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Die Vermögensfrage : Zinsen sind gar nicht so wichtig

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Alt aber bezahlt: Wer weniger fürs erste Auto ausgibt und dafür keinen Kredit braucht, zahlt auch keinen Preis für Ungeduld Bild: dpa

Die Zinsen sind mickrig, Zinseszinsen gibt es kaum noch. Deshalb hören viele auf zu sparen. Doch das ist keine gute Idee. Für viele Sparvorhaben sind die Zinsen gar nicht entscheidend.

          Die Senkung des Leitzinses hat allen Anlegern und Sparern vor Augen geführt, dass Zinsen kein himmlisches Geschenk, sondern menschliches Machwerk sind. Es wird auf unbestimmte Zeit für Zinsgeschäfte, so makaber das klingt, keine Zinsen mehr geben. Daher stellen sich die ersten Anleger leise die Frage, ob sich Sparen überhaupt noch lohne. Die Antwort lautet klar und laut: Ja, unbedingt! Sparen ist kein Selbstzweck, sondern Vorsorge fürs Leben. Es geht nicht um Zinsen, sondern um die Bereitschaft, für bestimmte Vorhaben überhaupt Geld auf die hohe Kante zu legen, und es geht um die Notwendigkeit, diese Ersparnisse so sicher wie möglich anzulegen, um die Ziele auch zu erreichen. Die Bedeutung von Zins und Zinseszins ist längst nicht so groß, wie viele Leute meinen, weil im Alltag eher kurz- und mittelfristige Sparverträge vonnöten sind. Auch die Liebhaber großer Zahlen sollten sich nach Möglichkeit nicht zu sehr von Zeit und Zins beeindrucken lassen. Sonst schießt die Phantasie arg ins Kraut wie in folgender Kostprobe.

          Bremen erhielt 888 das Marktrecht. Wären damals „lumpige“ 200 Taler nach den Regeln des ehrbaren Kaufmanns, auf die an der Weser so großer Wert gelegt wird, zu jährlich 2 Prozent angelegt worden, wären heute eine Billion Taler – das ist eine Eins mit zwölf Nullen – in der bremischen Senatskasse. Statt viel Geld im Sack haben die Hanseaten erdrückende Schulden auf dem Buckel. Die Bremer gelten unter Kämmerern als die Griechen von der Weser. Sie sind pro Kopf mit 36.000 Euro verschuldet, so dass im öffentlichen Haushalt etwa 24 Milliarden Euro fehlen.

          Der leichtfertige Umgang mit großen Zahlen ist freilich kein Privileg roter oder grüner Politiker. Er ist auch in schwarzen Privathäusern an der Tagesordnung. Beispiel: Der Traum vom Millionär ist so alt wie die Menschheit. Folglich ist es kein Wunder, dass Verkäufer von Investmentfonds mächtig Eindruck schinden, wenn sie jungen Zuhörern vorrechnen, dass aus 10.000 Euro bei einer Rendite von 10 Prozent nach 50 Jahren rund 1.174.000 Euro werden. Die Kalkulation ist mathematisch korrekt, doch die Rechnung geht an der Realität vorbei. Erstens gibt es nur wenige Leute, die im Alter von 20 Jahren mal eben 10.000 Euro zur Verfügung haben, zweitens sind jährliche Renditen von 10 Prozent nach Abzug von Spesen und Steuern fromme Wünsche, und drittens sind Menschen, die Geld aus purer Lust an dessen Vermehrung ein halbes Jahrhundert anlegen, im besten Sinne des Wortes seltene Paradiesvögel.

          Viel wichtiger als der Traum vom großen Geld ist die Kraft, mit 10.000 Euro kein Auto zu kaufen, das 20.000 Euro kostet, weil sonst der Absturz vorgezeichnet ist. Im normalen Leben geht es nicht um Geldanlagen mit langen Laufzeiten, sondern um Sparverträge mit kurzen Laufzeiten, so dass die Botschaft lautet: Zuerst das Geld, dann die Sicherheit, zuletzt der Zins. Das kommt auf den nächsten Seiten in fünf Beispielen zum Ausdruck.

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