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Die Vermögensfrage : Zankapfel Kindergeld

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Willkommen auf der Welt: Ein regelmäßiger Sparplan für das Kindergeld sollte gut überlegt sein. Bild: dpa

Was tun mit dem Kindergeld? Darüber streiten Familien seit Jahrzehnten. Großeltern und Eltern denken dabei häufig zu sehr an die Zukunft – und übersehen die Gegenwart.

          Die Verwendung des Kindergeldes ist ein Thema, das seit Jahrzehnten Familien beschäftigt. Großeltern neigen dazu, kaum sind Enkel auf der Welt, ihren Kindern in den Ohren zu liegen, für die Jüngsten vorzusorgen, und wenn die Distanz nicht groß genug ist, zeigt die Beschallung durchaus Wirkung. Die Eltern machen sich tatsächlich Gedanken, wie das Kindergeld – monatlich 184 Euro – sinnvollen Verwendungen zugeführt werden kann. Ist ein Banksparplan die richtige Lösung? Was ist vom Bausparen zu halten? Kommt eine Ausbildungsversicherung in Frage? Oder ist auf lange Sicht ein Aktiensparplan die beste Lösung?

          Es liegt in der Natur der Sache, dass jeder Sparvertrag bestimmte Chancen bietet und gewisse Risiken enthält. Viel wichtiger als das Abwägen der Vor- und Nachteile ist freilich die Antwort auf die Frage, was mit dem Kindergeld beziehungsweise dem Kapital, das im Laufe der Jahre angesammelt wird, eigentlich bezahlt werden soll. Geht es um das Auto oder das Motorrad zum 18.Geburtstag? Soll mit dem Geld die nach dem Abitur verbreitete Selbstfindung des Kindes finanziert werden? Soll das Geld in die Ausbildung gesteckt werden? Oder sollen es die Kinder einfach nur besser haben als ihre Eltern und Großeltern?

          Die Überlegungen mögen hier und da Kopfschütteln auslösen, aber das ändert nichts an der Frage, was mit dem Kindergeld erreicht werden soll. Warum denken so viele Großeltern und Eltern an die Zukunft und übersehen die Gegenwart? Das Kindergeld in Deutschland beträgt 184 Euro pro Monat. Alternativ kann der Kinderfreibetrag von 7.008 Euro geltend gemacht werden. Er ist interessant für Eltern, die viel Geld verdienen. Bei einem Steuersatz von 35 Prozent führt der Kinderfreibetrag zu einem Steuervorteil von 2.453 Euro, so dass das Kindergeld monatlich 204 Euro beträgt, und bei einem Steuersatz von 45 Prozent kommen 263 Euro zusammen.

          Für vermögende Eltern ist der Kinderfreibetrag interessant

          Die monatlichen Beträge von 184 bis 263 Euro sollten, das liegt auf der Hand, erst einmal für die Erziehung der Kinder verwendet werden. Sonst besteht die Gefahr, vor lauter Bäumen den Wald aus dem Blick zu verlieren. Kinder wachsen heute auf. Dafür ist jetzt Geld nötig. Umgekehrt hat es wenig Sinn, heute in der Hoffnung zu darben, dass sich der Verzicht in 18 oder 20 Jahren auszahlen wird. Bei Scheidungsraten von 40 bis 50 Prozent sollten sich Eltern weniger um die Anlage des Kindergeldes, sondern um Stabilität der Ehe kümmern, weil Trennungen die mit Abstand schlechteste Geldanlage sind.

          Wenn das Kindergeld „trotzdem“ auf die hohe Kante gelegt werden soll, wird die Ausbildung der Kinder mit hoher Wahrscheinlichkeit oberste Priorität genießen. Die akademische Erziehung von Kindern kostet zurzeit etwa 750 Euro pro Monat. Das sind bei einer Studiendauer von fünf Jahren insgesamt 45.000 Euro. Wenn das Kapital durch die Inflation in Zukunft um jährlich 2 Prozent angegriffen wird, werden in 18 Jahren ungefähr 64000 Euro nötig sein, um das Studium zu finanzieren. Dafür müssen monatlich 296 Euro aufgewendet werden, wenn keine Zinsen bezahlt werden würden.

          Die meisten Eltern haben aber die Hoffnung, die Sparraten mit Hilfe von Zins und Zinseszins senken zu können. Das mag manchmal gelingen, doch wenn es um Glaube und Hoffnung geht, dürften die meisten Eltern in der Kirche besser aufgehoben sein. Hier ist bei Banken, Bausparkassen und Versicherungen zurzeit nicht viel zu holen. Die Zinsen sind im Keller, und es sind keine Anzeichen erkennbar, dass sich daran in naher Zukunft viel ändern wird. Das hat nicht nur auf die Altersversorgung der Großeltern und Eltern, sondern auch auf die Ausbildung der Kinder Auswirkungen, wie die Analyse der wichtigsten Sparverträge zeigt.

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