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Finanzberatung : Roboter übernehmen die Macht im Beratungsgeschäft

Bild: F.A.Z.

Vordergründig werden Kunden noch vom Versicherungsvertreter beraten. Doch im Hintergrund formiert sich eine „Mensch-Maschine“, eine Verbindung aus sozialen Medien und künstlicher Intelligenz, sagt Finanzprofessor Christian Rieck.

          7 Min.

          Die Band „Kraftwerk“ hat die Popmusik revolutioniert. Was kann man von ihr für die Zukunft des Finanzvertrieb lernen?

          Für mich ist Kraftwerk der Beginn der elektronischen Musik. Viele Sounds, die wir heute für selbstverständlich nehmen, erkennt man darin wieder. Sie haben es erfunden und ab da ist es normal geworden. In so einer Zeit sind wir wieder: Viele Dinge, die wir in 20 oder 30 Jahren normal finden werden, werden jetzt gerade von jemandem erfunden. Wir wissen nur noch nicht, welche es sind.

          Sie spielen in Ihrem Buch auf die „Mensch-Maschine“ an, ein einflussreiches Album von Kraftwerk. Was ist damit vorgedacht worden?

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Dieser Begriff Mensch-Maschine spielt auf Cyborgs an – also die Kombination von Mensch und Maschine. Wir werden lauter Roboter haben, die aber eine Symbiose mit uns eingehen. Und wir werden Arbeiten auf andere Weise machen. Und zwar so, dass genau diese Art von Robotern sie ergänzt. In Amerika werden Beratungsinstrumente schon Robo-Advisors genannt. Mensch-Maschine ist etwas zutreffender, denn diese Instrumente sind eine Verbindung von sozialen Medien und künstlicher Intelligenz.

          Finanzdienstleister werden spät von der digitalen Revolution getroffen. Warum?

          Die Finanzbranche war hinter einem Schutzwall verborgen – im Wesentlichen durch Regulierung. Sie ist deutlich betrugsanfälliger und wird deshalb stark reguliert. So war es sehr schwer, dort mit neuen Technologien hineinzukommen. Am Anfang haben sich die Pioniere lieber einfachere Sachen gesucht: Es ist kein Zufall, dass Amazon mit Büchern angefangen hat. Inzwischen sind unsere Instrumente der künstlichen Intelligenz so weit, dass sie auch sinnvoll auf die Finanzbranche übertragen werden können. Deshalb haben wir jetzt einen Angriff durch einen Heuschreckenschwarm. Jeder versucht die Festung einzunehmen, jeder nagt an einem kleinen Steinchen.

          Wie hart trifft das die Branche?

          Im Augenblick merkt sie es noch kaum. Aber der Angriff ist massiv: Es sind viele, sie wachsen exponentiell, und es gibt einen Paradigmenwechsel. Es gibt bestimmte Änderungen in einer Branche, auf die die Alteingesessenen nicht sinnvoll reagieren können, denn wenn sie es täten, würden sie damit ihre Gewinne verringern. Selbst wenn sie sehen, dass es gefährlich wird, können sie sehr wenig dagegen tun, weil alle Abwehrmaßnahmen erst mal ihre eigene Position verschlechtern würden. Dann ist es fast die naheliegendere Reaktion, nichts zu machen.

          Warum stellt die Verknüpfung von künstlicher Intelligenz und sozialen Medien das Geschäftsmodell in Frage?

          Wir haben im Augenblick immer das Gefühl, Finanzberatung kann es nur geben, indem ein Mensch versteht, was ein anderer möchte, und ihm dafür Ratschläge gibt. Aber es verändert sich vieles: zum Beispiel die reine Produktzahl. Wird die Auswahl wahnsinnig groß, kann es passieren, dass der einzelne Berater viel zu wenig Produkte kennt und deshalb gar nicht sinnvoll auswählen kann. Für einen Computer ist es kein Problem, Millionen Produkte zu überblicken. In dem Maße, in dem künstliche Intelligenz in der Lage ist zu verstehen, was die andere Seite will, wird es richtig gefährlich für den natürlichen Berater, weil dann die einzige Stärke, die man noch in den Raum stellt, wegfällt. Dafür sind aber andere Stärken da.

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