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Vermögensverwaltung : Ewige Liebe

Ein zu großes Herz für eine Anlageform tut dem Portfolio nicht gut. Bild: dpa

Wer zu sehr einer Anlageform verfallen ist, zum Beispiel dem Gold, der hat auf Dauer das nachsehen. Das Portfolio sollte immer breit gestreut und der Marktlage angepasst sein.

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          Der selige Bundespräsident Gustav Heinemann wurde vor Jahrzehnten einmal gefragt, ob er Deutschland liebe. Er antwortete: „Ich liebe meine Frau.“ Seine Frau zu lieben ist keine schlechte Sache, aber nicht wenige Anleger und sogar Fondsmanager oder Vermögensverwalter befinden sich immer wieder in Gefahr, zudem auch Anlageformen zu verfallen - nicht selten mit nachteiligen Folgen auch für den langfristigen Aufbau von Vermögen. Für eine langfristige Vermögensentwicklung ist es natürlich sinnvoll, wenn sich der Verwalter und sein Kunde auf eine grundsätzliche Aufteilung der Mittel auf verschiedene Anlageklassen entscheiden. Aber ein Vermögensverwalter muss die Möglichkeit besitzen, je nach Marktlage das Portfolio seiner Kunden anzupassen. Nach einer langen Hausse ist noch kein Anleger durch Gewinnmitnahmen arm geworden. Umgekehrt hat es keinen Sinn, nur aus reiner Prinzipientreue ein totes Pferd durch eine lange Baisse reiten zu wollen.

          Der amerikanische Vermögensverwalter Mebane Faber hat unter diesem Gesichtspunkt die Anlage in Gold in den vergangenen Jahrzehnten untersucht. Gold ist die emotionalste aller Anlageklassen; dem Reiz dieses Edelmetalls sind schon viele Menschen dauerhaft erlegen. Nicht wenige Anleger kaufen Gold als eine Art Versicherung gegen Umwälzungen im Wirtschafts- und Währungsleben. Für sie ist die jährliche Rendite einer Goldanlage weniger interessant als der Sicherheitsaspekt. Aber es gibt auch Anleger, die mit dem Erwerb von Gold Renditeziele verbinden. In diesem Fall muss Gold in der Konkurrenz mit anderen Anlageformen bestehen.

          Langfristige Anlageentscheidungen, garniert mit etwas Charttechnik

          Faber hat auf Dollarbasis und seit Ende 1975 zwei Anlagestrategien für Gold verglichen. Die einfachste Strategie ist das „Kaufen und Halten“. In der Grafik zeigt die rote Linie die Entwicklung eines solchen Investments.

          Die Entwicklung zwischen Dezember 1975 und Dezember 2012

          Von 1975 bis 1980 stieg der Wert steil an, dann aber musste der renditeorientierte Anleger eine rund zwei Jahrzehnte währende Durststrecke überstehen, ehe vor rund zehn Jahren eine überaus kräftige Hausse am Goldmarkt einsetzte. Für den Zeitraum von 1975 bis 2012 ergibt sich ein durchschnittlicher jährlicher Wertzuwachs von 6,5 Prozent. Das ist ein sehr gutes Ergebnis.

          Aber es ging noch viel besser. Ein altes, in Amerika recht verbreitetes Vorgehen besteht darin, die langfristigen Anlageentscheidungen mit einem kleinen Schuss simpler Charttechnik zu garnieren. Konkret geht es darum, eine Anlage nur dann zu halten, wenn ihr aktueller Preis höher liegt als der durchschnittliche Preis eines zu definierenden Zeitraums in der Vergangenheit.

          Häufig wählt man den Durchschnittspreis aus den vergangenen 200 Handelstagen; Faber hat im vorliegenden Fall den Durchschnittspreis der vergangenen 10 Monate gewählt. Der Anleger war so lange in Gold investiert, wie der aktuelle Preis über dem Durchschnittspreis der vergangenen 10 Monate lag. Fiel er darunter, wurde das Gold verkauft und der Erlös alternativ in amerikanischen Schatzwechseln oder zehnjährigen Staatsanleihen anlegt.

          Regelmäßige Erträge bei Anleihen und Pfandbriefen

          Mit dieser Strategie war der Anleger bis Anfang der achtziger Jahre in Gold investiert. Dann wurde in der Baisse das Edelmetall verkauft und die Zinspapiere erworben. Vor rund zehn Jahren gab der Chart dann wieder das Signal, in Gold zu gehen. Mit dieser Strategie ließen sich noch einmal deutlich höhere Renditen erzielen. Bevorzugte der Anleger die Schatzwechsel, errechnet sich zwischen 1975 und 2012 ein jährlicher Wertzuwachs von 10,7 Prozent. Wurden statt der Schatzwechsel Anleihen gewählt, ergab sich sogar ein jährlicher Wertzuwachs von 13,2 Prozent.

          Manche Vermögensformen werden in erster Linie wegen der idealerweise regelmäßigen Erträge gekauft. Das gilt für Anleihen und Pfandbriefe, für Immobilien und für die von Großanlegern zunehmend geschätzten Anlagen in Infrastruktur. Andere Anlagen wie Aktien, Rohstoffe und Edelmetalle leben nicht zuletzt von der Hoffnung auf Preissteigerungen. Gerade bei Anlagen mit hohen Preisschwankungen kann es interessant sein, ein wenig Charttechnik zu berücksichtigen. Übrigens: Nach dem oben beschriebenen Verfahren hat ein Anleger sein Gold schon Ende 2012 wieder einmal verkauft.

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