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Rentenversicherung : Regierung glaubt an Riester

Sparen mit Riester: Steht die Rentenversicherung vor dem Aufschwung? Bild: dpa

Das Bundesfinanzministerium plant bis 2019 mehr Fördergeld ein. Einige Versicherer zweifeln dagegen an den Riesterprodukten und nehmen sie aus dem Angebot.

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          Die Bundesregierung rechnet weiterhin mit einem starken Zuwachs in der staatlich geförderten Altersvorsorge. Bis zum Jahr 2019 erwartet sie einen Anstieg des Zulagenvolumens von derzeit 2,4 Milliarden auf dann 3,3 Milliarden Euro. Daraus lässt sich ableiten, dass sie eine wachsende Nachfrage nach Riesterprodukten unterstellt.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Das geht aus der Antwort von Michael Meister (CDU), Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, auf eine schriftliche Frage des Grünen-Abgeordneten Markus Kurth hervor. Die schwarz-rote Bundesregierung gehe „ritualhaft“ von einem Ausgabenplus aus, obwohl die Ausgaben seit 2010 um die 2,5 Milliarden Euro im Jahr pendeln, kritisiert Kurth.

          Hintergrund ist die Stagnation des Riestermarktes seit 2012. War das Wachstum der Vertragszahlen in den drei Jahren davor nur leicht schrittweise von 6,6 auf 4,8 Prozent gefallen, fiel es in jenem Jahr auf 0,7 Prozent. Seither ist die Zahl sogar leicht rückläufig.

          Das gesetzliche Rentenniveau sinkt durch den Riesterfaktor von 53,6 Prozent des Durchschnittseinkommens im Jahr 1998 auf 44,4 Prozent genau drei Jahrzehnte später. Die geförderte Altersvorsorge könne diese Lücke aber nicht schließen, sagt Kurth. „In der Konsequenz können viele Menschen ihren einmal erreichten Lebensstandard im Alter kaum aufrechterhalten“, sagt er.

          Kaum möglich, die eingezahlten Beiträge als Rente zu erhalten

          In der Versicherungsbranche ist der Glaube an Riesterprodukte ersten Anbietern abhandengekommen. Die drei Schweizer Lebensversicherer Swiss Life, Basler und Helvetia haben die geförderten Policen zum Jahresanfang aus dem Angebot herausgenommen. Zu den wichtigsten Gründen für die wachsende Zurückhaltung zählt der hohe Verwaltungsaufwand - Zulagenanträge müssen regelmäßig gestellt werden und ändern sich, wenn sich die berufliche oder familiäre Situation des Kunden verändert.

          Zudem wurde der Höchstrechnungszins für Versicherer gesenkt. Dadurch ist es deutlich schwieriger geworden, die Verpflichtung einzuhalten, bis zum Renteneintritt mindestens alle eingezahlten Beiträge wieder auszuzahlen.

          Bislang gibt es noch keine Studie, die untersucht hätte, wie groß die Rentenlücke ist, die dadurch entsteht, dass der sogenannte Riesterfaktor das Rentenniveau senkt, Förderberechtigte aber dennoch auf staatlich geförderte Produkte verzichten. Man kann sich nur annähern. Etwa 40 Prozent der Berechtigten haben einen Zulagenantrag gestellt. Ein Fünftel hat seinen Riestervertrag aber ruhend gestellt, zahlt also keine Beiträge mehr ein. Das heißt, nur etwa ein Drittel riestert - und das zum Teil nicht in dem Umfang, wie es möglich wäre, denn viele Kunden überprüfen nicht, ob sie nach Einkommensänderungen ihre Beiträge anpassen müssen.

          Dass die Verbreitung von Riester derzeit stagniert, hat aus Sicht der Ökonomin Marlene Haupt vom Munich Center for the Economics of Ageing vier Gründe: Wer bereit war abzuschließen, habe dies in den ersten Jahren getan. Negative Darstellungen in der Öffentlichkeit, die Intransparenz über die Kosten und der Niedrigzins behinderten die weitere Verbreitung. „Die hohen Kosten, die Intransparenz und die schlechte Presse führen zu Misstrauen bei den Verbrauchern“, leitet Haupt aus ihrer Forschung zu dem Thema ab. Dass die Anbieter seit einiger Zeit gezwungen sind, in Produktinformationsblättern genauere Angaben zu den Kosten zu machen, sollte diesen Eindruck beheben. Doch ob Riester noch einmal einen Imagegewinn erfährt, der dann zu Zahlen führt, wie sie die Bundesregierung erwartet, muss sich erst noch zeigen.

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