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Vermögensfrage : Fonds günstig kaufen

Hamburger Börse: Fondshandelsplatz an der Elbe Bild: Daniel Sumesgutner

Noch immer zahlen die meisten Anleger hohe Ausgabeaufschläge für ihre Fonds. Das muss nicht sein. Es gibt mittlerweile genug Möglichkeiten, sie zu umgehen.

          Eine Bank schickt dem Anleger keine Rechnung. Das ist ja das fiese am bestehenden Filialvertrieb. Gebühren werden beim Kauf von Finanzprodukten meist unbemerkt gleich mitbezahlt. Müsste die Bank beim Erwerb eines handelsüblichen Fonds für 10.000 Euro eine Rechnung über 476 Euro für den Ausgabeaufschlag beifügen, der Anleger wäre empört.

          Daniel Mohr

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Genau das zahlt der Kunde aber bei fast allen in der Filiale verkauften Fonds. Fünf Prozent Ausgabeaufschlag ist der gängige Satz für aktiv gemanagte Fonds und nur die werden in den Filialen vertrieben. Das traurige für den Anleger dabei ist zudem, dass sein Schaden nicht bei der ersten Gebühr bleibt. Das Geld fehlt ihm künftig in der Geldanlage. Gewinnt sein Fonds zum Beispiel 5 Prozent an Wert, entgeht ihm auch auf die von der Bank einbehaltenen 476 Euro die Rendite. Das wären immerhin weitere 24 Euro gleich im ersten Jahr.

          Die meisten Fonds werden mit zu teuer verkauft

          Langfristig summiert sich diese entgangene Rendite durch den Zinseszinseffekt auf Beträge weit über 1000 Euro. Wer zum Beispiel für 30 Jahre seinen Fonds liegen lässt, der verliert allein durch den Ausgabeaufschlag bei einer unterstellten jährlichen Wertsteigerung des Fonds von 5 Prozent in der Summe 1300 Euro und damit weit mehr als die anfängliche Gebühr von 476 Euro.

          Noch schlimmer erwischt es denjenigen, der häufiger Fonds kauft. Denn der Ausgabeaufschlag wird jedes Mal fällig. Wer also nicht stur 30 Jahre denselben Fonds behält, sondern alle fünf Jahre das Geld in einen anderen umschichtet, der zahlt sechs Mal den Ausgabeaufschlag. Wer wieder mit 10.000 Euro anfängt, summiert seine Ausgabeaufschläge auf knapp 4000 Euro. Hinzu kommt noch die entgangene Rendite.

          Das Problem des Ausgabeaufschlags haben immer mehr Anleger erkannt. Sie sind aber noch in der Minderheit. Aus dem Fondsvertrieb ist zu hören, dass etwa drei Viertel der Fonds noch immer zu vollen Ausgabeaufschlägen verkauft werden. Das Geld fließt nicht der Fondsgesellschaft zu, sondern dem Vertrieb des Fonds, also in der Regel der Filialbank. Anders verhält es sich bei der anfallenden jährlichen Verwaltungsgebühr. Die teilen sich Fondsgesellschaft und Vertrieb je nach Verhandlungsgeschick und Marktmacht auf.

          Besonders hartnäckig halten an den vollen Ausgabeaufschlägen die vertriebsstarken Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken, aber auch die Postbank fest. In anderen Filialen wird vermehrt mit Rabatten gearbeitet, insbesondere für wohlhabendere Kunden. Aber auch das wird nicht an die große Glocke gehängt, schließlich ist der Erlös aus dem Fondsvertrieb eine wichtige Einnahmequelle der Banken.

          Ist das Verkaufsgespräch mehrere 100 Euro wert?

          Wer den Kauf eines Fonds plant oder sogar häufiger Fonds kauft, der sollte dringend über Alternativen nachdenken. Ist dem Anleger das Verkaufsgespräch in seiner Bank wirklich mehrere Hundert Euro wert oder informiert er sich lieber an unabhängiger Stelle selbst?

          Zumal der Informationsgehalt des Filialgesprächs meist überschaubar ist. Im schlimmsten Fall bekommt er auch noch ein schlechtes Produkt verkauft, nur weil dies gerade als Vertriebsvorgabe der Bank an den Kunden gebracht werden muss. Viele Filialen beschränken das Angebot im wesentlichen zudem auf hauseigene Produkte. Diese müssen nicht die stärksten Fonds am Markt sein.

          Wer also keinen Wert auf das Gespräch in seiner Filiale legt, der sollte sich auch tunlichst den teuren Ausgabeaufschlag sparen. Denn alternative Angebote dazu gibt es längst und immer mehr. So bieten alle Direktbanken etliche aktiv gemanagte Fonds ohne Ausgabeaufschlag an und viele weitere mit deutlichen Rabatten.

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