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„Rentenkompass“ der Allianz : Ein neuer Lotse im Renten-Dschungel

Wohin die Reise geht: Der „Rentenkompass“ soll eine Übersicht geben, wie viel Geld im Alter zur Verfügung steht. Bild: Corbis Premium RF/F1online

Die Forderung der Politik nach säulenübergreifender Renteninformation zeigt Wirkung. Die Allianz startet einen „Rentenkompass“. Dieser ist allerdings nicht unabhängig von der Beratung des Versicherers.

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          Viele Deutsche sind mit Blick auf die eigene Altersvorsorge pessimistisch oder gar fatalistisch: „Ich kriege gar keine Rente“, war laut Alf Neumann, dem Vorstand der Lebensversicherungssparte der Allianz, keine seltene Antwort in den Befragungen, die der Versicherer im Zuge sogenannter „Testessen“ durchführte. Das müsse so nicht sein. Die Frage „wie viel Geld habe ich tatsächlich im Alter?“, sie sollte Neumann zufolge jeden Deutschen beschäftigen. Zugleich gibt er angesichts der Vielfalt der Vorsorgearten zu: „Es ist gar nicht so klar, was der Einzelne genau hat.“

          Neue Orientierung im deutschen Rentendickicht soll der sogenannte „Rentenkompass“ bieten, den die Allianz nach absolvierter Testphase nun auf einer eigens eingerichteten Website anbietet. Dort erscheint ein Video, auf dem der Versicherer verspricht: „Mit unserem digitalen Rentenkompass bringen Sie in wenigen Schritten Klarheit in Ihre Zukunft.“ Wie Neumann während der Vorstellung am Donnerstag sagte, seien Einfachheit und Verständlichkeit die zentralen Kriterien des Produkts. „Die Kunden hatten viel einfachere Fragen, als wir sie erwartet haben“, berichtet Neumann von den Erfahrungen der „Testessen“.

          Staat mit eigener Plattform

          Es ist aber nicht nur der gute Wille von Versicherern, der neue Anwendungen für eine möglichst einfache Darstellung der künftigen Gesamtrente vorantreibt. „Wir werden eine säulenübergreifende Renteninformation einführen, mit der Bürgerinnen und Bürger über ihre individuelle Absicherung im Alter Informationen aus allen drei Säulen erhalten und möglichen Handlungsbedarf erkennen können.“ Dieser Satz steht in keiner Unternehmensmitteilung, sondern im Koalitionsvertrag der Bundesregierung. Im dritten Quartal des laufenden Jahres wird ein entsprechender Gesetzesentwurf erwartet, mit der Steueridentifikationsnummer als eindeutiges Identifikationsmerkmal für künftige Rentenansprüche. Auch die Allianz rechnet damit, dass in den kommenden ein, zwei Jahren ein entsprechendes staatliches Portal startet. „Wir gehen stärker in die Beratung rein“, sagt Neumann und glaubt, dass der „Rentenkompass“ der Allianz auch nach der Lancierung des staatlichen Angebots gefragt sein wird.

          Das Stichwort der Beratung ist jedoch auch ein wichtiger Hinweis darauf, dass das neue Produkt alles andere als neutral ist. „Wir zeigen zunächst einmal unsere Produkte an“, macht Neumann daraus keinen Hehl. Den Berater brauche es auch, damit der Kunde überhaupt einen Überblick über die Möglichkeiten erhalte, die es für die Altersvorsorge gebe.

          Im Vergleich mit der Allianz einen fundamental anderen Ansatz verfolgt die Initiative Deutsche Renten Information, die ebenfalls demnächst eine Anwendung namens „Rentencockpit“ an den Mann und an die Frau bringen will. „Bei uns gibt es keine Vermittlung und keine Werbung“, sagt Andreas Hackethal, Initiator des „Rentencockpits“ und Frankfurter Finanzprofessor. Unabhängigkeit und Neutralität seien die obersten Maxime dieser Plattform, die sowohl mit staatlichen Stellen wie auch mit Unternehmen wie der Deutschen Bank, der Commerzbank und der Zurich Versicherung zusammenarbeitet. Auch sie seien daran interessiert, dass die Renten in Deutschland transparent werden, schildert Hackethal die Motivation der Unternehmen, sich auch ohne Produktwerbung zu beteiligen. Auch von Präferenzen für eine Vorsorgeform wie Lebensversicherung, Riester-Rente oder Aktien will der Initiator nichts wissen.

          Noch ist das „Rentencockpit“ der Deutschen Renten Information aber nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Der Initiator rechnet damit, dass im Oktober eine Testphase mit einer Pioniergruppe startet, bevor die Anwendung im kommenden Jahr für alle Vorsorgeinteressierten angeboten werden soll. „Es wird eine Lernreise sein“, sagt Hackethal voraus. Erfahrungen müssten erst gesammelt werden. Diese Phase hat der „Rentenkompass“ schon weitgehend hinter sich. Doch auch der Versicherer gibt zu, dass die durchschnittliche Bewertung mit 3,9 von fünf Sternen sich noch nicht auf dem Niveau befindet, das sich die Allianz selbst vorgenommen hat.

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