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Achtung, Einbruch : Viele sind nicht richtig versichert

Tendenz steigend: Die Zahl der Einbrüche in Deutschland hat ein Rekordniveau erreicht. Bild: dpa

Die Zahl der Einbrüche steigt. Verbraucherschützer warnen: Viele kümmerten sich zu wenig um ihre Hausratversicherung.

          3 Min.

          Die bundesweite Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) für das vergangene Jahr wird zwar erst im Mai in Berlin vorgestellt. Es ist aber schon nach außen gedrungen, dass die Zahl der Einbrüche in Deutschland noch mal deutlich zugelegt hat. Sie ist um 9,9 Prozent auf 167.136 Fälle gestiegen, einen Rekordwert seit vielen Jahren.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Kein Wunder, dass mehr Leute als sonst sich derzeit fragen, ob einerseits ihr Haus oder ihre Wohnung ausreichend geschützt ist – und ob sie andererseits für den Fall der Fälle ausreichend versichert sind. Viele sorgen sich offenbar nicht ganz zu Unrecht: Verbraucherschützer wie Elke Weidenbach von der Verbraucherzentrale NRW jedenfalls warnen: „Wir stellen immer wieder fest, dass bestehende Hausratversicherungen zu lange in den Akten schlummern – und der Versicherungsschutz nicht dem Hausrat angepasst ist.“

          Je nach Region und Stadt in Deutschland ist das Einbruchsrisiko offenbar sehr unterschiedlich. Das Internetvergleichsportal Check24 hat jetzt regionale Daten zu Einbrüchen und Versicherungsschutz verglichen. Und kommt dabei zu einigen bemerkenswerten Ergebnissen. Demnach gibt es bei beidem in Deutschland offenbar vor allem ein Stadt-Land-Gefälle.

          In den drei Stadtstaaten Hamburg, Bremen und Berlin sicherten sich die Verbraucher relativ zur Einwohnerzahl am häufigsten mit einer Hausratversicherung ab – zugleich seien das die Bundesländer mit den meisten Wohnungseinbrüchen. Bremen liegt dabei mit 541 Einbrüchen je 100.000 Einwohner im Jahr an der Spitze. Nach den Stadtstaaten folgen mit einigem Abstand Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein. Auch das Saarland kommt im Verhältnis zu seinen Einwohnern auf vergleichsweise viele Einbrüche – hier ist die Zahl der Hausratversicherungen aber eher unterdurchschnittlich.

          In Dresden und Nürnberg ist es am günstigsten

          Wo viel eingebrochen wird, sind tendenziell auch die Versicherungen schon relativ teuer. Bremer, Hamburger und Berliner zahlten sowohl absolut als auch auf den Quadratmeter Wohnfläche gerechnet die höchsten Beiträge für die Hausratversicherung, heißt es in dem Vergleich. Dort kostet die Hausratversicherung im Jahr im Durchschnitt mehr als 1 Euro je Quadratmeter Wohnfläche. Danach folgen Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein. Relativ am günstigsten kämen hingegen die Thüringer weg, gefolgt von den Bayern und Sachsen.

          Bild: F.A.Z.

          Im Vergleich der wichtigsten Großstädte ist demnach Köln am teuersten bei der Hausratversicherung. Im Durchschnitt zahlten die Leute dort 88 Euro Beitrag im Jahr, das waren immerhin 1,29 Euro je Quadratmeter Wohnfläche. Dabei liegt Köln im Ranking der Städte mit den meisten Einbrüchen je 100.000 Einwohner auf Platz 2 hinter Bremen. Nach Köln folgen dann Dortmund und Essen, erst auf Platz sieben kommt Berlin.

          Am wenigsten zahlten die Menschen in ost- und süddeutschen Großstädten für ihre Hausratversicherung, beispielsweise in Dresden und Nürnberg. Dort waren auch die Zahlen der Einbrüche im Vergleich zu anderen Großstädten noch relativ niedrig. „Die Ergebnisse decken sich mit unseren Erfahrungen und unseren Verträgen“, bestätigte Carlos Reiss, Geschäftsführer von Hoesch und Partner in Frankfurt, einem der großen Versicherungsmakler für Privatkunden in Deutschland.

          Immer mal wieder Versicherungssumme überprüfen

          Was kann man nun Menschen raten, die Angst vor Einbrüchen haben – außer vielleicht, sich nicht allzu viel Sorgen zu machen? „Zum einen sollten die Leute sich um den Schutz der Wohnung kümmern, zum Beispiel um bessere Schlösser“, meint Verbraucherschützerin Weidenbach. „Zum anderen sollten die Verbraucher sich um den Hausratversicherungsvertrag kümmern.“ Wichtig ist beispielsweise, die Höhe der Versicherungssumme aktuell mal wieder zu überprüfen und zu vergleichen, ob der vor langer Zeit vereinbarte Versicherungsschutz überhaupt noch zu den vorhandenen Wertsachen wie Schmuck, Briefmarken und Münzen passe – und ob man auch an das Bargeld gedacht hat, das in Zeiten der Niedrigzinsen vielleicht in größeren Mengen als früher in der Wohnung aufbewahrt wird.

          Zu den kniffeligeren juristischen Fragen, die man laut Verbraucherzentrale einmal grundsätzlich klären sollte, gehört: Hat der Versicherer den Verzicht auf die sogenannte „Einrede der Unterversicherung“ für den Fall eines Einbruchs erklärt? Und: Verzichtet er auf die Einrede der „groben Fahrlässigkeit“? Beides könne einem nach einem Einbruch bei den Verhandlungen helfen. „Gleichgültig, welcher Schaden passiert, sollte man in regelmäßigen Abständen den Inhalt der Wohnung und der Schränke fotografieren“, rät Weidenbach. „Die Bilder sollten möglichst außerhalb der Wohnung sicher verwahrt werden.“

          Konflikte mit Versicherern lassen sich vermeiden

          Schließlich muss man nach einem Einbruch für die Polizei eine Liste der gestohlenen Gegenstände anfertigen, die auch der Hausratversicherer erhält. Mit den Fotos könnten die Opfer von Einbrüchen solche Listen verlässlicher und mit mehr Beweiskraft anfertigen. „Die Leute sollten sich also mal um einen solchen Vertrag kümmern – und um die Gegenstände, die in der Wohnung sind.“

          Auch wenn es nach Einbrüchen immer wieder zu erheblichen Auseinandersetzungen zwischen Versicherten und Versicherern kommt, sieht man in der Verbraucherzentrale darin kein Argument für grundsätzliche Zweifel an dem Sinn einer solchen Versicherungspolice. „Ist der Versicherungsschutz richtig abgeschlossen und kann man dem Versicherer beispielsweise durch Fotos darlegen, was vorhanden war und durch den Einbruch abhandengekommen ist, ersetzt der Versicherer“, behauptet Weidenbach. Wenn der Versicherte die beschriebenen Schritte beachte, würden die Schwierigkeiten mit dem Versicherer geringer. Oft gehe es dabei um viel Geld, Schäden könnten nicht einfach aus der Portokasse beglichen werden. „Von daher ist so ein Vertrag für viele Verbraucher wichtig“, meint die Verbraucherzentrale.

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