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Beitragserstattungen : Die Krankenversicherer schenken ihren Kunden Millionen

Ob und wie viel Versicherungen an ihre Kunden zurückzahlen, liegt vor allem daran, wie die Bilanzen ausfallen. Vor allem Kunden, die über das Jahr hinweg keine Leistungen in Anspruch genommen haben, profitieren davon. Bild: obs

Allianz, Debeka und einige andere profitieren von ihrer stabilen Bilanz – und geben den Versicherten etwas zurück. Dass nicht alle Anbieter Rückzahlungen ausschütten können, hat mehrere Gründe.

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          Die großen deutschen Personenversicherer lassen keine Gelegenheit zur Leistungsschau aus. Denn Lebens- und Krankenversicherungen gleichen einem Langstreckenrennen, bei dem es sich lohnt, Zwischenzeiten miteinander zu vergleichen und damit die Kunden zu beeindrucken. Die Allianz Private Krankenversicherung zum Beispiel veröffentlicht nun eine Meldung, die ihren Kunden gefallen wird: 122 Millionen Euro werden ihnen über Beitragsrückerstattungen zurückgegeben. Wer im vergangenen Jahr keine Leistung in Anspruch genommen hat, erhält zwischen 30 und 50 Prozent seiner Beiträge zurück – oft sind das Zahlungen von mehr als 1000 Euro.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Auch der Marktführer Debeka ist großzügig: Der Koblenzer Versicherer schüttet sogar 275 Millionen Euro an seine Kunden aus, die keine Leistungen in Anspruch genommen haben. Die Debeka hat als Beamtenversicherer allerdings auch einen deutlich größeren Kundenstamm. Die Vertragsinhaber sollten zu einem verantwortungsvollen und kostensparenden Handeln ermutigt werden, lässt der größte deutsche Krankenversicherer wissen.

          Rückzahlungen abhängig von den Finanzen der Versicherer

          „Zahlen Versicherte kleinere Rechnungen aus eigener Tasche, kommt das sowohl den Betroffenen als auch dem Versicherungskollektiv zugute“, sagt Thomas Brahm, der Vorstandsvorsitzende der Debeka. Im Regelfall erstattet das Unternehmen bis zu drei Monatsbeiträge. In der Vergangenheit, als es dem Versicherer finanziell noch besser ging, waren es auch schon bis zu vier Monatsbeiträge. Der Rückgang könnte auch damit zu tun haben, dass die Debeka eine digitale Leistungs-App eingeführt hat, mit der Kunden Rechnungen einscannen und direkt einreichen können. Früher wurden sie oft gesammelt an den Versicherer gegeben. Der zweitgrößte Marktteilnehmer, die DKV (Ergo), schüttet 154 Millionen Euro aus.

          Die Ankündigungen dienen auch der Differenzierung im Wettbewerb, denn wie viel sie zurückerstatten können, hängt von der finanziellen Ausstattung der Versicherer ab. In der Niedrigzinsphase fiel es den meisten schwer, ertragreich zu wirtschaften. Insofern ist es eine programmatische Aussage, wenn Allianz-PKV-Vorstand Jan Esser sagt: „Von unserer Finanzstärke profitieren unsere Kunden direkt.“ Eine Aufstellung des Branchendienstes KVpro über Tarife für einen 35 Jahre alten Mann zeigt, dass einige Krankenversicherer (Central, Münchener Verein und das Start-up Ottonova) gar keine Beitragsrückerstattungen gewähren. An Versicherte ab dem vierten Beitragsjahr zahlen Allianz, Continentale, Gothaer, Deutscher Ring und Debeka am meisten aus.

          „Die Beitragsrückerstattung ist ein Ergebnis guten Wirtschaftens“, sagt Gerd Güssler, Geschäftsführer von KVpro. Mit Kapitalanlageerträgen können die Versicherer Beitragsanpassungen mindern, Leistungen verbessern und dauerhaft ausfinanzieren oder eine Beitragsrückerstattung gewähren. All dies funktioniert aber nur, wenn die Unternehmen genug eingenommen haben, um die Rückstellungen für die Beitragsrückerstattung zu befüllen. Der Vorstand kann dann darüber entscheiden, wie er diese Mittel verwendet.

          Doch es wäre falsch, die Leistungsstärke eines Versicherers allein an der Fähigkeit zu bemessen, Beiträge an Kunden zurückzuerstatten. „Die beitragsstabilsten Versicherer geben oft weniger zurück“, hat Güssler beobachtet. Bei ihnen verbleibt das eingezahlte Geld im Versichertenkollektiv, und es bauen sich damit zusätzliche Alterungsrückstellungen auf. „Die private Krankenversicherung ist wie der Zehnkampf der Olympischen Spiele“, sagt Güssler. „Ein erfolgreicher Versicherer kann alles ganz gut, aber nichts exzellent.“ Weder der preisgünstigste noch der mit den besten Kapitalanlageergebnissen könne garantieren, nach einem langen Versichertenleben der beste Anbieter gewesen zu sein. Aber auch über gute Zwischenzeiten kann man sich ja freuen.

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