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Lebensversicherung : Mutige Versicherer werden belohnt

Wenig Verträge mit Garantieverzinsung von 4 Prozent

Andreas Lindner ist daher in einer komfortablen Lage. Der Kapitalanlagestratege der Allianz Leben kann angesichts der Finanzstärke seines Hauses relativ viel Geld in Aktien anlegen. „Wir haben noch Spielraum, die Aktienquote zu erhöhen“, sagt Lindner. Mit 10 Prozent Aktien und alternativen Geldanlagen liegt die Allianz aber auch jetzt schon weit über dem Durchschnitt. Sie sind global gestreut, auch in Nebenwerten, zur Risikobegrenzung sowie zur Währungsabsicherung gelegentlich ergänzt durch Derivate. Die Rendite aus der Aktienanlage ist in der Regel überdurchschnittlich, die Allianz mithin einer der renditestärksten Lebensversicherer. Zum Jammern über die niedrigen Zinsen sieht Lindner jedenfalls keinen Anlass. „Unser Vorteil als Lebensversicherer ist die lange Laufzeit der Verträge“, sagt Lindner. Damit lassen sich die Kapitalzu- und -abflüsse über viele Jahre hinweg prognostizieren. „Das ist eine solide Basis für langfristige Geldanlagen, und das unterscheidet uns grundlegend von anderen Kapitalmarktakteuren wie Banken.“ Die Allianz investiert deshalb viel in Hypothekenpapiere, aber auch in Infrastrukturkredite mit 30 Jahren Laufzeit. „Dort sind Renditen von 4 bis 5 Prozent möglich, teilweise mit staatlichen Garantien“, sagt Lindner. „Wir streichen gerne die Prämie für weniger liquide oder illiquide Anlagen ein.“ Der Kapitalanlagestratege will sich zudem nicht an den mickrigen Renditen für Bundesanleihen messen lassen. „Das ist nicht unsere Referenzgröße. Wir haben vergangenes Jahr überhaupt keine Bundesanleihen erworben.“ 80 Prozent des Bestandes sind zwar festverzinslichen Papiere, davon sind aber nur 3 Prozentpunkte Bundesanleihen, der Rest Pfandbriefe, Schwellenländer-Anleihen, italienische Anleihen und Unternehmensanleihen.

Der Anteil der Verträge mit einer Garantieverzinsung von 4 Prozent ist zudem relativ klein. In der Mischung der Verträge sind es derzeit 3 Prozent (im Marktdurchschnitt 3,1 Prozent) - Tendenz sinkend. Denn jeder Neuvertrag mit einer derzeit maximal erlaubten Mindestverzinsung von 1,75 Prozent senkt die durchschnittliche Garantieverpflichtung. Als langfristig orientierter Kapitalanleger baut die Allianz Leben aber auch darüber hinaus Reserven auf und nutzt sie. Zum Jahresende 2013 lagen die Reserven mit 20 Prozent der Kapitalanlagen weit marktüberdurchschnittlich. „Diese Reserven können wir einsetzen, um auch in Zeiten schwankender Kapitalmärkte oder in einem ausgeprägten Niedrigzinsumfeld eine für unsere Kunden stetig attraktive gesamte Verzinsung zu erwirtschaften“, sagt Lindner. Im vergangenen Jahr hat die Allianz deshalb mit 5,5 Prozent auf die Kapitalanlagen eine der höchsten Nettoverzinsungen im Markt erwirtschaftet. Dieser Wert beinhaltet anders als die branchenweit sinkende Durchschnittsverzinsung auch stille Reserven.

Genauso hoch war die Verzinsung der Axa. Der Unterschied zur laufenden Verzinsung war noch größer als bei der Allianz. Die Axa hat also in noch stärkerem Maße Reserven durch Verkäufe von Papieren gehoben. Das erhöht nun aber auch den Druck, attraktivere Anlagen zu finden. Zudem ist der Anteil der 4-Prozent-Verträge mit 36 Prozent im Bestand besonders hoch, weil die Axa einige Jahre lang überwiegend auf Fondspolicen gesetzt hat. Dadurch kamen weniger Verträge mit niedrigerer Garantie in den Bestand, so dass die durchschnittliche Verpflichtung langsamer sinkt.

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