https://www.faz.net/-hbv-8cow5

Die Vermögensfrage : Zwangsversteigerungen bieten Häuserschnäppchen

Vermüllt oder mutwillig zerstört

Zum Gerichtstermin kann sich dann jedermann einfinden. Wer sich mit seinem Personalausweis registriert und dem Gericht eine Sicherheitsleistung von 10 Prozent des vom Gutachter festgestellten Verkehrswertes nachweisen kann, darf mitbieten. Die Sicherheitsleistung kann durch eine Bankbürgschaft, einen Bankscheck oder durch rechtzeitige Überweisung an das Gericht geschehen. Bargeld ist nicht zugelassen.

In der Versteigerung erläutert der Rechtspfleger zunächst die Sachlage. Wer sich vernünftig auf eine solche Versteigerung vorbereitet hat, sollte hier nicht mehr überrascht werden. Wichtigster Punkt sind nämlich die im Grundbuch eingetragenen Lasten auf dem Objekt. Neben der Grundschuld können dies zum Beispiel Wegerechte oder Wohnrechte sein.

Jeder Käufer ist selbst dafür verantwortlich, sich über solche Belastungen zu informieren. Das ist vom Bundesgerichtshof so bekräftigt worden, nachdem ein Versteigerungsgewinner den Beginn der Veranstaltung verpasst hatte und hinterher vergebens klagte, weil er von der eingetragenen Grundschuld nichts gewusst habe. Der Bieter sollte sich im Klaren darüber sein, dass er ein Objekt mit allen Rechten, aber auch allen Pflichten übernimmt. „Wer ein ehemaliges Tankstellengrundstück ersteigert, der ist ab Zuschlag auch für etwaige Altlasten verantwortlich“, sagt Jurist Hannemann. Der Ersteher muss das Objekt zudem so übernehmen, wie es ist.

Im Regelfall können die Immobilien vorher besichtigt werden. Gelegentlich verweigern die Eigentümer dies aber auch. Das Recht haben sie, egal wie hoch sie verschuldet sind. Ist die Immobilie vermüllt oder mutwillig zerstört, ist auch dies das Problem des neuen Eigentümers. Anspruch auf besenreine Hinterlassung hat er nicht. Mit dem Zuschlag hat er zugleich einen Titel, die Immobilie räumen zu lassen. Die Kosten einer etwaigen Zwangsräumung trägt er jedoch selbst. Auch dies sind Ausnahmefälle, es kommt aber vor. Ist das Objekt vermietet, bleibt der geltende Mietvertrag bestehen, kann jedoch mit drei Monaten Frist bei Vorliegen eines berechtigten Interesses, wie etwa wegen Eigenbedarf, gekündigt werden.

Überfüllte Versteigerungstermine

All dies sollte ein Bieter wissen, bevor er in der Versteigerung die Hand hebt. Auch über den festgestellten Verkehrswert sollte er sich keine Illusionen machen. „Wir haben drei baugleiche Wohnungen in Bonn in einem Haus und die Gutachter kamen zu Verkehrswerten zwischen 24.500 und 49.500 Euro“, sagt Marktbeobachter Mohr: „Die 50 Seiten Gutachten erwecken den Eindruck einer Pseudo-Genauigkeit, die so nicht gegeben ist.“ Die Gutachter können für ihr Schriftstück zudem nicht haftbar gemacht werden. Eine Erhebung der Universität Regensburg habe zum Ergebnis gehabt, dass die gutachterlich ermittelten Verkehrswerte keine Korrelation zu Marktwerten vergleichbarer Immobilien aufwiesen.

In der Versteigerung von Belang sind die Werte trotzdem. Das Gericht darf nämlich im ersten Termin nur dann dem meistbietenden den Zuschlag erteilen, wenn er mindestens 50 Prozent des Verkehrswertes geboten hat. Der Gläubiger, der die Zwangsversteigerung beantragt hat, darf zudem bei Werten von weniger als 70 Prozent sein Veto einlegen. Da das Interesse an zwangsversteigerten Immobilien jedoch drastisch gestiegen ist, werden zweite oder gar dritte Versteigerungstermine für dieselbe Immobilie seltener. In begehrten Lagen wird oft sogar deutlich mehr als der Verkehrswert geboten. Versteigerungstermine sind überfüllt, und es kommt zu regelrechten Bieterschlachten. Dabei kann es sich um die schicke Arztvilla ebenso handeln wie um die topmoderne Eigentumswohnung. „Es ist nicht so, dass es sich bei zwangsversteigerten Immobilien immer nur um heruntergekommene, dem Verfall preisgegebene und verwohnte Objekte handelt“, sagt der Immobilienfachmann.

Topmeldungen

Joe Biden : Kandidat aus Notwehr

Der ehemalige Vizepräsident Joe Biden hat seine Bewerbung für die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten angekündigt. Vielen gilt er als Favorit – nun muss er sein inhaltliches Profil schärfen.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.