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Lebensversicherung : Mutige Versicherer werden belohnt

„Wir konnten starke Reserven aufbauen, weil wir schon seit langem die Dauer unserer Anlagen auf die Verpflichtungen abstimmen“, sagt Vorsorgevorstand Patrick Dahmen. Damit hat das Management frühzeitig eine Last antizipiert, die das künftige Aufsichtsrecht Solvency II den Unternehmen auferlegt: Es bestraft Abweichungen zwischen der Laufzeit von Kapitalanlagen und von Verpflichtungen besonders stark. Wenn die Verträge durchschnittlich 15 Jahre laufen, die Duration der Papiere aber nur sieben Jahre beträgt, müssen die Gesellschaften sehr viel mehr Kapital unterlegen als die Axa, bei der die Verpflichtungen durchschnittlich zehn, die Anlagen neun Jahre laufen. „Sobald der Abstand von einem Jahr überschritten wird, steuern wir nach“, sagt Dahmen - notfalls auf Kosten höherer Renditen.

Bis zu 5 Prozent darf die Axa nach internen Richtlinien aber auch in riskanteren festverzinslichen Papieren anlegen. „Wir gehen lieber in High Yield als in Aktien. Die Ausfallrate ist sehr gering“, sagt Dahmen. Trotz einer mit 2 Prozent unterdurchschnittlichen Aktienquote erreicht die Axa in der Neuanlage immer noch 3 Prozent Rendite.

Ganz anders geht Stefan Hanekopf vor, der das Anlagemanagement der Öffentlichen Leben Braunschweig verantwortet. Er leistet sich eine Aktienquote von mehr als 10 Prozent. „Wir hatten schon vor mehr als zehn Jahren Sorge vor einem japanischen Zinsmarkt“, sagt er. „Deshalb haben wir uns gefragt, was wir tun müssen, um in jedem Fall die sehr langfristigen Zinsgarantien in unseren Lebens- und Rentenversicherungsprodukten zu erfüllen.“ Die Antwort: Laufzeiten zwischen Anlagen und Garantien abgleichen. Wettbewerber unkten, das Unternehmen werde sich damit selbst vom Markt nehmen, weil man langlaufende Papiere zu damals vergleichsweise niedrigen Zinsen ins Buch nahm.

Dafür profitiert Hanekopf nun von einem großen Bestand von Papieren mit 20 Jahren Laufzeit und einem Kupon von 5 Prozent. Zudem hat der Versicherer eifrig Gewinne einbehalten. Ab 2005 baute er ein wachsendes Aktienportfolio auf. In einem Masterfonds, der Anlagen in Aktien, Unternehmensanleihen guter Bonität, Immobilien weltweit und Private Equity-Investitionen enthält, liegen 35 Prozent seiner Kapitalanlagen. Die Streuung zahlt sich aus. Trotz einer Aktienquote von damals 9 Prozent schloss die Öffentliche Braunschweig selbst das Krisenjahr 2008 mit einer Nettoverzinsung von 4 Prozent ab. Aufgefangen wurden die Aktienmarktverluste von 15 Prozent durch die hohen Kupons der Festverzinslichen. „Breit diversifiziert kann man auch in höhere Risiken gehen. Wer das tut, macht nichts falsch“, sagt Hanekopf. Man musste dafür nur den einen wichtigen Gedanken beherzigen: Wie kann man dafür sorgen, dass man seine Verpflichtungen in jedem Fall einhält? Auf diesen Gedanken sind viele Versicherer zu spät gekommen.

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