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Lebensversicherungen : Die Allianz lässt die Konkurrenz blass aussehen

Der Lebensversicherer Allianz ist in guter Form. Bild: dpa

Während die Allianz Extrazahlungen an ihre Versicherten ausschüttet, müssen ihre Wettbewerber kleinere Brötchen backen. Vor allem ein Lebensversicherer fällt zurück.

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          Das Vertrauen der Verbraucher in die Lebensversicherung steht auf der Probe. Wie sollen sie langfristig an ein Finanzprodukt glauben, von dem sich viele Anbieter lossagen, indem sie das Neugeschäft einstellen oder vermeintlich leistungsstärkere Policen auf den Markt bringen? In einer solchen Lage kann die Branche dankbar für Transparenz sein, die durch Marktuntersuchungen hergestellt wird. Unter ihnen sticht die jährliche Bilanzanalyse des Betriebswirtschaftsprofessors Hermann Weinmann heraus, der an der Hochschule Ludwigshafen am Rhein lehrt.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          „Der Gesetzgeber will über derzeit Unvergleichbares und Unverständliches aufklären und betreibt damit in hohem Maße die Verkümmerung der eigenverantwortlichen Al.tersvorsorge“, kritisiert Weinmann die Altersvorsorgepolitik in seinen einführenden Betrachtungen. Selbst noch so viele Produktinformationsblätter, Zertifizierungen und Vergleiche schüfen keine vernünftige Entscheidungsgrundlage für rationale Verbraucher. Weinmann plädiert stattdessen für klare Vorgaben der Politik über den Kalkulationsrahmen und Höchstgebühren. „Die überladene Produktlandschaft bietet den organisierten Verbraucherschützern zu viele Angriffspunkte“, schreibt Weinmann.

          Debeka wird Opfer der eigenen Großzügigkeit

          Mit seiner eigenen aufwendigen Bilanzanalyse der zwölf beitragsstärksten deutschen Lebensversicherer trägt er immerhin dazu bei, mehr Klarheit für solche Kunden zu schaffen, die schon eine Lebensversicherung zur Altersvorsorge abgeschlossen haben. Über den Vergleich sieben aussagekräftiger Kennziffern kommt er zu einer Leistungsschau von Allianz, R+V, Debeka und Co. und bereitet so für Verbraucher nützliches Wissen über die aktuelle Leistungsfähigkeit seines Versicherers auf.

          Die Zeiten in der Lebensversicherung sind, wie oben erwähnt, so bewegt, dass herbe Leistungseinbußen in dieser Analyse möglich sind. So fällt die Debeka, die im vergangenen Sommer das Neugeschäft mit der klassischen Lebensversicherung eingestellt hat, um viele Plätze zurück. Vor vielen Jahren hatte sie nachträglich alle Verträge auf das damalige Garantiezinsniveau von 4 Prozent angehoben. Deshalb musste sie erstmals mehr als eine Milliarde Euro zurückstellen, um Altverträge gegen das niedrige Zinsniveau abzusichern (Zinszusatzreserve).

          Diese Verpflichtung hat den Rohüberschuss, also die Verteilungsmasse nach Bedienung aller Garantien, ins Negative rutschen lassen. So hat Weinmann zum ersten Mal einen negativen Rohüberschuss beobachtet, seit er die Untersuchung 2011 gestartet hat. Hinzu kommt für die Debeka eine Eigenmittelausstattung, die unter den Anforderungen des Aufsichtsrechts Solvency II (ohne zulässige Übergangsmaßnahmen) liegt. Die Solvabilitätsquote hat Weinmann erstmals einbezogen, weil sie seit diesem Jahr veröffentlicht werden muss und Aufschluss über die künftige Stabilität gibt.

          Die schwachen betriebswirtschaftlichen Zahlen und die niedrigen Solvenzquoten haben die Debeka trotz ihrer traditionell niedrigen Kostenquoten, hoher Ausschüttungsquoten an die Kunden und weiter bestehender Bewertungsreserven zurückfallen lassen. Alle freien Mittel dienen dazu, die vielen 4-Prozent-Verträge zu bedienen. Beim betriebswirtschaftlichen Ergebnis rutscht die Debeka ins Mittelfeld, Abschläge aus dem Verbraucherurteil führen dazu, dass sie im Gesamtergebnis auf den letzten Platz zurückfällt.

          Dagegen liegt die Allianz in der Analyse für das Geschäftsjahr 2016 unangefochten an der Spitze. Sie hat den höchsten Rohüberschuss, gemessen am Beitragsvolumen. Ähnlich stark sind die Alte Leipziger und die Axa, die allerdings bei anderen Kriterien zurückfallen. Bei der Ertragskraft, also der Fähigkeit, ein hohes Zinsergebnis zu erzielen, muss sich die Allianz nur der Zurich geschlagen geben. Bei den Kostenquoten ist der Marktführer in Sichtweite zur besonders günstigen Debeka, Bayern-Versicherung und R+V. Setzt man die Bewertungsreserven ins Verhältnis zum Buchwert der Kapitalanlagen, weist die Allianz vor Ergo und Zurich den höchsten Wert auf – auch dies ein Zeichen dafür, dass sie für die Zukunft gerüstet ist. Und selbst eine Schwäche, die Professor Weinmann der Allianz lange süffisant vorgeführt hat, trat im vergangenen Jahr nicht auf.

          Ließ sie das Versichertenkollektiv noch im Vorjahr nur zu 74,4 Prozent am Rohüberschuss partizipieren, stieg diese Quote in diesem Jahr auf 84,4 Prozent. Provinzial Nordwest, Zurich, Axa und Bayern-Versicherung schütten weniger an ihre Versicherten aus. Dennoch muss die Allianz eine kleine Zurückstufung im Verbraucherurteil hinnehmen, weil es auch etliche Versicherer mit höheren Ausschüttungsquoten gibt.

          Mit einigem Abstand hat sich die R+V hinter der Allianz an zweiter Stelle etabliert. Sie hat sich in den betriebswirtschaftlichen Kennziffern wie Ertragskraft, Bewertungsreserven, Kosten und Überschussreserven als zweitbester der zwölf Lebensversicherer erwiesen. Und auch die beiden Verbraucherkennziffern (Partizipation und Solvenz) fallen tadellos aus, so dass es keine Abschläge gibt.

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