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Hohe Kosten, wenig Transparenz : Versicherer müssen um Riester kämpfen

Der Betriebswirtschaftsprofessor Hermann Weinmann aus Bennsheim begleitet die Versicherungsbranche wohlwollend, aber kritisch. Bild: Marcus Kaufhold

Lebensversicherungen haben in der Altersvorsorge stets eine bedeutende Rolle gespielt. Das werden sie auch weiterhin, meint Betriebswirtschaftsprofessor Hermann Weinmann. Aber sie werde sich an die Zeit anpassen.

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          Hermann Weinmann bohrt dicke Bretter. Nachdem er vor einem Jahrzehnt die Gewinnverteilung der Allianz an Kunden und Aktionäre in einem wissenschaftlichen Papier, kritisiert hatte, blieb er am Ball. Jahr für Jahr liefert er seither Bilanzanalysen über die führenden Lebensversicherer. Seine Methode verfeinerte er. Man merkt, das Überleben der Lebensversicherung liegt dem Betriebswirtschaftsprofessor der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen am Herzen.

          Philipp Krohn
          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Auch diesmal scheint er sich fürs Dicke-Bretter-Bohren entschieden zu haben. Im April verfasste er einen Vier-Punkte-Plan, wie Versicherer verhindern können, aus der privaten Altersvorsorge gedrängt zu werden. Die Gefahr besteht, weil sie durch Kosten und bescheidene Ergebnisse für die Politik zum zweifelhaften Partner geworden sind. Weinmanns Papier wurde in der Zeitschrift fürs Versicherungswesen veröffentlicht. Doch er lässt nicht locker.

          Nun hat er ein zweites und drittes Papier verfasst, mit denen er Argumente liefert, wie sich die Provisionslast der Verbraucher lindern ließe und Versicherer den Einstieg in eine aktienbasierte Vorsorge schaffen. „Scheitert die Riester-Rente, dann ist die Akzeptanz für die gesamte Lebensversicherung in der Bevölkerung gefährdet“, schreibt er. „Dann heißt es Abstriche zu machen vom tatkräftigen Einsatz des institutionellen Investors für den Klimawandel.“

          Versicherer können kollektive Geldanlage bieten

          Es geht Weinmann darum, die kollektive Kapitalanlage, für die Versicherer bekannt sind und die Ergebnisschwankungen über den Anlagezeitraum glättet, zu erhalten. Die Zinssituation habe ihr Geschäftsmodell aber an den Existenzrand gebracht. Gleichzeitig habe das gesellschaftliche Interesse an Aktien und an finanzieller Bildung zugenommen. Betrugsfälle hätten dagegen das Vertrauen schwinden lassen. Die wenigsten Deutschen wollten eine Aktiengeldanlage im Rahmen der gesetzlichen Rentenversicherung, wie sie die FDP anstrebe. „Nach der verkorksten Situation im Zinsbereich scheint Deutschland bereit für ein aktienbasierte private Altersvorsorge“, schreibt er.

          Bedauerlicherweise sei die Finanzaufsicht BaFin durch den Wirecard-Skandal lahmgelegt worden. Davor habe sie regelrecht darum gebettelt, dass die Vertriebsprovisionen der Versicherer begrenzt werden, um das Kostenproblem der Lebensversicherung in den Griff zu bekommen. Die Kosten- und Produktregulierung müsse aber noch weiter gehen.

          Die Deregulierung des Marktes ab 1994 unter dem Einfluss der inzwischen aus der EU ausgetretenen Briten habe nicht die gewünschten Ergebnisse gebracht. Sie habe „exzessive Auswirkungen angenommen und die Vergleichbarkeit der Versicherungsprodukte für den ,mündigen Bürger‘ zerstört“, schreibt er.

          Erfahrung mit fondsgebundenen Policen

          Lebensversicherer seien für eine aktienbasierte Kapitalanlage geeignet, was ihr seit einem Vierteljahrhundert wachsender Bestand in der fondsgebundenen Lebensversicherung belege. Doch sie grenzten diese Policen öffentlich nicht ausreichend von anderen Sparformen ab. Wie hoch der Anteil fondsgebundener Policen bei einem Anbieter sei, lasse sich kaum ermitteln. „Ein , Großreinemachen‘ und Regulierung sind der unumstößliche Rahmen für die Aktien-Lebensversicherung“, schreibt Weinmann.

          Politiker hätten weiterhin für das Riester-System Verantwortung. Setze der Gesetzgeber einfach neue Regeln für die geförderte Altersvorsorge neben die alten, werde der Verbraucher darin ertrinken. „Die Idee hinter der Riester-Rente war richtig, die Umsetzung im Laufe der Jahre dilettantisch“, findet der Betriebswirt. So wie in der gesetzlichen Rente verlässliche monatliche Auszahlungen stünden, sei das auch weiterhin in Form einer Verrentung von Ansprüchen möglich. Weinmann sagt, eine Riester-Reform habe eine Chance, aber nur, wenn Versicherer zu Veränderungen bereit seien.

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