https://www.faz.net/-hbv-892wk

Die Vermögensfrage : Welche Kranken-Zusatzversicherung brauche ich?

  • -Aktualisiert am

Eine Frage der Perspektive: Marterwerkzeuge für den Patienten und Geldquelle für den Arzt. Bild: Bildagentur-online/Chromorange

Immer mehr gesetzlich Versicherte füllen die Lücken der Kassenleistungen mit den Angeboten der Privaten. Dabei ist nicht jede Police sinnvoll. Millionen Verträge können getrost gekündigt werden.

          6 Min.

          Statistiken kann man ja meist fröhlich positiv oder kritisch nörgelnd interpretieren. Das gilt auch für die Zahl der 18,1 Millionen Zusatzversicherungen, die in Deutschland gesetzlich Krankenversicherte Ende vergangenen Jahres abgeschlossen hatten. Die nörgelnde Variante liest sich so: Die Gesetzliche Krankenversicherung ist so schlecht, dass ihre 70 Millionen Versicherten Jahr für Jahr mehr Zusatzversicherungen bei der privaten Konkurrenz glauben kaufen zu müssen.

          Die positive Interpretation geht anders: Immer mehr gesetzlich Versicherte haben das Geld und den Anspruch, sich auch im Krankheitsfall das Besondere zu gönnen. Inzwischen haben sie über 18 Millionen Verträge abgeschlossen. Und sie fahren wohl ganz gut damit. Immerhin zeigte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) in seinem Wochenbericht 14 des vergangenen Jahres auf, dass „Personen mit einem sehr guten oder guten Gesundheitszustand“ häufiger im Besitz einer Zusatzversicherung seien als diejenigen, „die ihren Gesundheitszustand schlechter einschätzen“.

          Die Forscher bieten zwei Erklärungen für das Phänomen: Entweder bekommen eher Gesunde eine Zusatzversicherung, weil die Verträge für Kranke teurer sind, oder aber die Zusatzversicherten gehen häufiger zum Arzt und sind deshalb gesünder. Dass Zusatzversicherte „einen höheren Anteil an Arztkontakten“ haben, ist erwiesen, dass sie deshalb auch gesünder sind, ist eher eine Ansichtssache.

          Ein paar Millionen unnötige Verträge

          Auf jeden Fall helfen die Zusatzversicherungen den privaten Krankenversicherern. Denn zu den 18,1 Millionen Verträgen für gesetzlich Versicherte kommen bei den privaten Krankenversicherern ausweislich der Statistik ihres Verbandes noch 2,5 Millionen Pflegezusatzversicherungen und 3,6 Millionen Krankentagegeldversicherungen. Damit nicht genug: Irgendwie addieren sich auch noch 7,9 Millionen Krankenhaustagegeldverträge und 22,1 Millionen Auslandsreisekrankenversicherungen zu insgesamt über 54 Millionen Zusatzpolicen.

          Der Verband stapelt da tiefer: Er meldet für Ende 2014 knapp 24 Millionen „Zusatzversicherungen“, hinter denen sich einschließlich der Reisekrankenversicherung ziemlich genau 8 Milliarden Euro als Beiträge aufgebaut hatten. Das waren rund 250 Millionen Euro mehr als 2013. Bei allem Zahlendurcheinander gibt es aber keinen Zweifel: Das Geschäft mit den Zusatzversicherungen boomt. Dabei ist nicht jedes Produkt dieser Branche über jeden Zweifel erhaben. Ein paar Millionen Verträge könnten sich die Versicherten locker ersparen, ohne deshalb vom Elend bedroht zu werden.

          Krankenhaus-Tagegeld ist unnötig

          Beispiel Krankenhaustagegeldversicherungen: Diese Policen werden millionenfach verkauft und sind dennoch überflüssig. Hier geht es nicht um Lohnfortzahlung oder Einkommenssicherung wie beim Krankentagegeld, sondern es geht nur um ein Zubrot, das der Versicherte für jeden Tag einer stationären Krankenhausbehandlung bekommt. Er bestimmt und bezahlt die Summe selbst, in der Regel haben die Versicherer bei 50 Euro pro Tag eine Grenze eingezogen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ist die Welt noch zu retten? Eine Frau bei einer Demo in Lissabon.

          Raus aus der Klimakrise : „Moralappelle bringen nichts“

          Der Kölner Spieltheoretiker und Verhaltensökonom Axel Ockenfels erklärt im Interview, wo der Knackpunkt im Klimakonflikt liegt – und auf welcher Grundlage das Problem von der Weltgemeinschaft gelöst werden könnte.

          Muhammad Bin Salmans Pläne : Der Ölprinz mit der Billion

          Er ist jung und braucht das Geld: Der saudische Kronprinz Muhammad Bin Salman bringt den weltgrößten Ölkonzern Saudi Aramco an die Börse. Damit will er nicht nur das Land reformieren, sondern auch die eigene Macht sichern.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.