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Daniel von Borries im Gespräch : „Die Lebensversicherung wird immer unattraktiver“

Daniel von Borries, 50, ist Chefanleger und Mitglied des Vorstandes des Versicherungskonzerns Ergo. Er trägt dort für 128 Milliarden Euro die Verantwortung. Bild: Edgar Schoepal

Langweilig, berechenbar, solide: Daniel von Borries, Chefanleger der Ergo-Versicherung, über Lebensversicherungen. Niedrigzinsen könnte deren Ende sein – von Aktien will er aber trotzdem nichts wissen.

          Herr von Borries, wie lange gibt es die Lebensversicherung noch?

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Sehr lange, davon bin ich zutiefst überzeugt.

          Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat jüngst gewarnt, dass wegen der niedrigen Zinsen die Existenz vieler deutscher Lebensversicherer bedroht sei. Wie können Sie da so ruhig bleiben?

          Solche Untergangsszenarien halte ich für übertrieben. Wobei ich die Sache nicht schönreden will: Die klassische Lebensversicherung hat es schwer in diesen Zeiten. Der Garantiezins für neue Verträge ist zum Jahresanfang schließlich gerade erst auf 1,25 Prozent gesenkt worden. Auch wenn die tatsächliche Verzinsung am Ende immer höher ausfällt, muss man zugestehen: Wirklich attraktiv klingt das nicht mehr. Daraus aber nun den Zusammenbruch unserer ganzen Branche abzuleiten will mir nicht einleuchten. Es ist doch so: Lebensversicherungen sind ein äußerst träges Produkt mit enormer Widerstandsfähigkeit.

          Träge? Das hört sich nicht gerade beruhigend an.

          Lassen Sie mich das erklären: Lebensversicherungen mögen im Detail kompliziert sein, sind aber vor allem unheimlich langweilig. Und das ist auch gut so. Denn wer Geld fürs Alter anspart, ist doch daran interessiert, dass die Sache möglichst berechenbar und solide abläuft. Dafür sorgen die Lebensversicherer, indem sie die Gelder ihrer Sparer vor allem in sichere Anleihen investieren. Mit Trägheit meine ich nun: Selbst wenn neue Anleihen nur noch derart niedrige Renditen abwerfen, wie dies derzeit der Fall ist, stört uns das erst einmal nicht. Weil wir eben noch viele ältere Anleihen im Portfolio haben, deren Zinsen deutlich höher sind. Die aktuelle Niedrigzinsphase trifft uns also mit Verzögerung.

          Ewig durchhalten können Sie dies nicht.

          Glauben Sie mir: Wir können das sehr, sehr lange durchhalten. Bei Ergo haben wir uns schon vor gut zehn Jahren intensiv Gedanken zu der Frage gemacht, wie sich eine Niedrigzinsphase am besten überstehen ließe. Wir haben damals angefangen, mit Zinsabsicherungsinstrumenten zu arbeiten – das sind Derivate, mit denen man sich, vereinfacht gesagt, vor starken Zinsänderungen schützen kann. Damals haben wir angenommen, dass die Rendite von Bundesanleihen mit zehnjähriger Laufzeit für längere Zeit bei etwa zwei Prozent notieren könnte. Dass sie wie noch vor wenigen Wochen sogar einmal bei nahe null Prozent landen würde, haben wir uns beim besten Willen nicht vorstellen können. Trotzdem stehen wir wegen unserer damaligen Vorsichtsmaßnahmen heute immer noch sehr solide da.

          Die Überschussbeteiligung für Ihre Kunden lag 2014 bei lediglich 2,75 Prozent. Das ist ganz schön wenig.

          Das sehe ich anders. Dies ist ein Ergebnis, was sich in diesen Zeiten sehen lassen kann. Sie dürfen nicht vergessen, dass seit der Einführung des Euros die Zinssituation in Europa noch nie so schwierig war wie derzeit.

          Wen machen Sie dafür verantwortlich? Die Europäische Zentralbank (EZB)?

          Es gibt nicht nur eine Ursache. In der deutschen Diskussion wird ein einfaches ökonomisches Gesetz häufig übersehen: In reifen Volkswirtschaften wie der deutschen stagniert in aller Regel die Bevölkerungszahl. Bevölkerungswachstum aber ist neben technischem Fortschritt eine der wesentlichen Bedingungen, damit auch die Wirtschaft weiter stark wachsen kann. Nur das rechtfertigt deutlich höhere Zinsen. Ökonomen diskutieren diese These unter dem Stichwort „Säkulare Stagnation“. Ich denke, sie trifft auf Europa recht präzise zu. Aber natürlich ist auch die EZB mitverantwortlich für die aktuelle Lage.

          Das ist milde ausgedrückt. Macht die EZB-Politik uns Sparer nicht arm?

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