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Die Vermögensfrage : Kinder in Patchwork-Familien erben wie beim Roulette

Glücksspiel: Kunterbunte, aber komplizierte Familienverhältnisse machen ein Testament fast zwingend erforderlich. Bild: plainpicture/souslesarbres

Die Stiefkinder, deren Elternteil länger lebt, erben nach dem Gesetz mehr. Kommen gemeinsame Kinder hinzu, sind sie gegenüber einseitigen Kindern privilegiert. Wer das ungerecht findet, muss handeln. Die Vermögensfrage.

          7 Min.

          Anna und Martin sind frisch verheiratet. Für beide ist es die erste Ehe. Beide haben aber jeweils ein Kind aus einer früheren Beziehung. Annas Tochter Lena ist drei, Martins Sohn Marlon vier Jahre alt. Zu viert leben sie zusammen in einer Mietwohnung. Fragen wie etwa, ob und wann die Kinder mit dem früheren Partner in Urlaub fahren oder Weihnachten feiern, scheinen in dieser Patchwork-Familie für alle befriedigend gelöst. Nur ein Thema sind die beiden frisch Vermählten (noch) nicht angegangen: Das Erben. Dabei ist es für Patchwork-Familien besonders wichtig, sich damit zu beschäftigen. Denn das Erbrecht geht nach wir vor von der Vater-Mutter-Kind-Familie mit leiblichen Kindern aus. „Patchwork-Fälle“ werden vom Gesetzgeber kaum mitgedacht.

          Hanno Mußler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das zeigt sich schnell mit Blick auf unseren eingangs beschriebenen Fall: Ehefrau Anna hat gerade ihr Elternhaus geerbt, das – so wollen wir hier annehmen – 500.000 Euro wert ist. Auch Ehemann Martin verfügt über Vermögen. Nehmen wir einfachheitshalber an, sein Geld auf dem Konto und die Aktien im Depot hätten einen Wert von ebenfalls 500.000 Euro. Der Blick ins Erbrecht zeigt Überraschendes. Obwohl die Vermögen beider Ehepartner gleich hoch sind, erben die beiden einseitigen Kinder der beiden neuen Ehepartner unterschiedlich viel, wenn es kein Testament gibt.

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