https://www.faz.net/-hbv-8a2gt

PKW-Unfall : BGH setzt Reparatur-Anspruch Grenzen

  • Aktualisiert am

Der Fahrzeughalter darf meist nur die Kosten bei einer günstigeren Fachwerkstatt ansetzen. Bild: dpa

Die Auto-Reparatur nach einem Unfall kann ziemlich teuer werden, vor allem wenn man selbst schuld ist. Doch was muss eigentlich die Vollkasko zahlen, wenn nicht repariert wird? Das klärte nun der BGH.

          1 Min.

          Der Bundesgerichtshof (BGH) hat den Ansprüchen von Autobesitzern nach einem selbst verschuldeten Unfall Grenzen gesetzt. Danach darf ein Halter von seiner Kaskoversicherung zwar die Kosten einer Reparatur verlangen, auch wenn er seinen Wagen nicht Instandsetzen lässt. Aber nur unter bestimmten Voraussetzungen dürfen für diese sogenannte fiktive Reparatur die Preise einer teuren Markenwerkstatt angesetzt werden. Ansonsten muss der Halter sich mit denen einer günstigeren Fachwerkstatt begnügen. (Az.: IV ZR 426/14)

          Den Richtern zufolge kann ein Autobesitzer die Kosten einer Markenwerkstatt in der Regel in folgenden drei Fällen verlangen: Wenn es sich um ein "neueres Fahrzeug" handelt, es bisher regelmäßig von einer Markenwerkstatt gewartet wurde (Stichwort "checkheftgepflegt") oder wenn nur eine Markenwerkstatt den PKW richtig Instandsetzen kann. Der Autofahrer muss selbst nachweisen, dass diese Gründe vorliegen.

          Die Richter entschieden über den Fall eines Mercedes-Fahrers, der mit seinem vier Jahre alten Wagen einen Unfall mit einem LKW selbst verschuldet hatte. Er wollte die Schäden nicht reparieren lassen, aber vom Versicherer VHV die fiktiven Reparaturkosten ersetzt bekommen, die laut Gutachten bei einer Mercedes-Fachwerkstatt mit 9400 Euro zu Buche geschlagen hätten. Die grundsätzliche Einstandspflicht der Versicherung stand zwar außer Frage - und doch zahlte VHV 3000 Euro weniger, als beantragt. Das Unternehmen berief sich auf ein eigenes Gutachten. Das berechnete die Kosten der Reparatur bei einer ungebundenen Fachwerkstatt. Diese hatte geringere Lohnkosten.

          Der BGH hat nun geklärt, ob das rechtens war und interpretierte dabei die Allgemeinen Versicherungsbedingungen von Kaskoversicherungen. "Einer pauschalen Zugrundelegung der Stundensätze einer Markenwerkstatt hat der BGH heute erfreulicherweise eine Absage erteilt", kommentierte der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) das Urteil. Den konkreten Fall wiesen die BGH-Richter an das Landgericht Berlin zurück. Dieses hatte der Versicherung 2014 recht gegeben. Vor dem Hintergrund des Revisionsurteils aus Karlsruhe muss es sich die Umstände des Falls noch mal genau anschauen und klären, ob der Mercedes-Fahrer die 3000 Euro doch verlangen kann.

          Weitere Themen

          Eine Börsenwoche zum Gruseln

          Dax mit hohen Verlusten : Eine Börsenwoche zum Gruseln

          Der Auftakt zur Berichtssaison ging daneben. Die SAP-Aktie verliert in dieser Woche 27 Prozent. Die Deutsche Bank dagegen ist Dax-Gewinner im Oktober. Nächste Woche kommen weitere Unternehmensberichte auf die Anleger zu.

          Kein Sparkassenkunde kommt an unseren Fonds vorbei

          Neuer Deka-Chef im Interview : Kein Sparkassenkunde kommt an unseren Fonds vorbei

          Seit Anfang 2020 ist Georg Stocker Vorstandschef der Deka. In seinem ersten Interview berichtet er über den boomenden Fondsverkauf, über Fusionen, Personalabbau und Digitalisierung. Und wie die Deka mit CO2-senkenden Investments für sich und andere klimaneutral werden will.

          Topmeldungen

          Der belgische Premierminister Alexander De Croo informiert die Bürger nach den Beratungen über verschärfte Corona-Maßnahmen am Freitagabend.

          Corona-Spitzenreiter : Belgien scheut den Lockdown

          Belgien hat die höchste Infektionsrate in Europa. Die Maßnahmen werden verschärft, aber einen Lockdown wird es vorerst nicht geben. Aus Sicht von Fachleuten ist das viel zu wenig.
          Der republikanische Senator Lindsey Graham spricht am 17. Oktober auf einer Wahlkampfkundgebung

          Senatswahl in Amerika : Die Angst der Republikaner

          Können die Demokraten Weißes Haus, Repräsentantenhaus und Senat in ihre Hand bringen? Die Republikaner fürchten den Verlust ihrer Mehrheit, weil sogar einst sichere Sitze in Gefahr sind.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.