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Neuer Preiskampf? : In der Autoversicherung wächst wieder der Druck

Sturmschäden in Ichihara, Japan Bild: dpa

Die Rückversicherer sehen Tendenzen eines neuen Preiskampfes in der Kfz-Versicherung. Die Branche hofft auf höhere eigene Preise.

          3 Min.

          Das Rückversicherungstreffen in Baden-Baden verhält sich zum Treffen in Monte Carlo sechs Wochen zuvor wie der Maschinenraum zum Sonnendeck. Wird an der Côte d’Azur über die großen Linien philosophiert, geht es am Rande des Schwarzwalds um konkrete Vertragsinhalte. Bis zum Beginn der neuen Verträge am 1. Januar ist es nicht mehr lange hin. So wissen die Vertragszeichner (Underwriter) zu diesem Zeitpunkt genau, welche Botschaften sie in den Markt aussenden wollen.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Doch im Jahr 2019, das für Rückversicherer nach dem jüngsten Taifun in Japan noch nicht zu überblicken ist, gibt es sogar erfahrene Manager, die auch nach drei Tagen noch keine Ahnung haben, von welchen Trends die Gespräche geprägt sein werden.

          „Wir haben jetzt möglicherweise das dritte Jahr in Folge schwächere Ergebnisse“, sagt Frank Reichelt, der das Nordeuropageschäft der Swiss Re verantwortet. „Die Frage ist jetzt, ob die höheren Prämienraten nun auch in schadenfreie Märkte schwappen.“ In den vergangenen zwei Jahren gab es mehr Naturkatastrophen als früher. Dort wo Rückversicherer für hohe Schäden aufkommen mussten, konnten sie gegenüber ihren Erstversicherungskunden höhere Preise durchsetzen – doch nicht in schadenfreien Ländern wie Deutschland, wo auch in diesem Jahr Hagelstürme und Hochwasser mangels Regen glimpflich verliefen. Eigentlich kein Grund für höhere Raten – es sei denn, der Markttrend setzt sich durch.

          2020 wird es teurer

          Somit kann man in der wichtigsten deutschen Schadensparte, der Autoversicherung, schon jetzt eine Prognose für die Prämienentwicklung auch für Endkunden wagen. Die E+S Rück, in der das Deutschlandgeschäft der Hannover Rück gebündelt ist, rechnet für 2019 noch mit einem dicken Plus für die Autoversicherer. Im vergangenen Jahr hatte die Branche an jedem Euro Beitrag 3,9 Cent verdient, in diesem Jahr könnten es noch drei Cent, dann ein Cent werden, erwartet Andreas Kelb, zuständiger Manager der E+S Rück. „2019 haben sich die Effekte durch eine niedrigere Schadenfrequenz und höhere durchschnittliche Schadenkosten ausgeglichen“, sagt er. Im kommenden Jahr rechnet er mit einer weniger stark sinkenden Schadenfrequenz als zuletzt.

          Rechnerisch wäre Raum für niedrigere Prämien in der Autoversicherung. In der Teilkasko rechnet Kelb mit einer durchschnittlichen Reduktion um 1,8 Prozent. Haftpflicht und Vollkasko dürften im Preis unverändert bleiben. Erst im kommenden Jahr vermutet er einen Anstieg der Prämien um drei Prozent.

          Andere beobachten wieder erste Anzeichen eines Preiskampfs. Neue Wettbewerber wie die Insurtechs mit zum Teil großen Kostenvorteilen drängen auf den Markt. Die traditionellen Anbieter wollen keine Marktanteile verlieren. „Aus unseren Gesprächen, die wir mit unseren Kunden führen, wissen wir das“, sagt Swiss-Re-Manager Reichelt. Die Versicherer hätten gelernt, ihre Kostenstrukturen zu verbessern – zumal die digitalen Sachversicherer mit sehr viel geringeren Fixkosten arbeiten. Aber die technische Umsetzung sei schwierig. „Der Markt tut sich schwer, große technische Innovationen voranzubringen. Spieler, die schneller sind, setzen die anderen unter Druck.“

          Auch wenn man die Munich Re fragt, kann man kein eindeutiges Trendthema herausfiltern. Erkennbar ist, wie beherrschend Technik für das Rückversicherungsgeschäft geworden ist: um schneller Schäden zu begleichen, um präziser den finanziellen Aufwand eines Ereignisses abzuschätzen oder als neue Schadenklasse. „5G ermöglicht neue Fähigkeiten, Geschäftsfelder zu vernetzen“, sagt Doris Höpke, Vorstandsmitglied der Munich Re. „Investitionen in IT-Sicherheit werden also zunehmen.“ In einem stark wachsenden Markt für Cyberversicherungen will der Rückversicherer seinen globalen Marktanteil von rund neun Prozent konstant halten. In Europa erwartet sie innerhalb von zwei bis drei Jahren eine Verdopplung des Prämienvolumens. „Wir erleben eine Verlagerung der Risiken von materiellen zu immateriellen Vermögenswerten“, sagt Jan-Oliver Thofern vom Rückversicherungsmakler Aon. Darauf müssten Versicherer und Rückversicherer mit ihren Produkten reagieren.

          In den vergangenen zwei Jahren ist das Thema Waldbrände in den Vordergrund gerückt, weil immer höhere versicherte Werte in Gefahrenregionen entstanden sind. Immer häufiger bemüht sich die Munich Re, eigene Daten, Daten der Kunden und wissenschaftliche Daten zu verknüpfen, um neue Risiken versicherbar zu machen. „Geschwindigkeit ist wichtig, um Produkte zu schaffen, die Kundenbedürfnisse erfüllen“, sagt Höpke. Heute geschehe das innerhalb von zwei bis vier Monaten statt früher in einem Jahr oder mehr.

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