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Joonko : Das etwas andere Vergleichsportal

Das Vergleichsportal Check 24 bekommt neue Konkurrenz. Bild: dpa

Das Start-up Joonko vergleicht Versicherungen und mehr. Es will fairer sein als die Konkurrenz. Gelingt das?

          3 Min.

          An diesen Namen wird man sich in Deutschland gewöhnen müssen. Joonko heißt das neue Vergleichsportal, das Verbrauchern bei der künftigen Finanzplanung zu helfen verspricht. So einprägsam der Name, so ungewöhnlich die Aussprache: Dschunko. Namensgeberin ist nämlich die japanische Bergsteigerin Junko Tabei, die 1975 als erste Frau den Gipfel des Mount Everest erreicht hat. Ihre Willenskraft und Stärke haben die Gründer des Vergleichsportals angeblich inspiriert. Aber es schwingt auch etwas anderes mit: Auch Joonko will nach ganz oben.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          An Vergleichsportalen herrscht eigentlich kein Mangel hierzulande. Neben Check24 als Branchenprimus lassen sich auch über Verivox, Biallo und eine Reihe weiterer Plattformen Versicherungen und andere Finanzprodukte abschließen, für Strom und Gas gibt es eigene Portale für wechselwillige Verbraucher. Trotzdem sind die Joonko-Macher davon überzeugt, dass sie nicht nur ihren Platz finden werden, sondern sogar Check24 angreifen können. Das Projekt kommt gerade ins Laufen und beginnt mit Autoversicherungen, die Joonko in der heißen Wechselphase bis Ende November vermitteln will.

          Es gehört zum Geschäft, dass ein junges Unternehmen nur Optimismus verbreitet. Für den Verbraucher stellt sich aber die Frage, was Joonko verspricht und wie das Vergleichsportal seine Ansprüche umsetzen will. Zunächst zu den Versprechen: Joonko hat angekündigt, fair und transparent zu sein. Konkret heißt das, dass die Reihenfolge der Angebote, die ein Nutzer erhält, sich nicht danach richtet, welcher Versicherer dem Portal am meisten zahlt oder ob er Werbung schaltet. Bezahlen müssen Versicherungsunternehmen, wie bei anderen Vergleichsportalen, auch bei Joonko. „Das Geschäftsmodell solcher Portale ist weniger der Vergleich als vielmehr der Verkauf“, sagt Claudio Zeitz, Finanzmarktexperte vom Verbraucherzentrale Bundesverband. Sogenannte Vergleichsportale, das muss jeder Verbraucher wissen, sind nichts anderes als Makler. Nur eben in digitaler Form.

          Die Art des Verkaufens

          In der Art des Verkaufens unterscheidet sich Joonko aber von der großen Konkurrenz. Das Portal verlangt für die Vermittlung von Policen laufend Provisionen von den Versicherern – und nicht nur dann, wenn ein Verbraucher einen neuen Tarif abschließt. Das heißt, Joonkos Geschäft hängt nicht davon ab, Autofahrer jedes Jahr aufs Neue dazu zu bringen, den Versicherungstarif zu wechseln, und damit jedes Mal wieder eine saftige Provision einzustreichen. Verbrauchern müsse aber klar sein, dass sie das Mandat für ihre Tarife an die Portale abgäben, mahnt Zeitz. Sie sind also ihr Ansprechpartner.

          In der Startphase hat Joonko noch nicht viel zu bieten. Vierzehn Kfz-Versicherer von Adcuri bis Zurich mit bis zu 24 verschiedenen Tarifen stehen aktuell auf der Liste. Länger ist die Reihe derer, die (noch) nicht mit Joonko zusammenarbeiten, darunter die Marktführer HUK und Allianz.

          Ein weiteres Versprechen des neuen Portals ist, für jeden Verbraucher das Produkt zu finden, das am besten zu seinen Bedürfnissen und Lebensumständen passt. „Best-Match-Ansatz“ nennen dies die Joonko-Macher. Zu diesem Zweck haben sie eigene Fragebögen für die Online-Abschlüsse von Autoversicherungen entworfen. Statt fünfzig Fragen wie bei manchem Konkurrenten werden Verbrauchern nur 22 abverlangt. Getreu dem von Joonko-Chefin Carolin Gabor ausgegebenen Motto, alles einfacher machen zu wollen. Die günstigsten Tarife sollten die Verbraucher auf dem neuen Vergleichsportal nicht unbedingt erwarten. Der Preis sei zwar wichtig, aber nicht alles, heißt es von Joonko.

          Ist die Startphase vorüber, will das Portal über Kfz-Versicherungen hinaus Online-Abschlüsse ermöglichen. Bankprodukte könnten schon im nächsten Jahr hinzukommen, Angebote zur Altersvorsorge sind für die Zukunft nicht ausgeschlossen. Dafür muss das Portal allerdings möglichst viele Banken und Versicherungen für sich gewinnen. Auch angesichts dessen gibt man sich bei Check24 recht gelassen. Man begrüße jede Neuerung, die zum Nachdenken im eigenen Haus anrege, heißt es von Check24. Im Übrigen habe man sich im Markt eine gute Position aufgebaut.

          Bleibt nur noch die Frage, warum sich das neue Vergleichsportal Joonko schreibt und nicht Junko wie die namensstiftende Bergsteigerin. Die Antwort: Die Gründer haben sich an den erfolgreichen Technologieunternehmen orientiert, die ein doppeltes O im Namen tragen. Google, Facebook, Joonko: Alles in einem Atemzug, das wäre der Gipfel.

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