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Beitragserhöhung : Berufsunfähigkeits-Policen werden 2015 teurer

Jetzt noch schnell abschließen: Günstige Berufsunfähigkeitsversicherungen Bild: F.A.Z.

Wer eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen will, sollte sich beeilen. Zum Jahreswechsel steigen die Prämien. Was Kunden dabei beachten müssen.

          Die niedrigen Zinsen treffen nicht nur die Sparer. Sie entfalten auch an ganz anderer, unvermuteter Stelle ihre negativen Folgen: bei einer der wichtigsten Versicherungen überhaupt, die jeder abgeschlossen haben sollte - der Berufsunfähigkeitsversicherung.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Sie zahlt, wenn jemand wegen Krankheit oder Unfall nicht mehr voll arbeiten kann. Dann ersetzt sie einen Teil des Gehaltsausfalls, der damit verbunden ist und Menschen in die Armut treiben kann. Denn der Staat zahlt für nach 1961 Geborene nur noch eine kleine Erwerbsminderungsrente.

          Doch die niedrigen Zinsen machen vom 1. Januar an eine Absicherung teurer. Genauer gesagt, die Absenkung der garantierten Verzinsung, die die Bundesregierung im Sommer beschlossen hat. Demnach sinkt der Garantiezins zu Jahresbeginn von 1,75 auf 1,25 Prozent. Darüber ärgern sich vor allem die Neukunden von Lebensversicherungen, weil die sicher gezahlte Verzinsung ihrer Beiträge noch niedriger als sowieso schon ausfällt.

          Aber es trifft eben auch die, die mit ihrer Versicherung gar nicht sparen, sondern sich schützen wollen. Denn die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) baut mit den eingegangenen Beiträgen ihrer Kunden ein Finanzpolster in Höhe der erwarteten Leistungen auf. Dies wird mit dem Garantiezins verzinst. Sinkt er so wie jetzt, schrumpft das Polster. Höhere Beiträge müssen das dann ausgleichen. Je länger der Vertrag noch laufen wird, desto größer die Beitragserhöhung.

          Hohe Mehrkosten bei Verträgen über Jahrzehnte

          Gerade für Neukunden, die noch jung sind, werden die Prämien daher besonders stark steigen. Der Finanzdienstleister MLP hat die Mehrbelastungen infolge der Zinssenkung auf Basis einer Beispielrechnung für eine Monatsrente von 1.000 Euro kalkuliert. Demnach drohen Anhebungen bis zu sieben Prozent für einen 25-Jährigen, fünf Prozent für einen 35-Jährigen und drei Prozent für einen 45-Jährigen. Wie stark die Prämien genau steigen, steht oft noch nicht fest. Weniger Schadensfälle oder geringere Verwaltungskosten könnten die notwendige Anhebung auch abmildern.

          In vielen Fällen wird die Erhöhung nur wenige Euro im Monat ausmachen. Aber da die Verträge teilweise mehr als 30 Jahre laufen, summieren sich auch solche kleinen Beitragsunterschiede zu großen Mehrkosten. Zudem sind die Prämien für handwerkliche Berufe schon jetzt ziemlich hoch. Eine Steigerung von sieben Prozent fällt da deutlicher ins Gewicht.

          Der Vorteil der Berufsunfähigkeitsversicherung ist aber: Der Beitrag gilt ein Leben lang. Das heißt, wer noch in diesem Jahr den Vertrag abschließt, sichert sich die niedrigeren alten Beiträge. Und schreibt sie für die gesamte Laufzeit fest. Daher sind auch bestehende Verträge von der Erhöhung im Januar nicht betroffen.

          Tipp: Vertrag auf 1. Dezember rückdatieren

          Genauer gesagt, sichert sich der Neukunde für die gesamte Laufzeit den Bruttobeitrag. Das ist die maximal mögliche zu zahlende Prämie. Üblicherweise wird nur der niedrigere Nettobeitrag fällig. Der kann aber schwanken - abhängig davon, wie erfolgreich die Versicherung die Beiträge am Kapitalmarkt anlegt und wie sich die Kosten entwickeln. Wer vor Weihnachten einen Vertrag abschließt, sollte den Beginn auf den 1. Dezember rückdatieren, um nicht trotzdem von den Preiserhöhungen getroffen zu werden. Das lassen die meisten Versicherer mit sich machen, weil sie interessierte Kunden nicht an die Konkurrenz verlieren wollen.

          Vereinbart wird eine feste monatliche Rente, die im Ernstfall gezahlt wird. Die Höhe hängt davon ab, ob neben dem Gehalt noch andere Finanzquellen zum Lebensunterhalt beitragen, etwa Kapital- oder Mieteinkünfte. Weniger als 1.000 Euro sollte die Rente aber im Normalfall nicht betragen. Sinnvoll ist eine Versicherung, die die Renten jährlich erhöht - um die Inflation auszugleichen, die sicher in den nächsten 30 Jahren auch wieder höher sein wird als derzeit.

          Vor der gerne beworbenen Kombination der Berunfsunfähigkeits-Police mit einer Lebensversicherung raten Experten aber ab. Denn wird die Lebensversicherung gekündigt, verliert man auch den Schutz vor Berufsunfähigkeit. Eine neue Versicherung kommt dann teuer. Denn der Beitrag ist umso höher, je später man mit der Absicherung beginnt. Zehn Jahre älter zu sein kann schon Mehrkosten von 30 Prozent verursachen.

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