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Neue GfK-Umfrage : Versicherungskunden fürchten um Weitergabe ihrer Daten

  • -Aktualisiert am

Geräte wie die Apple Watch könnten in Zukunft individuelle Daten der Kunden an die Versicherung schicken. Bild: dpa

Individualisierte Versicherungstarife haben ein Problem: Viele Kunden wollen für den eigenen Lebensstil belohnt werden. Bestrafungen für mangelnde Disziplin oder auch die Weitergabe ihrer Daten akzeptiert dagegen kaum jemand.

          Die Mehrheit der Verbraucher fühlt sich „sehr unwohl“ mit dem Gedanken, private Daten mit einem Versicherer zu teilen. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Marktforschungsunternehmens GfK im Auftrag des Versichererverbands GDV. Demnach kann sich knapp die Hälfte der Befragten nicht vorstellen, dass die privaten Daten zum Vorteil des Kunden genutzt werden. Knapp ein Drittel befürchtet sogar, den Versicherungsschutz beim Missachten von Verkehrsregeln zu verlieren. Ein Fünftel befürchtet das bei schlechter Ernährung. Nur 15 Prozent der Befragten befürworten die Datenweitergabe an Versicherer.

          Jeder Vierte glaubt wiederum, dass Daten zu mehr Fairness in den Versicherungsbeiträgen führen. So gibt es Zustimmung zu individualisierten Tarifen in der Auto- und der Krankenversicherung. 35 Prozent der Befragten finden, dass vorsichtige Autofahrer Rabatte erhalten sollten, während ein Drittel möchte, dass riskante Fahrer mehr bezahlen sollten. Zudem denken knapp 40 Prozent, dass Versicherte, die sich fit halten und gesund ernähren, weniger zahlen sollten. 13 Prozent finden, dass Personen, die nichts für sich tun, mehr bezahlen müssten. „Wir haben einen Hang dazu, gutes Verhalten zu belohnen und nicht gutes zu bestrafen“, erklärt GfK-Sprecher Karsten John.

          Komplette Individualisierung von Tarifen?

          Die Bereitschaft, Daten über das Fahrverhalten mit dem Versicherer zu teilen, ist denn auch am höchsten. Dennoch würden dies nur 27 Prozent der Befragten tun. Nur 10 Prozent würden Daten aus Fitness- und Ernährungs-Apps an die Krankenversicherung weiterleiten und nur sechs Prozent an Lebensversicherer. Mehr als ein Viertel möchte allerdings nicht, dass Daten für einen selbst zu höheren Prämien führen. 43 Prozent der Befragten würden ihre Daten unter keinen Umständen weitergeben.

          In erster Linie gehe es bei einer Individualisierung der Versicherung um Rabatte für vorbildliches Verhalten – wer sich weniger gut verhalte, würde nur auf den Normaltarif zurückfallen, nicht aber weiter sanktioniert werden, versucht GDV-Vorstandsmitglied Christian-Hendrik Noelle die Bedenken auszuräumen. „Wir sehen, dass es eine große Offenheit der Kunden gibt für nutzungs- und verhaltensorientierte Tarife“, sagt Andrea van Aubel, IT- und Digitalisierungsleiterin der Axa-Versicherung. Sie glaube aber nicht, dass es eine komplette Individualisierung in naher Zukunft geben werde.

          Dennoch: „Sie werden niemals einen Datenmissbrauch ausschließen können“, sagt John. Allerdings mache die Datennutzung auch vieles einfacher und bequemer, und Versicherungsprodukte seien Vertrauensprodukte. Deshalb wollten Versicherer sicher nicht die erste Branche sein, die Daten missbraucht. Seine These sei, dass Kunden bezüglich ihrer Datenweitergabe künftig misstrauischer würden, wenn sie merkten, dass sie für dasselbe Produkt mehr bezahlen müssten als andere. Es bleibt aber die Gefahr, dass eine Individualisierung der Versicherung deren Grundprinzip aushöhlt – Kollektive übernehmen das Risiko des Einzelnen.

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