https://www.faz.net/-hbv-90rkv

Debeka : Niedrigere Beiträge für 1,2 Millionen Privatversicherte

  • -Aktualisiert am

Für 125.000 Kunden steigen die Versicherungsprämien. Bild: Picture-Alliance

Die größte deutsche private Krankenversicherung senkt 2018 für viele Kunden die Preise – und widerspricht dem Vorwurf, Beiträge der Privatversicherung stiegen schneller als die der gesetzlichen Krankenkasse.

          2 Min.

          Deutschlands größte private Krankenversicherung, die Debeka, senkt im kommenden Jahr die Versicherungsprämie für etwa jeden vierten ihrer 4,7 Millionen Kunden. Von dem Nachlass von durchschnittlich 1,5 Prozent profitierten 1,2 Millionen Voll- und Zusatzversicherte, teilte die Versicherung mit. Hinzu kämen Senkungen für ältere Versicherte, bei denen gesetzliche Zuschläge wegfielen, weil sie das 60. Lebensjahr erreicht haben oder weil sie von zugesagten Beitragssenkungen ab dem 81. Lebensjahr profitierten. Allerdings seien die Zahl der Begünstigten und das Volumen noch offen.

          Andreas Mihm
          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel-, Südosteuropa und die Türkei mit Sitz in Wien.

          An die 125.000 Kunden müssten sich allerdings nächstes Jahr auf höhere Prämien von im Schnitt drei Prozent einstellen. Im Kern gehe es dabei um Versicherungsverträge für Kinder, die mehr Leistungen in Anspruch genommen hätten. In der privaten Pflegepflichtversicherung der Debeka gebe es keine Prämienanpassung.

          Nach einem Jahr mit relativ hohen Beitragsanpassungen würden damit im kommenden Jahr für viele Versicherte die Beiträge wieder etwas sinken, sagte Uwe Laue, der Vorstandsvorsitzende der Debeka. „Entgegen vieler Vorurteile gibt es auch so etwas in der privaten Krankenversicherung“, sagte Laue, der auch Vorsitzender des Verbands der Privatversicherungen (PKV) ist.

          Die teilweise deutlichen Prämienerhöhungen um mehr als zehn Prozent zu Jahresbeginn seien nach Jahren stabiler Beiträge auch deshalb nötig gewesen, weil rechtliche Vorschriften eine schnellere Anpassung an steigende Ausgaben und veränderte Rechnungsgrundlagen nicht erlaubt hätten, sagte Laue. Die wegen des Marktumfeldes niedrige Verzinsung der hohen Rücklagen erschwert es zudem, Zinsgewinne zur Deckung steigender Ausgaben heranzuziehen.

          Signal an SPD, Grüne und Linke?

          Die Debeka ist die erste private Versicherung, die Ankündigungen zur Prämiengestaltung des kommenden Jahres macht. Andere Versicherungen wollten sich auf Anfrage nicht äußern. Am Markt wurde spekuliert, womöglich sei die frühe Ankündigung des Branchenführers, der mit 2,3 Millionen Krankenvollversicherten ein Viertel des privaten Marktes für Krankenvollversicherungen abdeckt, auch ein politisches Signal in Richtung Bundestagswahl und gegen die Bestrebungen von SPD, Grünen und Linken, die die PKV zugunsten einer „Bürgerversicherung“ auflösen wollen.

          In diesen Zusammenhang muss auch eine vor wenigen Tagen von der Debeka vorgelegte Studie des Berliner Instituts für Gesundheitsforschung (Iges) gesehen werden. Laut der Untersuchung sind die Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung in den vergangenen 20 Jahren im gleichen Maß gestiegen wie die Prämien der Debeka – nämlich um 2,6 Prozent im Jahr. Das widerlege oft aufgestellte Behauptungen, die Beiträge zur PKV stiegen stärker als die der gesetzlichen Kassen, wobei dort angeordnete Leistungseinschränkungen durch diverse Gesundheitsreformen nicht einmal in die Rechnung eingeflossen seien. In den vergangenen zehn Jahren hätten die Prämiensteigerungen der PKV-Versicherten sogar unter denen der Kassenmitglieder gelegen.

          Die Iges-Studie trete auch vielfach gemachten Behauptungen entgegen, die Beiträge der PKV seien im Alter nicht bezahlbar, erklärte der größte deutsche Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit. In Wirklichkeit sei es vielmehr so, dass die Beiträge der PKV-Versicherten im Alter nicht höher lägen als jene der 60-Jährigen. Beamte, denen die staatliche Beihilfe im Alter bis zu 70 Prozent der Kosten erstattet, kämen sogar deutlich günstiger weg.

          Weitere Themen

          Das sind die besten Dax-ETFs

          FAZ Plus Artikel: Geldanlage : Das sind die besten Dax-ETFs

          Börsengehandelte Indexfonds werden bei vielen Anlegern immer beliebter. Doch welche sind wirklich zu empfehlen und worauf muss beim Kauf geachtet werden? Wir haben uns auf dem Markt umgeschaut.

          Topmeldungen

          Olaf Scholz, Annalena Baerbock, Armin Laschet am Sonntagabend im Fernsehstudio von ProSieben und Sat.1. Nicht im Bild: Micky Maus.

          Die drei Trielle : Politik im Comic-Format

          Erfährt man in den Triellen wirklich, wer vertrauenswürdig, wer wählbar, wer kanzlertauglich ist? Nicht ansatzweise. Man erfährt nur, welches Zirkuspferd sein Wahlprogramm am besten verkauft.

          Post-Ost-Generation : Baby, für dich bin ich Russland!

          Unter jungen Russlanddeutschen brodelt es. Ihre Eltern und Großeltern wollten meistens schweigen. Die Kinder aber machen ihre Geschichte sichtbar – auch, wenn das Wunden aufreißt.
          Mike Pence im Juli in Washington

          Republikaner in Amerika : Will Mike Pence Präsident werden?

          Donald Trumps ehemaliger Vizepräsident tourt durch das Land und macht Wahlkampf für republikanische Kongresskandidaten – und wohl auch für sich selbst. Er könnte bei den Vorwahlen 2024 antreten.
          Um auch nach dem frühen Verlust eines Elternteils eine Erinnerung an Mama oder Papa zu haben, gibt es das Angebot des Hörbuchs für die Kinder.

          Todkranke Eltern : Fünfzig Kapitel Lachen

          Wenn Erwachsene unheilbar erkranken, wünscht man sich die Zeit anhalten zu können. Nun ist das beinahe möglich. Eltern können ihren Kinder etwas hinterlassen: eine Audiobiographie.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.