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Altersvorsorge : Die unglaublich komplizierte neue Lebensversicherung

Anbieter verabschieden sich weitgehend von der klassischen Lebensversicherung mit garantierter jährlicher Verzinsung. Bild: dpa

Zinsgarantien werden immer teurer. Die Branche flüchtet sich in Produkte wie „Drei-Topf-Hybride“. Die Bundesregierung will mehr Transparenz bei Riester und Rürup ermöglichen.

          Das Jahr 2015 markiert für die Lebensversicherung eine Wegscheide: Weil die niedrigen Zinsen zur Dauerlast werden und zum 1. Januar das neue Aufsichtsrecht Solvency II gelten wird, sahen sich etliche Anbieter gezwungen, neue Wege zu gehen. Zudem erwägt die Bundesregierung, den Höchstrechnungszins abzuschaffen, der bislang eine Obergrenze für Garantien an die Kunden festgesetzt hat.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Schon in diesem Jahr hat sich ein halbes Dutzend wichtiger Anbieter weitgehend von der klassischen Lebensversicherung mit garantierter jährlicher Verzinsung verabschiedet. Was heißt das für die Kunden? Schon seit einigen Jahren haben deutsche Lebensversicherer andere Konzepte erprobt. Die Vielfalt der Varianten nimmt Jahr für Jahr zu – Innovationen führen dazu, dass der Markt für den Verbraucher unübersichtlicher wird. „Einen einfachen Produktvergleich über die Ablaufleistungen kann es mit diesen Produkten nicht mehr geben“, sagt Peter Schneider, Geschäftsführer des Analysehauses Morgen & Morgen.

          Konzepte dürfen Kunden verwirren

          Bei der klassischen Lebensversicherung, die ihre Garantien über einen kollektiven Deckungsstock generiert, ergab es noch Sinn, die Erfolge der Anbieter aus der Vergangenheit miteinander zu vergleichen. Denn die erzielte Rendite gab durch den langfristigen Anlagehorizont Aufschluss über die wahrscheinliche Entwicklung in den kommenden Jahren.

          Bei fondsgebundenen Produkten mit Garantie sieht das anders aus. Für die Kunden wird es schwieriger, leistungsstarke von schwächeren Versicherern zu unterscheiden. Auch die Garantiekonzepte selbst stellen sie vor Herausforderungen: statische Zwei-Topf-Hybride und dynamische Drei-Topf-Hybride wettstreiten mit endfälligen Garantiekonzepten auf Basis von Finanzderivaten und mit Absicherungen durch Rückversicherungsverträge.

          Dass diese verschiedenen Konzepte Kunden und auch Vermittler verwirren dürften, gestehen Experten unumwunden zu. „Wir haben als Branche zu sehr darauf fokussiert, wie die Produkte gebaut sind“, sagt Jochen Ruß, der mit dem Institut für Finanz- und Aktuarwissenschaften (ifa) in Ulm Versicherer zu solchen Themen berät. „Wir müssen hinkommen zu der Frage, wie die Produkte für den Kunden wirken.“ Auch Autohersteller belasteten Verbraucher nicht mit Details darüber, wie der Motor funktioniere. Drei Kriterien seien entscheidend: wie schnell könne der Wagen fahren, wo säßen die Airbags und wie viel Sprit verbrauche das Fahrzeug? Analog ließe sich eine Lebensversicherung beschreiben: Die Geschwindigkeit entspreche der Rendite, der Airbag dem Grad an Sicherheit und der Spritverbrauch der Kostenquote.

          Die Bundesregierung will künftig zumindest für geförderte Vorsorgeprodukte wie Riester und Rürup eine transparentere Übersicht ermöglichen, welches Chancen-Risiko-Profil sie besitzen. Eine neue Produktinformationsstelle erarbeitet Vorschläge. Auch die Fachleute von Morgen & Morgen haben sich schon an solchen Übersichten versucht.

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