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Lebensversicherungen : Versicherungsvermittler warnen vor Provisionsdeckel

Die Lebensversicherung unter der Lupe Bild: dpa

In ihren Stellungnahmen zum Gesetzentwurf kritisieren die Versicherungsvermittler, die Begrenzung der Provisionen für Lebensversicherungen. Ganz anders reagieren Verbraucherschützer.

          In den vergangenen Jahren haben Verbraucherschützer und Versicherungsvermittler immer mal wieder gemeinsame Positionen gefunden. Für die weitere Regulierung der Vermittlervergütung stehen sie hingegen in vollständiger Opposition zueinander. Das wird an den Stellungnahmen deutlich, mit denen die Interessenverbände das Vorhaben der schwarz-roten Koalition bewerten, einen Provisionsdeckel in der Lebensversicherung einzuführen. Verbraucherschützer begrüßen das Vorhaben, wünschen sich aber noch mutigere Schritte. Vermittlerverbände halten den geplanten Eingriff für rechtswidrig.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Der versichererkritische Bund der Versicherten hieß den Versuch gut, „den Missstand rund um die Provisionierung einzudämmen“, heißt es in seiner Stellungnahme. Ein Deckel in Höhe von 2,5 Prozent der Beitragssumme, der sich unter bestimmten Bedingungen auf 4 Prozent erhöhen könne, sei aber zu hoch. Er müsse niedriger gesetzt werden, um Abschlusskosten zu begrenzen. „Der Gesetzentwurf geht aber hinter den Status quo zurück und erlaubt den Ansatz höherer Abschlusskosten als derzeit“, schreibt Vorstandssprecher Axel Kleinlein an die Bundesregierung. Überdies müsse das Gesetz auf die Vermittlung von Pflegerenten-, Unfall- und sofort beginnenden Rentenversicherungen gegen Einmalbeitrag erweitert werden. Der Verein empfiehlt einen Provisionsdeckel von 1,5 Prozent.

          Verschärfung des Vermittlerschwunds befürchtet

          Zu einer ähnlichen Interpretation, aber einer ganz anderen Haltung gelangt der Bundesverband Deutscher Versicherungsmakler. Auch der Interessenverband der unabhängigen Vermittler bezweifelt angesichts einer im Jahr 2017 durchschnittlich gemessenen Provision von 3,77 Prozent einen dämpfenden Effekt. „Bereits vor diesem Hintergrund steht die Frage im Raum, welchen kostendämpfenden Effekt man sich von dem Provisionsdeckel verspricht, wenn eine Courtage bis 4 Prozent der Beitragssumme bei Erfüllung von qualitativen Kriterien möglich ist“, heißt es im Schreiben des geschäftsführenden Vorstands Hans-Georg Jenssen. Es fehle an einer schlüssigen Begründung für einen derart starken Eingriff in die Grundrechte des Berufsstands.

          Diametral dagegen steht die Haltung des Verbraucherzentrale Bundesverbands. Auch er lehnt zwar den Provisionsdeckel in der Lebensversicherung ab – anders als in der im selben Gesetzentwurf geregelten Restschutzversicherung –, will aber stattdessen auf ein Provisionsverbot hinwirken. Der Verband vertritt die Auffassung, Provisionen verleiteten Vermittler zum Verkauf ungeeigneter Produkte. Der Deckel lasse sich umgehen, indem Vermittler und Kunde eine höhere Beitragssumme vereinbarten. „Ein Provisionsdeckel löst den Interessenkonflikt also nicht auf. Gerade die Kopplung an die Bruttobeitragssumme verstärkt ihn sogar noch“, schreiben die Verbraucherschützer. Abhilfe könne nur eine Abkehr vom Provisionssystem schaffen.

          Der vorliegende Entwurf werde den starken Vermittlerschwund verschärfen, warnt der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute. Viele Vermittler würden durch Regulierungen erdrückt. Ein Provisionsdeckel verletze die Berufsfreiheit von Vermittlern. Honorarberater seien frei in der Ausgestaltung ihrer Vergütung. „Der im Referentenentwurf vorgeschlagene Provisionsdeckel...\[ist\] ordnungspolitisch der falsche Weg, um das System der Lebensversicherungen langfristig auf eine stabile Grundlage zu stellen“, kritisiert der Verband.

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