche Pflegeversicherung ab“, sagt Kai Kirchner, Pflegefachmann der Verbraucherzentrale Niedersachsen. Sie ist keine Vollkaskoversicherung, entstehen Finanzierungslücken, muss der Betroffene auf sein Vermögen zurückgreifen. Reicht dies nicht aus, hilft das Sozialamt. „Darüber gibt es viele Missverständnisse“, betont Kirchner. „Die Pflege ist in jedem Fall sichergestellt. Es fragt sich nur, wer dafür aufkommt.“

          Drei verschiedenen Varianten der Pflegezusatzversicherung

          Wer nicht auf das Amt mit all seinen Durchgriffsrechten und Durchleuchtungsbefugnissen angewiesen sein will, kann auch auf eine Pflegezusatzversicherung zurückgreifen, wie sie die private Versicherungswirtschaft in drei verschiedenen Varianten anbietet. „Ob sie sich lohnt, hängt sehr von der persönlichen Situation ab“, sagt Hans Kaiser, Mitgeschäftsführer der Finanz-Sozietät in Marburg, eines unabhängigen Maklerhauses. In seiner Region müsse ein Pflegebedürftiger für die Unterbringung im Pflegeheim mit der Rundumbetreuung der Pflegestufe mit 3300 bis 3500 Euro Kosten im Monat rechnen. Die Sozialversicherung komme für 1612 Euro in dieser Stufe auf. Nach dem neuen Pflegegrad 5 erhöht sich dieser Betrag im kommenden Jahr auf 2005 Euro.

          So lässt sich leicht die Finanzierungslücke errechnen. Fehlen im Monat 1300 Euro für die Heimunterbringung, entsteht ein jährlicher Bedarf von 15.600 Euro. Die durchschnittliche Bezugszeit der Pflegeleistungen beziffert Kaiser auf sechs bis sieben Jahre. Damit komme man leicht auf eine Lücke von mehr als 100.000 Euro. Zum Teil kann sie von der Rente bestritten werden. Habe aber ein Pflegebedürftiger deutlich höhere Rentenansprüche als seine Ehepartnerin – wie es häufig bei längeren Kindererziehungszeiten der Fall ist, könne das dazu führen, dass diese ein gemeinsames Eigenheim nicht mehr halten könne.

          Verfüge das Ehepaar dagegen über Vermögen aus einer Geldanlage, könne dieses gegen die zu erwartende Finanzierungslücke gerechnet werden. „Wichtig ist auch die Frage, ob das Erbe für die Nachkommen erhalten werden soll“, betont Kaiser.

          Risikoschutz mit Geldanlage verbunden

          Drei Varianten von Pflegepolicen bieten Versicherer an. Keine ist per se besser als die andere, sie haben unterschiedliche Vor- und Nachteile. Am günstigsten werden in der Regel Pflegekostenversicherungen angeboten. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie die Kosten, die für eine ambulante oder stationäre Pflege anfallen, nach vorher definierten Kriterien erstatten. Ändert sich die Gesetzgebung wie im kommenden Jahr, kann das zu Beitragssteigerungen führen. Und der Versicherte darf die Zahlungen weder unterbrechen noch einstellen, sonst verliert er den Versicherungsschutz – auch wenn er jahrelang eingezahlt hat.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Will sich über Social-Media-Kanäle in China einen Namen machen: die Seniorin Wang Jinxiang bei einer Aufnahme in Peking.

          Hinter der Mauer : So anders ist das Internet in China

          In keinem Land der Welt sind so viele Menschen online wie im Reich der Mitte. Sie nutzen das Internet meist viel intensiver – doch sie sehen ein komplett anderes als wir in Europa.
          Jetzt auch in Stuttgart angekommen: Bürger mit Gelbwesten demonstrieren gegen Fahrverbote für den Diesel.

          Demo in Stuttgart : „Ja zum Diesel“

          In Stuttgart haben rund 700 Menschen gegen das Fahrverbot für ältere Diesel demonstriert – und die Landesregierung damit in Sorge versetzt.
          Torschütze in der Jubeltraube: Axel Witsel (Mitte) erzielte den wichtigen Treffer für den BVB.

          1:0 in Leipzig : Dortmund macht völlig unbeeindruckt weiter

          Winterpause? Egal. Druck von den siegreichen Bayern? Egal. Borussia Dortmund bleibt mit sechs Punkten Vorsprung an der Tabellenspitze der Bundesliga. In Leipzig kommt es zu einer spektakulären Schlussphase.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.