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Neue Pflegereform : „Satt und sauber“ reicht nicht mehr

Gestärkter Grundsatz: „Rehabilitation vor Pflege“ Bild: Wolfgang Eilmes

Die Pflegeversicherung wird umgebaut. Das bringt Änderungen für fast drei Millionen Menschen mit sich. Das ändert sich konkret.

          Die Pflegeversicherung steht vor dem größten Umbau seit ihrer Einführung vor 21 Jahren. Im Kern geht es darum, neu festzulegen, was „Pflegebedürftigkeit“ bedeutet und wer nach der neuen Definition pflegebedürftig ist. Die neue Definition ist weiter gefasst als die alte. Standen bisher Hilfen für Waschen, Essen und Toilettengang im Mittelpunkt, so wird künftig auch danach gefragt, wie selbständig Betroffene ihren Alltag noch bewältigen können und ob sie jenseits von „satt und sauber“ Hilfe benötigen.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Für die bessere Einteilung braucht man ein feineres Raster. Deshalb werden aus drei Pflegestufen künftig fünf Pflegegrade. Heute bekommen mehr als 2,8 Millionen Menschen Leistungen von der Pflegeversicherung. Ihnen ist zugesagt, dass sie sich durch die Umstellung nicht verschlechtern werden. Durch die Umstellung werden an die 500.000 Menschen mehr Leistungen beziehen. Dafür müssen Hilfen und Personal mobilisiert werden. Die Reform kostet mehrere Milliarden Euro im Jahr. Um den Kraftakt zu bezahlen, werden die Reserven der Versicherung genutzt und der Beitragssatz ab Januar um 0,2 Prozentpunkte angehoben.

          Wen geht das an? Anfang September bezogen in Deutschland 2.843.184 Menschen Leistungen der sozialen Pflegeversicherung. Entweder waren sie in der gesetzlichen (2,66 Millionen) oder in der privaten (187.000) Pflegeversicherung abgesichert. Etwas mehr als zwei Millionen von ihnen bekommen Unterstützung für die Pflege zu Hause, weitere 800.000 wurden in Pflegeheimen versorgt. Die Zahl der Hilfeempfänger wächst seit Jahren, seit September dürften wieder ein paar tausend hinzugekommen sein. Jeder von ihnen hat eine Pflegestufe von „null“ bis „drei“. Und jeder von ihnen ist in den vergangenen Wochen von seiner Pflegekasse angeschrieben worden und über die Umstellung informiert worden.

          Was wird für die Pflege entscheidend?

          Zukünftig gehe nicht mehr darum, bei dem pflegebedürftigen Menschen einen Zeitaufwand für alltägliche Verrichtungen, wie etwa den Toilettengang, zu ermitteln, schreibt das für die Reform zuständige Gesundheitsministerium. Vielmehr komme es darauf an festzustellen, wie selbständig der Mensch seinen Alltag bewältigen könne. Niemand muss mehr ein „Pflegetagebuch“ führen, um die Minuten für das Waschen, Füttern und den Toilettengang zu protokollieren. Entscheidend für die Höhe der Hilfe ist künftig nicht mehr der Zeitbedarf der Pflege, sondern der Grad an Selbständigkeit des Patienten.

          Um den zu ermitteln, werden sechs Lebensbereiche einzeln betrachtet und bewertet. Die Einstufung übernehmen eigens geschulte Fachleute des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) oder bei privat Pflegeversicherten das Unternehmen Medicproof.

          Jeder der sechs Lebensbereiche (Module) geht mit einem festgelegten Prozentsatz in die Gesamtbewertung ein. Der Selbstversorgung (Dinge wie Körperpflege, Ernährung, also das, was man bisher landläufig mit Pflegeversicherung verbunden hat) kommt die größte Bedeutung zu. Sie geht mit 40 Prozent in die Bewertung ein. Auch die Frage, wie mobil der Patient ist, war bisher schon von Belang. Sie fließt mit einem Anteil von 10 Prozent in die Bewertung ein.

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