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Lebensversicherungen : Mehr beteiligt, weniger geleistet

Logo des Allianz-Versicherungskonzerns Bild: dpa

Die größten Lebensversicherungsvereine fallen gegen die Konzerne etwas ab. Die Hannoversche Leben kommt trotz guter Ergebnisse nicht ganz an den Marktführer Allianz heran.

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          Versicherungsvereine sind ihren Mitgliedern verpflichtet, börsennotierte Versicherungskonzerne ihren Aktionären. Aus diesem Unterschied folgt aber keine generelle Aussage über die Leistungsfähigkeit der einen oder der anderen Rechtsform. Wer sich die Auswertung der Bilanzen der zwölf größten Versicherungsvereine ansieht, die der des Ludwigshafener Betriebswirts Hermann Weinmann anfertigt, wird feststellen, dass die Vereine insgesamt etwas weniger leistungsstark als die besten Konzerne sind. Von dem, was sie erwirtschaften, bekommen ihre Kunden aber einen höheren Anteil ab. „Zwar lässt sich betriebswirtschaftlich keine rechtsformabhängige Überlegenheit gegenüber den beiden anderen Rechtsformen herleiten, die Konkurrenzfähigkeit ist aber gegeben“, schreibt der Professor in seiner Analyse für die „Zeitschrift für das Versicherungswesen“.

          Philipp Krohn
          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Die Lebensversicherung wird immer mal mit einem Zehnkampf verglichen. Wer am besten sein will, sollte in allen einzelnen Disziplinen (Kapitalanlage, Finanzstärke, Versicherungsrisiken, Kosten) einigermaßen gut abschneiden. Unter den größten Versicherungsvereinen ist das seit einiger Zeit die Hannoversche Leben, diesmal auf Augenhöhe mit der LV1871, die jeweils ein sehr gutes Ergebnis erreichen, damit aber nicht ganz an den erfolgreichsten Konzern, Marktführer Allianz, herankommen. Unten in der Tabelle stehen die Continentale und WWK mit befriedigenden sowie die Debeka und die Signal Iduna mit ausreichenden Ergebnissen. Das „Verfolgerfeld“ bildet der Volkswohl Bund, die Alte Leipziger, der LVM.

          Mit bis zu 95,7 Prozent am Rohüberschuss beteiligt

          Alle Vereine haben eine geringere Neugeschäftsdynamik als die Allianz, deren Beiträge 2019 um 31 Prozent zunahmen. Das erklärt Weinmann mit der guten Positionierung der großen Lebensversicherer wie Allianz, Zurich und Axa im Bankvertrieb, wo ein nicht unerheblicher Teil der Policen verkauft wird. Die Gothaer mit 12 Prozent, Continentale (6 Prozent) und Alte Leipziger (knapp 6 Prozent) waren die vertriebsstärksten Anbieter in diesem Segment.

          Die beste Disziplin im Zehnkampf des diesjährigen Siegers Hannoversche ist die hohe Rohüberschussmarge von 31 Prozent, diese Kenngröße setzt den Gewinn ins Verhältnis zu den Beitragseinnahmen. Als besonders ertragskräftig erwiesen sich diesmal die LV1871 und die Gothaer. Die Abschlussaufwendungen sind bei allen Versicherern außer der Hannoverschen im Jahr 2019 gestiegen. Hier steht auch seit längerem das Ansinnen der Bundesregierung im Raum, einen Provisionsdeckel einzuführen. Die Verwaltungsaufwendungen dagegen liegen bei den untersuchten Versicherern zwischen 12 und 27 Prozent der Betriebskosten. „Damit wird deutlich, dass die Abschlusskosten Hauptangriffspunkt der Lebensversicherung sind und dass es sinnvoll ist, auch das sonstige und das außerordentliche Ergebnis einzubeziehen“, schreibt Weinmann. Besonders hohe Aufwendungen haben die Maklerversicherer mit schwächerem eigenen Vertrieb. An der Spitze steht hier die Continentale.

          Die Solvenzquoten sind wegen des schwierigen Kapitalmarktumfelds gefallen – außer bei Alter Leipziger, Stuttgarter und LVM, die viel für die Finanzstabilität zurücklegen. Die Hälfte der Versicherer hat Beteiligungsquoten von mehr als 90 Prozent, das heißt, ihre Kunden werden mit bis zu 95,7 Prozent am Rohüberschuss beteiligt. So hohe Quoten gibt es bei Konzernen nicht.

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