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Restkreditversicherungen : Policen mit schlechtem Ruf

Restkreditversicherungen haben einen schlechten Ruf. Allzu oft unterbreiten Banken ihren Kunden nur ein einziges Angebot. Bild: dpa

Restkreditversicherungen sind anfällig für Schindluder. Verbraucherschützer wünschen sich deshalb mehr Transparenz.

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          Wenn es Finanzprodukte gibt, deren Nutzen permanent in Frage gestellt wird und die besonders anfällig für Schindluder sind, dann gehören die Restschuldversicherungen sicherlich dazu. Gemessen an ihrem Volumen sind sie vergleichsweise unbedeutend. Sie gehören zu der Familie der Lebensversicherungen: Im vergangenen Jahr machten sie mit rund 680.000 Verträgen zwar rund 13 Prozent aller neu abgeschlossenen Policen aus – aber das entsprach nur 3,5 Prozent der versicherten Summe. Nicht alle Marktteilnehmer melden ihre Zahlen an den Branchenverband GDV. Doch wie unklar das tatsächliche Marktvolumen auch ist, es steht in keinem günstigen Verhältnis zu dem öffentlichen Ärger, den diese Verträge immer wieder auslösen. Mit ihnen schützen Kreditnehmer ihre Angehörigen davor, dass diese nach dem Tod, bei Berufsunfähigkeit oder bei Arbeitslosigkeit für ihre Kreditraten aufkommen müssen.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          „Fehlender Wettbewerb, veränderte Produktgestaltung und schlechte Beratung gehen zu Lasten von Verbrauchern“, überschrieben die Verbraucherzentralen Hessen und Sachsen im vergangenen Jahr eine Untersuchung zu Missständen mit Restkreditversicherungen. Die Finanzaufsicht Bafin, die sonst faktenorientiert und nüchtern über Finanzprodukte informiert, warnt auf ihrer Internetseite: „Vorsicht! Restschuld- und Zusatzversicherungen sind nicht standardisiert. Informieren Sie sich vor Abschluss des Vertrags über den genauen Versicherungsumfang und die Kosten.“

          Doch das ist gar nicht so einfach. „Wir haben diverse Probleme mit Restkreditversicherungen“, sagt Frank-Christian Pauli, Finanzmarkt-Referent des Verbraucherzentrale Bundesverbands. „Mangelnde Kostentransparenz und mangelnder Wettbewerb sind die gravierendsten. Das Angebot wird zu hundert Prozent vom Kreditgeber bestimmt.“ Verbraucherschützer hätten regelmäßig mit Konsumenten zu tun, die sich nicht im Klaren darüber waren, dass der Vertrag für sie nur optional und nicht verpflichtend war.

          Wenn sie den Kreditvertrag bei einer Bank unterschrieben, werde ihnen die Police mit untergeschoben, obwohl auch eine Risikolebensversicherung bei einem günstigen Direktversicherer denselben Zweck erfüllen könnte. „Oft werden sie sanft unter Druck gesetzt, nach dem Motto: sie wollen doch den Kredit‘“, sagt Pauli. Das deckt sich mit Aussagen ehemaliger Berater, die berichten, dass der Zusatzvertrag häufig nicht erklärt werde. Beim Autoverkauf auf Raten werde gegenüber dem Kunden behauptet, das sei gut für ihn und helfe ihm immer. Insbesondere ausländische Käufer mit Sprachdefiziten fragten selten nach.

          Gesetzgeber habe interessante Unschärfe zugelassen

          Die großen Anbieter von Restschuldversicherungen wollen die Kritik nicht auf sich sitzen lassen. „Der Vorwurf, die Verträge würden den Kunden unbewusst untergejubelt, ist falsch“, sagt David Furtwängler, deutscher Hauptbevollmächtigter von BNP Paribas Cardif, einem der großen Anbieter auf dem hiesigen Markt. Banken betrieben einen großen Aufwand, ihre Kunden zu informieren. Wenn ein Kunde mehrere Unterschriften leiste, könne er sich nicht darauf zurückziehen, nicht Bescheid gewusst zu haben. „Es gibt keine Kopplung der Produkte. Würden Banken einen anderen Anschein erwecken, müssten sie den Anteil der Restkreditversicherung am Effektivzins ausweisen“, sagt er.

          Denn an dieser Stelle hat der Gesetzgeber eine interessante Unschärfe zugelassen: Nur wenn der Zusatzvertrag obligatorisch ist, müssen die Banken die Kosten der Police in die Effektivkosten des Kredits einbeziehen. Die Kreditinstitute können sich nun darauf zurückziehen, dass der Abschluss des Vertrags nicht zwingend war. Zwar tragen sie die Beweislast dafür, doch welcher Kunde kann schon schlüssig nachweisen, dass er falsch aufgeklärt wurde? Den Verbraucherzentralen reicht dieser Schutz jedenfalls nicht, um das Problem zu beseitigen. „Da es eine Interpretationsfrage ist, ob der Vertrag optional oder obligatorisch war, verlangen wir, dass die Anbieter zwei separate Preisschilder ausweisen müssen“, sagt Pauli. Würden zwei Zinssätze angegeben, könne der Kunde erkennen, dass er selbst die Wahl hat. Und er könne den Kosteneffekt seiner Absicherung ermitteln.

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