https://www.faz.net/-hbv-7y46f

Lebensversicherung : Kaum noch Riesterverträge für ältere Kunden

Steuerlich gilt es bei Riester-Produkten einiges zu beachten. Bild: dpa

Zum 1. Januar wird der Höchstrechnungszins in der Lebensversicherung gesenkt. Kunden bekommen nun maximal 1,25 Prozent Verzinsung garantiert. Für ältere Verbraucher engt das den Vorsorgemarkt ein.

          3 Min.

          Die Erwartungen an die Riester-Rente haben sich nicht erfüllt. Als staatlich geförderte Vorsorgeverträge sollten sie die Lücke schließen, die durch die starken Rentenkürzungen Anfang des Jahrtausends gerissen wurden. Die Nachfrage hat sich deutlich abgeschwächt. Im Jahr 2013 war die Zahl der Riester-Versicherungen sogar erstmals niedriger als im Vorjahr - mehr Versicherte haben also ihren Vertrag gekündigt als neu abgeschlossen. Das setzte sich im Jahr 2014 fort. Auch das Interesse an Banksparverträgen lässt nach, die Zahl der Investmentverträge nahm in den drei ersten Quartalen gerade noch um 4000 bis 13.000 Verträge zu. Einzig der erst im Jahr 2008 eingeführte Wohn-Riester verzeichnet noch merkliche Zuwächse. Die Gesamtzahl aller Riester-Verträge liegt bei 16 Millionen, davon 10,8 Millionen Versicherungen.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Das ist zu wenig, um die Aufgabe zu erfüllen, die die damalige rot-grüne Regierung der Riester-Rente zugedacht hat. Nun verlieren auch die ersten Anbieter die Lust an den Produkten. Drei Versicherer haben angekündigt, das Neugeschäft zum Jahreswechsel einzustellen. Swiss Life begründet dies mit dem zu hohen Verwaltungs- und Kostenaufwand. Doch auch eine politische Entscheidung hatte Einfluss: Für die Basler und die Helvetia hatte der Rückzug damit zu tun, dass die Bundesregierung zum ersten Januar den sogenannten Höchstrechnungszins für neue Verträge von 1,75 auf 1,25 Prozent senkt.

          Um diesen Zinssatz dürfen Versicherer die Verpflichtungen an ihre Kunden maximal abzinsen. Er reflektiert die Anlagesituation auf dem Anleihemarkt. Als Referenzzinssatz dient der Durchschnitt von europäischen Staatspapieren mit zehn Jahren Laufzeit. Dieser fällt seit Jahren. Die Versicherer müssen deshalb ihre Garantiezinsen, die sie ihren Kunden bis zum Ende der Vertragslaufzeit versprechen, kontinuierlich senken.

          Die Verminderung auf 1,25 Prozent hat nun erstmals Wirkung auf den Fortbestand einer ganzen Produktgruppe. Denn Riesterverträge beinhalten eine Beitragsgarantie. Das bedeutet, den Kunden wird zum vereinbarten Rentenbeginn mindestens die Summe aller eingezahlten Beiträge ausgezahlt oder als Grundlage ihrer monatlichen Rente angerechnet. Mit einem Höchstrechnungszins von 1,25 Prozent muss ein branchenüblicher Vertrag aber mindestens 20 Jahre lang laufen, damit der Versicherer die hohen Kosten der Police durch die Garantieverzinsung kompensiert hat. „Wer also mit Mitte 40 einen Riester-Vertrag sucht, bekommt Probleme, ihn abzuschließen“, sagt Axel Kleinlein, Vorstandssprecher des Bundes der Versicherten, der mitgliederstarken Lobby der deutschen Versicherungskunden.

          Bei der Swiss Life konnten schon in der jüngsten Vertragsgeneration Kunden höchstens mit 52 Jahren noch einen Riester-Vertrag abschließen. Nun dürfte das maximale Einstiegsalter flächendeckend fallen. Denn durch den niedrigeren Zins brauchen die Anbieter länger, bis sie ihre Beitragsgarantie erwirtschaftet haben. Wenn sie Verträge anbieten, die Fondssparen mit einem klassischen Deckungsstock kombinieren, muss ein größerer Teil der Beiträge in den Topf fließen, der überwiegend in festverzinslichen Papieren angelegt wird. Dadurch lässt sich ein solches Produkt kaum noch als Fondsprodukt verkaufen.

          Die Alternative für die Anbieter: Sie müssen ihre Kosten senken. Dazu ermuntert das im August in Kraft getretene Gesetz zur Reform der Lebensversicherung. Die Versicherer dürfen nur noch Abschlusskosten in Höhe von 2,5 Prozent bilanziell auf die Verträge anrechnen, alles was darüber hinausgeht, müssen sie aus ihren Gewinnen finanzieren. Voraussichtlich wird auch das Kostenniveau der Riester-Verträge sinken. Etliche Anbieter haben angekündigt, dass sie ihre Vertriebspartner für die entgangene Abschlussvergütung durch Bestandsprovisionen entschädigen werden.

          Die Produktwelt bei Riester-Verträgen ist in den vergangenen Jahren komplexer geworden. So stimmt zumindest in einem Fall die Aussage nicht mehr, dass eine Absenkung des Garantiezinses nur für Neuverträge gilt. Marktführer Allianz hat vor einigen Monaten sein Produkt „Perspektive“ auch als Riester-Vertrag eingeführt. Derzeit bietet er eine etwas höhere laufende Verzinsung, im Neugeschäft ist er sehr beliebt. Bei Renteneintritt gelten aber die dann aktuellen Bedingungen und nicht wie bislang üblich die zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses. Die Kunden trifft also jede Änderung des Höchstrechnungszinses und neue Annahmen über die Sterblichkeit. Einschränkend lässt sich allerdings sagen: Wie die Rechnungsgrundlagen in 30 Jahren sind, lässt sich heute nicht voraussagen.

          Die Bundesregierung hat in den vergangenen Jahren vieles getan, um Riester-Verträge und andere Lebensversicherungen gegen den Niedrigzins zu schützen. Durch den niedrigeren Rechnungszins erleichtern sie den Versicherern die Kapitalanlage, denn ihre Zielrendite ist geringer. Gleichzeitig hat die Politik das Potential zu besseren Kapitalanlageergebnissen erhöht. „Ein solide aufgestelltes Unternehmen müsste sich schon sehr dumm anstellen, seine Garantieverpflichtungen nicht mehr zu erfüllen“, sagt Verbraucherschützer Kleinlein. Denn die durchschnittlich 3,1 Prozent Garantiezins, die Lebensversicherer für ihre Bestandskunden erwirtschaften müssen, beziehen sich nur auf ihr Deckungskapital.

          Mehr als 20 Milliarden Euro haben sie in eine Zinszusatzreserve ausgegliedert, 30 Milliarden Euro Rückstellungen für die Beitragsrückerstattung haben sie gebildet. „Das sind alles zusätzliche Zinserzeuger, mit denen die Garantieverzinsung gestützt werden kann“, sagt Kleinlein. Er kritisiert, dass sich Versicherer schwächer darstellen, als sie sind, um weitere regulatorische Erleichterungen zu erhalten. Im Januar soll der Gesetzgeber über eine Reform entscheiden, die den Versicherern mehr Verfügungsgewalt über ihre Rückstellungen geben würde.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.