https://www.faz.net/-hsz-7ky80

Das Risiko eines langen Lebens : Was Verbraucher bei der Auszahlung ihrer privaten Rente beachten müssen

Bild: dpa

Wer im Alter seine private Rente plant, steht vor einer Frage, die wohl niemand beantworten kann: Wie lange werde ich leben? Wie Sie Ihre Altersvorsorge an das sogenannte Langlebigkeitsrisiko anpassen.

          2 Min.

          Peter Przybilla steht vor einer anspruchsvollen Aufgabe. Seit 27 Jahren berät der Münchener Versicherungsmakler seine Kunden über Altersvorsorge. Jetzt kommen sie in ein Alter, in dem sie sich Gedanken über ihre Kapitalabfindung machen. Nur 8 bis 10 Prozent des von der Branche ausgezahlten Geldes bleiben ihr erhalten - in Rentenversicherungen. Den Rest geben die Kunden an ihre Bank oder einen Vermögensberater. Kurz: Die Lösungen der Versicherer, mit dem sich die Langlebigkeit absichern lässt, überzeugen die Kunden wohl nicht. „Ich verkaufe kaum sofort beginnende klassische Rentenversicherungen, weil ich ein schlechtes Gewissen dabei hätte“, sagt Przybilla.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Seine Kunden müssten zu alt werden, um von solchen Policen zu profitieren. 31 bis 33 Jahre dauere es durchschnittlich, bis ein Kunde in einem Entnahmeplan mit kontinuierlichen Auszahlungen bei vergleichbarer Verzinsung sein Kapital aufbraucht, sagt Frank Golfes aus Greven im Münsterland. Er ist einer von nur rund 250 Versicherungsberatern in Deutschland, die keine Provision nehmen dürfen und ihre Kunden gegen Honorar zu Finanzthemen beraten. Wer mit 67 Jahren in Rente gehe, müsse bis 98 warten, damit sich die Entscheidung für eine sofort beginnende Rentenpolice lohnt. Mit anderen Worten: „Der Versicherer übernimmt das Langlebigkeitsrisiko des Kunden nur in homöopathischen Dosen“, sagt Golfes.

          Makler Przybilla ist zwar skeptisch gegenüber der Versicherung mit klassischer Überschussbeteiligung. Gleichwohl sagt er: „Ich rate dazu, die Langlebigkeit abzusichern. Wie man es auch macht, landet man bei einem Versicherer.“ Selbst wer einen Riester-Investmentfonds abschließt, erhält seine Leistungen irgendwann in der Rentenphase von einem Versicherer. Przybilla berät seine Kunden in mehreren Schritten. Ein erster Anhaltspunkt sind die Erfahrungen in der Familie: Wurden schon Eltern und Großeltern sehr alt, kommt dem Langlebigkeits-„Risiko“ eine größere Bedeutung zu. Entscheidend ist die finanzielle Versorgung: Hat der Kunde hohe Ansprüche aus gesetzlicher Rente und einer Betriebspension, kann er sich riskantere Entsparpläne leisten.

          Przybilla bespricht sieben verschiedene Varianten, davon die ersten drei ohne Absicherung der Langlebigkeit: 1. den Auszahlsparplan bei einer Bank: Der Kunde zahlt einen Einmalbeitrag ein und vereinbart eine monatliche Rentenzahlung. Die Bank legt das Geld verzinst an. Irgendwann ist das Kapital aufgezehrt. 2. ein konservatives Fondsdepot: Anders als beim Auszahlplan der Bank ist die Performance ungewiss. 3. das Sparbuch: Dabei hat der Kunde Sicherheit, aber eine geringe Verzinsung. Und schließlich vier Versicherungen: 4. die sofort beginnende Rente: Sie empfiehlt er aus den obengenannten Gründen selten. 5. ein Investmentprodukt mit garantierter Rente, wie sie Versicherer zunehmend anbieten: Das ist der derzeitige Favorit des Maklers, weil das Produkt etwas chancenreicher als die sofort beginnende Rente ist und sich somit schon früher lohnen könnte. 6. eine aufgeschobene Rente: Diese Variante gibt es in sicherheits- oder chancenorientierterer Form. Kunden können sie beispielsweise fünf Jahre vor Rentenbeginn abschließen. Viele Versicherer sagen zu, dass der Kunde bei Renteneintritt den Anbieter wechseln kann, wenn der ein besseres Angebot hat. 7. eine Pflegerente: Damit sichert der Kunde den Pflegefall ab. Schließe man sie gegen Einmalbeitrag ab, könne man viel Geld gegenüber monatlichen Einzahlungen sparen. Sie tauge als flexibles Vorsorgeprodukt, weil sie vor Eintritt des Pflegefalls ohne Abschläge wieder liquidiert werden könne. Langlebigkeit sichert sie nicht ab.

          Wichtig für die Entscheidung ist auch die steuerliche Behandlung: Bei einer Rentenversicherung wird nur der Ertragsanteil besteuert. Erzielt der Fondssparer dagegen auf einen Kapitalstock von 100.000 Euro eine Rendite von 4 Prozent, zahlt er darauf 25 Prozent Abgeltungsteuer (plus Soli und Kirchensteuer). Mehr als 1000 Euro Steuerlast steht bei einer Rentenpolice ein niedriger dreistelliger Eurobetrag gegenüber, rechnet Versicherungsberater Golfes vor. Wenn Kunden noch Rentenversicherungen mit einer Garantie von 3,5 oder 4 Prozent hätten, könne es attraktiv sein, die Verrentung statt der Kapitalauszahlung zu wählen. „Der Verbraucher sollte sich aber von den Einredungen der Branche nicht ins Bockshorn jagen lassen und die Alternativen sauber durchrechnen.“

          Weitere Themen

          Wechsel in der Königsklasse

          Schweizer Leitindex SMI : Wechsel in der Königsklasse

          Im Aktienindex macht der Personaldienstleister Adecco Platz für das Private-Equity-Unternehmen Partners Group. Insgesamt steht der der wichtige Index wieder ganz gut da. Besonders die Kurse zweier Aktien haben zugelegt.

          Topmeldungen

          Kamala Harris : So flexibel wie sie war Biden nie

          Kamala Harris ist politisch erfahren, aber noch nicht zu alt. Und sie steht, anders als Trump es suggeriert, gar nicht sehr weit links. Alles gut also mit Bidens Vize? Abwarten. Denn sie ist eine sehr wendige Politikerin.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.