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Bitcoin als Tarnung : Der Betrug mit dem Job-Angebot

  • Aktualisiert am

Mit Bitcoin wird gern betrogen - auf jede erdenkliche Weise. Bild: Reuters

Dass nigerianische Offiziere, die per E-Mail Geld anbieten, nur selten echt sind, hat sich herum gesprochen. Doch die Betrüger im Internet sind raffinierter geworden.

          Die Masche ist eigentlich alt – besser gesagt, das Ziel. Eine E-Mail kommt an, mit der der Empfänger gebeten wird gegen fürstliches Honorar das eigene Konto für eine Transaktion zur Verfügung zu stellen. Wer gutgläubig darauf eingeht, mag ja sein Honorar erhalten, kann sich aber der Geldwäsche, des Betruges oder der Hehlerei schuldig machen. Risiko und Strafe sstehen dabei in keinem Verhältnis zum Honorar.

          Nun hat sich langsam herumgesprochen, dass schlecht Deutsch schreibende afrikanische Prinzen, Militär- oder Geheimdienstoffiziere selten sich via E-Mail an deutsche Normalbürger wenden. Daher haben die Betrüger ihre Methoden stark verfeinert, sagt Stephan Schulz, Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht und Partner der Kanzlei BKL Fischer Kühne + Partner.

          Mit Kryptowährung und Arbeitsvertrag

          Derzeit dient diesen das neueste Modethema zur Tarnung und der Traum so manches Bürgers auf einfache Art schnell reich zu werden als Angriffspunkt. Mittlerweile tarnten sich die Ansinnen als Stellenangebote, vor allem als Händler für Kryptowährungen. „Auf diese Weise geben sich die Betrüger einen modernen Anstrich und verschleiern, dass es ihnen eigentlich nur um die Kontonutzung zur Geldwäsche geht“, sagt Schulz.

          Dabei tarnten sich die Betrüger als Unternehmen im Börsenhandel. Mit den „Finanzagenten“ schlössen sie dann scheinbar echte Arbeitsverträge. Den „Angestellten“ werde vorgegaukelt, sie würden Transaktionen mit Bitcoin oder anderen Kryptowährungen vornehmen und könnten nach einer Einarbeitungszeit Trader werden. „Die Kandidaten träumen davon, schnell am Handel mit Kryptowährungen teilzunehmen und hohe Verdienstmöglichkeiten zu haben“, sagt Schulz. Die Betrüger täuschten vermehrt sogar mit einem Videoanruf eine Identitätsprüfung für den Arbeitsvertrag vor. Dabei werde heimlich per „Video-Ident-Verfahren“ ein Konto für den Bewerber eingerichtet. Über dieses Konto könnten die Täter dann auch ohne Wissen des Betroffenen Gelder schleusen.

          Gerade bei gut dotierten Vertragsangeboten sei Vorsicht geboten. Je enger die Geschäftsbeziehung zu den Betrügern sei, desto eher dürften Richter ein fahrlässiges Handeln anzweifeln, meint Schulz.

          Wenn es nur um unberechtigte Abbuchungen gehe, sei das zwar zunächst ein Schock. Doch in diesem Fall habe man gegenüber der Bank einen Anspruch auf Wiedergutschrift. Für die Banken sei dies fatal. Sie müssten die Beträge auf eigenes Risiko wieder einklagen und hätten dabei ein Kosten- und obendrein ein Insolvenzrisiko, weil die „Finanzagenten“ häufig finanzschwach seien.

          Schulz rät daher Kontoinhabern, ihre Überweisungslimits regelmäßig zu prüfen und möglichst niedrig ansetzen. Zudem sollten sie Zugangsdaten sicher verwahren und aktuelle Sicherheitshinweise stets beachten.

          Banken sollten bei auffälligen Kontoverfügungen vorsichtig sein und die persönlichen Sicherheitsmerkmale nochmal systematisch überprüfen. Gleiches gelte für untypische Kundenanfragen über elektronische oder telefonische Kommunikationsmittel. Sobald eine Kundenbeschwerde über eine unrechtmäßige Verfügung eingehe, sollten Banken umgehend klären, wohin das Geld transferiert wurde und das empfangende Institut informieren. Nur so gebe es eine Chance, den Geldtransfer noch zu stoppen. Denn die Zahlungen würden in der Regel schnell weiter transferiert. Zudem sollten Kreditinstitute eine Verdachtsanzeige und in Abstimmung mit dem geschädigten Kontoinhaber eine Strafanzeige prüfen

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