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Teurer Schutz : Die Wechselsaison in der Autoversicherung endet bald

Vergleich lohnt sich: Versicherungen gewähren bis zum 30. November erhebliche Nachlässe. Bild: dpa

Die meisten Policen in der Autoversicherung werden dieses Jahr ein gutes Stück teurer. Auch mit der neuen Telematik-Technik lässt sich nicht viel sparen.

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          Die meisten Verträge in der Autoversicherung orientieren sich am Kalenderjahr. Sie gelten also bis zum 31. Dezember. Wer fristgerecht kündigen will, muss das bis kommenden Mittwoch tun. Dann spätestens muss die Kündigung beim Versicherer eingegangen sein. Autofahrer können also noch dieses Wochenende nutzen, um sich über den möglichen Schritt Gedanken zu machen.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Was spricht dafür? Der allgemeine Preistrend zeigt seit einigen Jahren nach oben. „Der Autofahrer zahlt in diesem Jahr mehr als im Vorjahr. Wir erwarten ein Plus von 3 Prozent“, sagt Andreas Kelb, Autoversicherungsfachmann der Hannover Rück. Seine Prognosen sind meist recht genau, weil der Konzern über die Tochtergesellschaft E+S Rück große Marktanteile im Geschäft mit deutschen Autoversicherern hält. Im vergangenen Jahr hatte er einen Anstieg um 1,2 Prozent vorhergesagt und damit den tatsächlichen Wert um etwa 0,3 Prozentpunkte nur leicht überschätzt.

          In den Wochen vor dem 30. November aber nimmt der Wettbewerb zu. Versicherer gewähren zum Teil erhebliche Nachlässe. Seit August seien die durchschnittlichen Autohaftpflichtbeiträge um ein Fünftel gefallen, hat das Vergleichsportal Check 24 ermittelt, das als Online-Makler einen großen Teil des Wechselgeschäfts auf sich vereint. Von 341 Euro sei der Durchschnittsbeitrag bis Mitte November auf 273 Euro gefallen.

          Wichtige Komponenten der Police werden übersehen

          „90 Prozent der Leute achten auf den Preis, nicht auf den Versicherungsschutz“, sagt Bastian Czaja vom Kieler Versicherungsmakler Nordias. Dabei übersähen Kunden aber oft wichtige Komponenten einer Police. Für unverzichtbar hält der Makler zum Beispiel eine erweiterte Wildschadendeckung, durch die Kaskoschäden versichert sind, auch wenn sie von Vögeln, Rindern oder Ziegen ausgelöst wurden. In diesem Punkt genauer in die Bedingungen zu schauen lohnt sich schon deshalb, weil die Zahl der Wildunfälle im vergangenen Jahr einen Rekordwert erreicht hat. 263.000 Mal stießen deutsche Autofahrer mit Rehen, Wildschweinen und anderem Wild zusammen. Noch nie mussten Versicherer so viel zahlen wie die 653 Millionen Euro im Jahr 2015, berichtete der Branchenverband GDV Anfang des Monats.

          Wer glaubt, durch den Einsatz moderner Technik seine Beiträge senken zu können, wird nicht unbedingt auf seine Kosten kommen. Ein halbes Dutzend Versicherer setzt inzwischen auf Telematik-Tarife, die gute Fahrer belohnen, wenn diese nicht so scharf bremsen, nie die Geschwindigkeit übertreten und wenige Fahrten in der Nacht machen. Die Allianz will mit ihrem im Frühjahr eingeführten Tarif bis zu 25.000 junge Fahrer gewinnen. Die bisherigen Zahlen sind vielversprechend. Ihr wichtigster Konkurrent Huk-Coburg ist seit Oktober mit einem Angebot auf dem Markt. Genauso wie die Axa beschränkt auch sie es auf junge Fahrer. „Die Technik ist oft verbunden mit höheren Kosten für den Versicherten. Sie lohnt sich also nur für den, der eine erhebliche Beitragsersparnis hat – also für junge Fahrer“, sagt E+S Rück-Manager Kelb.

          Schwächen der Telematik-Tarife

          Bei verschiedenen Telematik-Tarifen müssen die Kunden jährliche Gebühren für den Einsatz der Technik zahlen. Im Gegenzug locken Rabatte von bis zu 30 Prozent. „Erst wenn sich die Versicherer vom starkem Fokus auf Rabatte lösen und neue Services rund um Mobilität sowie Fahrzeuge einbauen, wird es für eine breitere Zielgruppe interessant“, sagt Werner Rapberger vom Beratungsunternehmen Accenture. Da der automatische Notruf in Autos nach einem Unfall (E-Call) erst im Jahr 2018 für Neuwagen Pflicht wird, ließen sich von einer solchen elektronischen Unfallmeldung auch sicherheitsbewusste Kunden überzeugen, die nicht so lange warten wollen, bis sie ein neues Auto haben. Auch Gutscheine für Tankstellennetzwerke sowie Erinnerungen an Öl- oder Reifenwechsel ließen sich mit der Technik verbinden. Laut einer repräsentativen Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung für den GDV könnte sich ein Viertel der Autofahrer vorstellen, seinem Versicherer Fahrdaten zu übermitteln. Ein weiteres Viertel glaubt, dadurch nicht viel sparen zu können, die Hälfte lehnt solche Tarife grundsätzlich ab.

          Dass ältere Fahrer durch Telematik-Tarife kaum Rabatte erhalten, erklären Branchenfachleute damit, dass deutsche Versicherer inzwischen sehr genau differenzieren. Waren früher die PS-Zahl eines Autos und die Schadenfreiheitsklasse des Halters entscheidend, wird heute genauer hingeschaut: Große Unterschiede gibt es an unterschiedlichen Wohnorten. In den Unfallhochburgen Hamburg und Köln zahlen Fahrer für eine Haftpflichtpolice 60 Euro mehr als im Bundesdurchschnitt, hat der Online-Makler Check 24 ermittelt. Auch die Sonderausstattung des Autos, Familienstand, Beruf, der Fahrzweck und die jährliche Fahrleistung haben einen Einfluss auf die Prämie.

          Am stärksten nahm im vergangenen Jahr übrigens die Zahl der Schäden durch Sturm, Hagel, Blitz und Überschwemmung zu. Sie steigerte sich um gut zwei Drittel auf fast 300.000 – dem entsprachen Leistungen von 570 Millionen Euro. Die meisten Kaskoversicherungsfälle sind allerdings Glasbruch. 2,2 Millionen Fälle im vergangenen Jahr sorgten für Leistungen von 1,1 Milliarden Euro. Auch deshalb rät Nordias-Makler Czaja dazu, bei Glasbruch-Reparaturen darauf zu achten, dass bei kleinen Rechnungen nicht automatisch der Selbstbehalt greift.

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